Online-Portal macht Provenienzforschung zur Sammlung Rudolf Mosse zugänglich / Neuerwerbungen für Staatliche Museen zu Berlin

Die Sammlung des Berliner Verlegers und Mäzens Rudolf Mosse (1843–1920) umfasste tausende Bilder, Skulpturen, kunstgewerbliche Objekte, Bücher und Antiquitäten. Fast hundert Jahre nach dem Tod des jüdischen Kunstsammlers ist heute mehr denn je über sie bekannt und auf einem neuen Online-Portal der Freien Universität Berlin veröffentlicht.

In der Alten Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin erinnert zudem seit heute eine Medienstation an eine geglückte Restitution und die Sammlung Mosse: 2015 bzw. 2016 restituierte die SPK als eine der ersten deutschen Einrichtungen neun Werke an die Erben von Felicia Lachmann-Mosse. Drei davon konnten in den folgenden Jahren für die Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin erworben werden. Hermann Parzinger, Präsident der SPK: „Nachdem wir einen römischen Kindersarkophag aus Eigenmitteln ankaufen konnten, ist es dank der großen Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gelungen, auch zwei wichtige Werke für die Alte Nationalgalerie zu sichern: die Susanna von Reinhold Begas und eine Löwenskulptur von August Gaul. Eine Medienstation direkt bei der Skulptur der Susanna erinnert nun an die Geschichte der Objekte.“ Der Kindersarkophag ist im Neuen Museum ausgestellt, die liegende Löwin wird in Zukunft in der James-Simon-Galerie zu sehen sein.

Die SPK ist auch Partnerin in dem 2017 gestarteten Forschungsprojekt Mosse Art Research Initiative (MARI) der Freien Universität Berlin, das von der Erbengemeinschaft und vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert wird. Die seit Frühjahr 2017 erforschten Daten zum Aufbau der Sammlung und ihrer Bedeutung sowie ihrem Verlust werden in dem heute vorgestellten MARI-Online-Portal gesammelt und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Das vorrangige Ziel von MARI ist es, die Kunstsammlung von Rudolf Mosse zu rekonstruieren und zu recherchieren, wo sich die von den Nationalsozialisten entzogenen Werke gegenwärtig befinden.

Dr. Meike Hoffmann, projektverantwortliche Koordinatorin der Mosse Art Research Initiative: „Wir haben bisher die Forschung zu 115 Werken aufgenommen, zu 68 Werken haben sich belastbare Spuren ergeben. Für 30 Werke sind im heute freigeschalteten MARI-Online-Portal alle Informationen hinterlegt, die in unsere Forschung eingegangen sind.“ 24 Werke konnten die Provenienzforscherinnen und -forscher des MARI-Teams, verstärkt durch Studierende der Freien Universität Berlin, bereits eindeutig identifizieren, acht sogar lokalisieren: Dazu gehören etwa das Gemälde „Dichter Wald im Frühling“ von Emil Jakob Schindler, das sich noch im Belvedere in Wien befindet, aber auf Grundlage der MARI-Forschungen von der Österreichischen Kommission für Provenienzforschung bereits zur Restitution empfohlen wurde. Unter den lokalisierten Werken finden sich außerdem die Gemälde „Durch Nacht zum Licht“ von Joseph Israels (Tel Aviv Museum, Israel), „Blondes Bauernmädchen am Fenster“ von Anders Zorn (Privatbesitz) sowie „Schlittschuhläufer“ von Carl Melchers (Arkell Museum, Canajoharie, New York).

MARI ist die erste öffentlich-private Partnerschaft in der Provenienzforschung und gilt als einzigartig. Roger Strauch, Leiter des Mosse Art Restitution Project und Präsident der Mosse Foundation: „Diese Zusammenarbeit ist beispiellos und steht für die wohlwollende Grundhaltung der deutschen Regierung und der Kultureinrichtungen des Landes. Danken möchten wir auch den vielen talentierten Provenienzforschern, die mit großer Beharrlichkeit nach den Kunstwerken aus der Sammlung Mosse suchen.“

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