Verlässlich in unsicheren Zeiten: Wie sich Bürgerstiftungen in der Corona-Krise engagieren

Stiftung Aktive Bürgerschaft
„Report Bürgerstiftungen. Engagement in der Corona-Krise 2020”

Vier von fünf Bürgerstiftungen haben in der Pandemie speziell auf die neue Situation ausgerichtete Hilfsangebote bereitgestellt. Das geht aus dem „Report Bürgerstiftungen. Engagement in der Corona-Krise 2020” der Stiftung Aktive Bürgerschaft hervor, einer jährlich durchgeführten Umfrage unter den 415 Bürgerstiftungen Deutschlands. Bei einem Drittel von ihnen haben die Corona-Hilfen demnach sogar den Schwerpunkt der eigenen Arbeit ausgemacht.

Die Bürgerstiftungen erweisen sich 2020 erneut als krisenfeste Mitmach-Stiftungen

Die konkreten Maßnahmen sehen dabei ganz unterschiedlich aus. Die meisten Bürgerstiftungen haben von der Pandemie betroffene Menschen und gemeinnützige Organisationen finanziell unterstützt, entweder aus eigenen Mitteln (58%) oder durch eigens eingeworbene Spenden (34%). Knapp 30 Prozent der Bürgerstiftungen haben Hilfsangebote koordiniert und Ehrenamtliche vermittelt, andere haben bereits bestehende Projekte digital zur Verfügung gestellt oder Sonderregelungen für eigene Förderprojekte getroffen (27%).  

„Nach der großen Hilfe für Flüchtlinge in 2016 erweisen sich die Bürgerstiftungen 2020 erneut als krisenfeste lokale Mitmach-Stiftungen”, sagt Dr. Stefan Nährlich, Geschäftsführer der Stiftung Aktive Bürgerschaft. „Durch ihr weit verzweigtes Netzwerk wissen sie, wo vor Ort am besten anzupacken ist. Dabei kommt ihnen zugute, dass sie durch ihre breiten Stiftungszwecke flexibel auf neue gesellschaftliche Situationen reagieren können.”

Die Pandemie stellt die Bürgerstiftungen vor verschiedenste Herausforderungen 

Doch so viel Bürgerstiftungen für andere getan haben, sie müssen in der Pandemie auch selbst verschiedenste Herausforderungen bewältigen. 92 Prozent spüren die negativen Auswirkungen der Pandemie vor allem bei den Veranstaltungen. Doch auch viele Projekte beruhen auf dem persönlichen Kontakt und können oft nicht fortgeführt werden (73%). Ebenso betroffen sind das Fundraising (55%) sowie die Gremiensitzungen (53%).  

"Die Bürgerstiftungen sind so gut durch die Krise gekommen, weil sie schnell, flexibel, pragmatisch und bedarfsorientiert reagiert haben. So haben sie Hilfsfonds aufgelegt, Engagement koordiniert und großartige Mutmachaktionen gestartet, wie z.B. die Konzert-Tour des Starorganisten Cameron Carpenter, der in neun Städten für ältere und isolierte Menschen gespielt hat.“

Für rund 40 Prozent der Bürgerstiftungen ist zudem klar, dass die Zukunft im mobilen und dezentralen Arbeiten liegt. Das sind doppelt so viele wie vor der Corona-Pandemie (21%) und jede dritte Bürgerstiftung wünscht sich Unterstützung bei der Digitalisierung (35%). Der Status quo sieht dabei sehr unterschiedlich aus: Während 96 Prozent der Bürgerstiftungen über eine eigene Homepage verfügen, besitzt bereits weniger als die Hälfte ein Profil in den sozialen Medien (42%). Eine Software für die Adress- und Kontaktverwaltung ist bei weitem nicht der Standard (18%), eine Fundraising-Software die absolute Ausnahme (3%).

Zum Report Bürgerstiftungen

Mit dem „Report Bürgerstiftungen“ erhebt die Stiftung Aktive Bürgerschaft seit 2006 die wichtigsten Indikatoren der finanziellen Entwicklung der Bürgerstiftungen und bereitet die Ergebnisse grafisch anschaulich auf. Seit 2018 findet die Erhebung der Finanzkennzahlen im jährlichen Wechsel mit einer Untersuchung von wichtigen Themen der Bürgerstiftungen statt. In der Erhebung für den Report 2020 wurden die 415 Bürgerstiftungen in Deutschland auf digitalem Wege befragt und vier Bürgerstiftungen zu ihrer Arbeitsweise interviewt. Der Rücklauf der Befragung lag bei 40 Prozent.

Seit 2019 werden die Ergebnisse des Reports gemeinsam von den beiden Support-Organisationen für Bürgerstiftungen kommuniziert, dem Bündnis der Bürgerstiftungen Deutschlands und der Stiftung Aktive Bürgerschaft.

Kontakt

Lena Guntenhöner

030 2400088-22

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