ThinkLab Deutscher Stiftungen: "Das Bedürfnis, sich auszutauschen, ist riesig“

Teilnehmende am ThinkLab Deutscher Stiftungen
Dirk Enters

Interview mit Dr. Gereon Schuch – Leiter des ThinksLabs Deutscher Stiftungen

Im Interview erläutert Dr. Gereon Schuch, was das Besondere am ThinkLab ist, warum Stiftungen vom Phänomen des Postfaktischen besonders betroffen sind und weshalb sich manche Projektverantwortliche bei diesem Thema alleingelassen fühlen.

Die Fragen stellte Nicole Alexander.

Herr Dr. Schuch, Sie leiten das ThinkLab Deutscher Stiftungen. Was ist das für ein Format? Und warum gibt es das?

Wir alle kennen das: Immer wieder stößt man in der täglichen Arbeit auf Themen, bei denen einem sofort klar ist, dass sie grundlegende Fragen aufwerfen. Nur: Im Berufsalltag bleibt kaum Zeit, sich intensiver mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Das ist ein strategisches Defizit, gerade für zukunftsorientierte Stiftungsarbeit. Das ThinkLab bietet Stiftungsmitarbeitern Raum, sich abseits ihrer vollen Terminkalender mit solchen Fragen des Stiftungssektors zu beschäftigen. Das Schöne dabei: Es wird nicht alleine gedacht, sondern in einem interdisziplinären Team, das verschiedene Sichtweisen diskutiert und gemeinsam neue Denk- und Lösungsansätze entwickelt.

Im ersten ThinkLab haben sich die Teilnehmer mit dem Thema „Stiftungshandeln in postfaktischen Zeiten“ auseinandergesetzt. Was war für Sie die wichtigste Erkenntnis aus dieser Runde?

In den ersten Diskussionen wurde schnell deutlich: Alle ahnen, merken oder befürchten, dass sie in ihrer Arbeit vom Phänomen „postfaktisch“ betroffen sind. Denn werden öffentliche Diskussionen von einer Relativierung des Faktischen oder gar von Unwahrheiten geprägt, so erschwert das etwa die Überzeugungsarbeit, die bei sozialen Projekten geleistet werden muss, genauso wie den Ausbau internationaler Wissenschaftsförderung. Unter den Teilnehmern war das Bedürfnis sehr groß, sich über Institutionen hinweg zu der Frage auszutauschen, wie sich dieser Entwicklung begegnen lässt. Die Projektverantwortlichen fühlen sich hier manchmal alleine gelassen!

Im Think Lab arbeiten Sie mit innovativen Methoden, um neue Denk- und Handlungsansätze zu entwickeln. Was heißt das konkret?

Wir haben die Beobachtung gemacht, dass Stiftungen oft den Anspruch haben, in ihren Projekten innovative Methoden einzusetzen, in ihrer eigenen hausinternen Projektentwicklung aber mitunter sehr klassisch arbeiten. Im ThinkLab lernen die Teilnehmer neue Methoden intensiv kennen und wenden diese praxisorientiert an: Im ersten ThinkLab haben wir mit Design Thinking gearbeitet, im nächsten ThinkLab nutzen wir Strategic Foresight. Die Teilnehmer tragen ihre erweiterte Methodenkenntnis zum einen in ihre Stiftungen zurück, ergänzen damit zum anderen aber auch ihr individuelles Kompetenzprofil. Das ThinkLab ist also in gewisser Hinsicht auch ein Modul der Personalentwicklung.

Im September hat die zweite Runde des ThinkLabs begonnen. Worum geht es da? Um die Konsequenzen der Digitalisierung: Wie wird die digitalisierte Welt im Jahr 2030 aussehen?

Wir entwickeln Zukunftsszenarien und fragen dann, welche Auswirkungen diese Veränderungen auf den Denkraum, Arbeitsort und Impulsgeber Stiftung haben werden. Dabei geht es einerseits um die organisatorische Ebene der digitalen Institution, andererseits um die veränderten Anforderungen an gemeinwohlorientiertes Wirken, um neue Handlungsfelder und neue Herausforderungen, die auf Stiftungen zukommen werden. Unser Ziel ist es, Orientierungspunkte für eine Fernsicht zu entwerfen.