Neue Studie: Vom Hungerland zum Hoffnungsträger - Wird Äthiopien zum Vorbild für den afrikanischen Aufschwung?

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Äthiopien gehört zu den am wenigsten entwickelten Staaten der Welt. Doch das Land verzeichnet seit über zwei Jahrzehnten erstaunliche Entwicklungsfortschritte. Gezielte Investitionen in Gesundheit, Bildung und Arbeitsplätze haben die Lebensbedingungen verbessert und einen raschen Rückgang der Geburtenziffer angestoßen. Gelingt es, die bisherigen Erfolge zu verstetigen, könnte Äthiopien als eines der ersten Länder südlich der Sahara von einer „demografischen Dividende“ profitieren und zeigen, wie Entwicklung in Afrika funktionieren kann. Wie das Land so weit gekommen ist und welche Herausforderungen Äthiopien bewältigen muss, zeigt eine neue Studie des Berlin-Instituts.

Äthiopien ist für afrikanische Verhältnisse auf einem guten Weg. Das zweitbevölkerungsreichste Land des Kontinents gehört zu den am stärksten wachsenden Volkswirtschaften weltweit. Langfristig angelegte Entwicklungspläne der Regierung haben, mit ausländischer Hilfe, das Leben vieler Menschen verbessert und die Armut im Land mehr als halbiert. Durch den Ausbau des Gesundheitssystems ist die Kindersterblichkeit zurückgegangen. Die Einschulungsraten haben sich dank hoher Bildungsinvestitionen von bis zu 30 Prozent des nationalen Haushaltes mehr als verdoppelt. In weniger als 20 Jahren ist die Zahl der Schulen auf das 25-fache gestiegen. Die Getreideerträge haben sich gegenüber 1990 mehr als verdoppelt. Gleichzeitig wird Äthiopien immer häufiger zum Zielland für ausländische Investoren, mit deren Hilfe Arbeitsplätze für die wachsende Bevölkerung geschaffen werden sollen.

Die bisherigen Entwicklungsfortschritte haben einen weiteren positiven Trend eingeleitet: Die Geburtenziffer sinkt rasant, das Bevölkerungswachstum wird gebremst und die Altersstruktur wandelt sich. Weil die Kinderzahl je Frau gesunken ist, wächst die äthiopische Erwerbsbevölkerung seit den frühen 2000er Jahren schneller als die Gesamtbevölkerung. Damit steuert Äthiopien auf einen „demografischen Bonus“ zu, der anderen Ländern weltweit den Weg zu mehr Wachstum und Wohlstand geebnet hat. Denn unter den richtigen Rahmenbedingungen ließe sich dieser Bonus in einen demografiebedingten Entwicklungsschub verwandeln. Äthiopien könnte, ähnlich wie zuvor die asiatischen Tigerstaaten, von einer „demografischen Dividende“ profitieren, wenn es gelingt die bisherigen Erfolge zu verstetigen.

Doch trotz aller Fortschritte steht das Land noch vor gewaltigen Herausforderungen. Der Entwicklungsprozess ist von ethnischen Spannungen geprägt und wurde bislang mit harter Hand, häufig ohne Achtung der Menschenrechte durchgesetzt. Der Ausbau der Basisinfrastruktur kann bisher kaum mit dem Bevölkerungswachstum gleichziehen und die Zahl der Erwerbsfähigen steigt immer noch schneller als neue Arbeitsplätze entstehen. Die Hoffnung ruht nun auf dem jungen Premierminister Abiy Ahmed, notwendige Reformen und Maßnahmen einzuleiten, um diese Aufgaben zu bewältigen.

Ohne internationale Unterstützung kann der erhoffte Aufstieg jedoch kaum gelingen. Äthiopien ist auf fremde Hilfe angewiesen, um seine Ziele zu erreichen. Sollte der Entwicklungsmotor ins Stottern geraten, hätte das weitreichende Folgen. „Wenn Äthiopien scheitert, wäre die Stabilität der ganzen Region am Horn von Afrika in Gefahr“, sagt Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Flucht und Vertreibung wären unausweichlich. Die Europäische Gemeinschaft sollte Äthiopien deshalb bestmöglich finanziell und beratend zur Seite stehen, damit das Land dem Kreislauf aus Armut und hohem Bevölkerungswachstum endgültig entkommen kann, so das Fazit der Studie.

Die Studie wurde durch die Austrian Development Agency (ADA) aus Mitteln der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit sowie durch die DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft und den GfK Verein finanziert. Sie steht Ihnen kostenlos als PDF zur Verfügung unter:

www.berlin-institut.org/publikationen/studien/vom_hungerland_zum_hoffnungstraeger.html


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