Handelsblatt print: Nr. 214 vom 04.11.2016 Seite 069 / Familienunternehmen

FELIX OLDENBURG
 
Querdenker mit Mission

Der Generalsekretär hat nie für eine klassische Stiftung gearbeitet — und gilt gerade deshalb als Chance für den Bundesverband Deutscher Stiftungen.


Ungewöhnliche Ideen an unwahrscheinlichen Orten — damit kennt sich Felix Oldenburg, seit April Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen, aus. Oldenburg hat viele Jahre Gründer unterstützt, die mit ihrer Firma soziale Probleme lösen wollen. Ashoka heißt die Organisation für Sozialunterunternehmer, deren Europachef er einige Jahre war und mit der er das Thema in Deutschland salonfähig machte.

Als unwahrscheinlich galt es bis vor einigen Monaten auch, dass jemand wie er einmal die Geschäfte des Bundesverbands mit seinen 4.100 Mitgliedern — darunter die großen Unternehmensstiftungen wie Hertie, Bosch oder BMW — leiten wird. Oldenburg, Jahrgang 1976, hat nie für eine klassische Stiftung gearbeitet, einige haben sich gewundert, als sein Name auf der Bewerberliste auftauchte. "Er ist als Querdenker aber eine große Chance für den Verband", sagt ein Stiftungsmanager. Denn die Stiftungen machen sich nicht nur wegen der Niedrigzinsen Sorgen um ihre Zukunft, manche sprechen gar von einem radikalen Strukturwandel, der dem Sektor bevorsteht. "Der Vorstand suchte jemanden, der die Brücke zur Zukunft der Stiftungen und der nächsten Generation von Stiftenden schlagen kann", drückt es Oldenburg aus.

Er glaubt, dass die Zukunft auch in der Vergangenheit liegt. Die ältesten Stiftungen in Deutschland hätten seinerzeit soziale Probleme gelöst, indem sie Wohnheime und Krankenhäuser betrieben. Das war soziales Unternehmertum. Warum also sollten sie nicht auch heute, da wo es rechtlich möglich ist, ihr Geld in solche Unternehmungen investieren? Man beginne zu verstehen, dass es nicht mehr Stiftungsgeld zum Investieren und Geld zum Spenden gibt. "Diese Teilung ist doch künstlich", sagt Oldenburg. Der frühere McKinsey-Berater, der in seinem Berufsleben auch schon Bürgerbeteiligungsverfahren initiiert und moderiert hat, sieht wegen der "Brotkrümel", die Finanzanlagen noch abwerfen, eine "historische Gelegenheit".

Man könnte sagen, es liegt in seiner Familie, Dinge anders zu machen. Oldenburg, aufgewachsen auf der Insel Föhr, erinnert sich, wie sein Vater einst Solarpaneele aufs Dach schraubte, lange bevor man damit Geld verdienen konnte. Er überträgt das auf den Stiftungssektor: "Für die Ideen, die sich noch nicht lohnen, könnte man mehr Spendengelder nehmen." So lange, bis sie sich lohnen.

Er weiß, dass dafür ein "Umdenken" nötig ist — in der Stiftungslandschaft, aber auch im Verband. "Am Anfang waren alle nett, jetzt müssen wir liefern", so seine Analyse nach den ersten Monaten, in denen er viel gereist ist, um sich und seine Ideen vorzustellen. Er werde einiges auszufechten haben, meint einer, der den Verband gut kennt. "Entweder wird das eine geniale Transformationsgeschichte, oder er wird domestiziert. Sonst wird er wohl nicht lange da sein."

Stefani Hergert

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