10 Jahre Christel-Wasiek-Stiftung – Seniorenhilfe weltweit

Vorstandsmitglied Georg Piepereit und Projektkoordinator Juan Alfredo Laura in Jarani in Peru in Jarani in Peru
© Christel-Wasiek-Stiftung – Seniorenhilfe weltweit
"Es geht immer um alte Menschen, die in Armut oder extremer Armut leben und die Auswirkungen des demografischen Wandels besonders spüren."
Christel Wasiek, Gründerin und Vorsitzende der Christel-Wasiek-Stiftung – Seniorenhilfe weltweit
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59 Projekte in 10 Jahren, um alten Menschen in Südamerika zu helfen, die Solidarität mit ihnen zu fördern, Generationen zu verbinden und Bildung zum Fachgebiet Gerontologie zu ermöglichen. Das ist die stolze Bilanz, auf die die Christel-Wasiek-Stiftung – Seniorenhilfe weltweit nun an ihrem zehnjährigen Bestehen am 12. September zurückblicken kann. Es ist ein bemerkenswertes Jubiläum, weil die Stiftung aus nur drei Personen besteht – der Gründerin Christel Wasiek und den beiden Vorstandsmitgliedern Georg Piepereit und Reinhard Würkner – und mit einer Gesamtsumme von 372.770,32 Euro nachhaltige Wirkung für die Gesellschaft in den Projektgebieten und darüber hinaus erzielt werden konnte.

Von der Sozialarbeiterin in Uruguay zur Stifterin

Christel Wasiek hatte bereits von 1970-1977 im Rahmen des Entwicklungsdienstes als Sozialarbeiterin in Uruguay gearbeitet und dabei die Schwierigkeiten von alten Menschen in Lateinamerika kennen gelernt. In dieser Zeit wurde sie auch zur Mitgründerin eines Vereins in Uruguay, der dazu beitragen wollte, die Lebenssituation von alten Menschen zu verbessern und ihnen die Möglichkeit zu geben, in Würde zu altern.

Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland blieb Christel Wasiek dem Thema über die Jahrzehnte durch ihre Arbeit für den Deutschen Caritasverband – Caritas International sowie der Zusammenarbeit mit Kirchen verbunden. So war es dann fast schon ein selbstverständlicher Schritt, dass sie eine Stiftung für Seniorenhilfe gründete, nachdem ein Erbe von ihren Eltern eingegangen war. 

Die Christel-Wasiek-Stiftung – Seniorenhilfe weltweit unterstützt Projekte von Organisationen der Zivilgesellschaft, wenn sie zukunftsorientiert, innovativ und nachhaltig sind und insbesondere dann, wenn sie

  • die Begegnung zwischen den Generationen fördern
  • konkrete Notsituationen alter Menschen lindern
  • den Aufbau von sozialen Diensten unterstützen
  • die Bildung von Netzwerken und den Erfahrungsaustausch fördern
  • die Fortbildung von Freiwilligen und Fachpersonal anregen und unterstützen
  • sowie dazu beitragen, das Erfahrungswissen von alten Menschen nutzbar zu machen

Daneben wird die Öffentlichkeit für die Auswirkungen des globalen demografischen Wandels sensibilisiert, z.B. durch die Fotoausstellung „Altsein in Lateinamerika”, die auch in Verbindung mit dem Jubiläum gezeigt wird. 

 

Projekte in sieben Ländern Südamerikas

Seit 2008 hat sich die Stiftung mit ihrem Wirken auf Südamerika konzentriert und arbeitet mit Partnern vor Ort in Chile, Kuba, Brasilien, Peru, Mexiko, Uruguay und Kolumbien zusammen. Christel Wasiek hat dafür zunächst ihre langjährige Kooperation mit den verschiedenen Caritas-Verbänden in den Ländern weiter ausgebaut. Inzwischen ist die Stiftung aber auch aufgrund der überzeugenden Arbeit von vielen anderen Partnern angesprochen worden.

Dabei wurde eine große Bandbreite von Projekten unterstützt: von 200 Euro für eine Initiative in der Mehrgenerationenarbeit in Uruguay bis hin zu einer vom Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) mit 51.911,00 Euro unterstützten Maßnahme zur Qualifizierung von Altenpflegehelferinnen in Brasilien.

Begrüßung von Christel Wasiek
© Christel-Wasiek-Stiftung – Seniorenhilfe weltweit
Begrüßung von Christel Wasiek und Georg Piepereit durch Sozialarbeiterin Yovana Nayra in Jarani in Peru

Von Projekten zu nachhaltiger Selbstinitiative

Wenn man die Möglichkeit hat, mit Christel Wasiek persönlich zu sprechen, so merkt man sehr schnell, wie sie sich darüber freut, dass mit Hilfe ihrer Arbeit das Selbstorganisationspotenzial der Menschen in Lateinamerika gesteigert werden konnte. So gründeten zum Beispiel Dorfbewohner in Huaracco-Ilave in Peru einen Verein mit heute 58 Mitgliedern, damit sich die Menschen dort selbst nachhaltig helfen konnten.

Oft braucht die Stiftung auch nur vergleichsweise geringe Summen, um Menschen darin zu unterstützen, ihre Ideen zu verwirklichen. So förderte die Stiftung eine Theatergruppe in Peru mit 1.940 Euro, um ein Theaterstück zu dem Thema „Gewalt gegen alte Menschen“ zu entwickeln und dadurch für das Thema zu sensibilisieren. Das Theaterstück wurde so erfolgreich, dass es über 1.400 Personen erreichte, bei den Begegnungstreffen zwischen jüngeren und älteren Menschen ein intensiver Austausch entstand und ein Video zur weiteren Verbreitung produziert wurde.

Ähnlich gelingt es Christel Wasiek auch mit Hilfe der Mehrgenerationen-Projekte Eigeninitiative zu fördern: In Zusammenarbeit mit der Katholischen Universität Uruguay hat die Stiftung Workshops und Weiterbildungsmaßnahmen zur Mehrgenerationenarbeit entwickelt und in Kuba, Peru, Mexiko und Brasilien durchgeführt, wo der Ansatz nun auch umgesetzt wird.

Mit Veröffentlichungen und Bibliotheken Fachwissen bereitstellen

Die Erfahrung der Stiftung zur Unterstützung der alten Menschen in Lateinamerika wurde in sechs Büchern und mehreren Schriften in Spanisch dokumentiert. Diese Veröffentlichungen sind Teil der Abteilungen mit gerontologischer Fachliteratur in den Bibliotheken in Caritas-Verbänden geworden, deren Aufbau in Kuba und Peru mit Stiftungsgeldern unterstützt werden konnten. Sie sind eine wichtige Quelle für die Weiterbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und werden in Peru sogar von Studierenden der staatlichen Universität genutzt.

Auch das bereits 1999 gegründete gerontologische Internetportal Red Latinoamericana de Gerontología wird von der Stiftung unterstützt.

Ausblick: Kooperationen um noch mehr Wirkungen zu erzielen

Christel Wasiek hat gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen gemacht und möchte das in den nächsten Jahren noch weiter ausbauen. Über den Austausch mit der Stiftung Weg der Hoffnung wurde zum Beispiel in Kolumbien ein Seniorengarten etabliert, in dem 20 ältere Menschen über den gemeinsamen Anbau von Obst und Gemüse eine Gemeinschaft aufgebaut haben, in der man nicht nur die Versorgung verbessert, sondern auch mehr aufeinander achtet und füreinander da ist.

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Autorin:
Dr. Annette Kleinbrod

EZ-Scout der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Entsandt an: Bundesverband Deutscher Stiftungen

Telefon (030) 89 79 47-83