Stimmen und Tipps der Stiftungspartner des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen

Aus der StiftungsWelt 01-2017 "Kapital und Wirkung. Ein Blick zurück und nach vorn – wie Stiftungen erfolgreich wirtschaften können.

"Um es mit Erich Kästner zu halten: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Warum nicht einfach mit einer wirkungsorientierten Investition beginnen? Sicherlich nicht ohne vorher auf die Anlagerichtlinien zu schauen, im Zweifel die Stiftungsaufsicht einzubeziehen und vor allem: nur in kleinen Schritten, um erste Erfahrungen zu sammeln. Eine Stiftung gibt z. B. eine kleine Bürgschaft oder ein Nachrangdarlehen für ein soziales Projekt oder ein Start-up und ermöglicht dadurch eine Gesamtfinanzierung, die sonst nicht zustande gekommen wäre. Nach frühestens sechs oder zwölf Monaten tätigt diese Stiftung ihr nächstes Investment in ein interessantes Projekt, legt aber unbedingt eine Obergrenze zur Risikosteuerung fest. Dann kann sie ihr Engagement Schritt für Schritt ausbauen. Zwar müssen Stiftungen, die so agieren, mit einem hohen Aufwand rechnen, etwa vergleichbar mit Zuwendungen. Aber die Wirkung ist eben auch vergleichbar – wenn man es tut!"Thomas Goldfuss, Seniorexperte Nachhaltigkeit, GLS Gemeinschaftsbank eG

"Rendite, Risiko und Liquidität waren in der Vergangenheit die bestimmenden Faktoren für die Kapitalanlage. In den vergangenen Jahren ist dieses „magische Dreieck“ der Kapitalanlage um den Aspekt der Nachhaltigkeit zum Viereck erweitert worden. Die Wirkung des Stiftungskapitals wird durch die Berücksichtigung der Nachhaltigkeit deutlich erhöht. Der Ansatz von Nachhaltigkeitskriterien sorgt für eine zweite Rendite. Grundlage zur langfristigen Stärkung der Gesamtwirkung von Stiftungen ist es, die Nachhaltigkeit der Kapitalanlagen zu berücksichtigen und die investierbaren Assetklassen auszubauen. Die Umsetzung einer Multi-Asset-Strategie führt zu einer Reduzierung des Risikos. Diese Strategie sollten Stiftungen regelmäßig den aktuellen Kapitalmarktbedingungen anpassen."

Michael Hepers, Bereichsleiter Asset Management, Evangelische Bank eG

"Die unberechenbare Trump-Politik und der Brexit versprechen ein turbulentes Jahr. Wie und wo können Stiftungen auch im Jahr 2017 noch Renditen auf ihr eingesetztes Kapital erzielen? Konsequentes Agieren, Chance erkennen, sich nicht von der negativen Dauerbeschallung anstecken lassen – so lautet unser Rezept. 2017 bietet für die Vermögensanlage Chance, aber auch erhebliche Risiken. In diesem Umfeld empfiehlt sich eine breite Diversifikation über verschiedene Anlageklassen. Vor allem die sogenannten risikolosen Staatsanleihen dürften in einem Umfeld von steigenden Zinsen und Inflation zu bösen Überraschungen führen. Die taktische Allokation und das aktive Management werden dadurch weiter an Bedeutung gewinnen. In einem risikobehafteten Umfeld ist zudem auf effizientes Liquiditätsmanagement und Qualität zu achten, um jederzeit adäquat reagieren zu können."

Alexander Prinz von Hessen, Geschäftsführender Direktor, Schroders & Co. Limited, Frankfurt Branch, Schroders Wealth Management, Frankfurt am Main

"Impact Investing – den Euro zweifach anlegen: Gemeinnützige Einrichtungen verfolgen bei ihren Kapitalanlagen zunehmend das Ziel, neben einer finanziellen auch eine gesellschaftliche Rendite zu erzielen. Impact Investing bietet die Möglichkeit, direkt auf soziale und ökologische Missstände einzuwirken und lässt sich mittlerweile weltweit in fast allen Anlageklassen umsetzen – vom Fonds über Immobilien bis hin zum Darlehen. Insbesondere für Stiftungen stellen wirkungsorientierte Investments einen wichtigen Ansatzpunkt dar, um ihre satzungsgemäßen Ziele zu erreichen."

Karin Kohler, Stellvertretende Direktorin im Bereich Institutionelle Kunden, Weberbank AG, Mitglied des Vorstandes, Weberbank-Stiftung

"Die Anlage des Stiftungsvermögens nach ökologischen und sozialen Kriterien kann sich gleich doppelt auszahlen: Einerseits werden damit konkrete Nachhaltigkeitsziele wie die Bekämpfung des Klimawandels oder der Eintritt für Menschen- und Arbeitsrechte unterstützt. Andererseits können Stiftungen ihren Auftrag mit mehr Wirkungskraft verfolgen, da eine nachhaltige Geldanlage eine gleiche oder sogar bessere Rendite-Performance erzielen kann. Stiftungen können bereits bei der Kapitalanlage durch eine Neuausrichtung der Anlagestrategie langfristig die Stiftungswirkung optimieren. Werden auch soziale und ökologische Kriterien bei der Auswahl von Aktien und Anleihen berücksichtigt, kann das Stiftungskapital dem Stiftungszweck entsprechend verantwortungsvoll investiert werden."

Karin Siemann, Senior Manager Client Relations, oekom research