Studie der Bertelsmann Stiftung: Europäer wollen Umweltschutz, sorgen sich aber um ihren Geldbeutel

Grafik: Bertelsmann Stiftung
EU27: Wichtigste politische Prioritäten nach Ländern

27. November 2019. Die neue Europäische Kommission wird voraussichtlich am 1. Dezember offiziell ihr Amt antreten. Ursula von der Leyen hat als gewählte Kommissionspräsidentin bereits erste Prioritäten definiert, doch was erwarten die Europäer von Europa? Die aktuelle Ausgabe der "eupinions" zeigt, dass Umweltschutz ganz oben auf der To-do-Liste vieler Bürger steht. Persönlich sorgen sich die Europäer aber vor allem um steigende Lebenshaltungskosten und ihre Arbeitsplätze.

Welches Thema packt die neue EU-Kommission zuerst an? Ginge es nach den Europäern, müsste sich Brüssel vor allem um Umweltschutz sowie wirtschafts- und sozialpolitische Maßnahmen kümmern. Befragt nach den Themen, die ihnen zurzeit besonders wichtig und schützenswert sind, rangiert der Umweltschutz mit 40 Prozent ganz oben auf dem Aufgabenzettel der Europäer. Gleichzeitig sagt rund die Hälfte (51 Prozent), dass ihr persönlich steigende Lebenshaltungskosten aktuell die größten Sorgen bereiten. Das sind die Ergebnisse der neuen Ausgabe der "eupinions", mit denen wir regelmäßig EU-weit Bürger zu aktuellen Themen befragen. Die Umfrage ist repräsentativ für die EU und sechs der größten Mitgliedsstaaten, darunter auch Deutschland. Über 12.000 Personen wurden insgesamt befragt.

Umwelt, Jobs und Soziale Sicherheit: Das erwarten die Europäer

Mit 40 Prozent ist der Umweltschutz das mit Abstand wichtigste Thema für die Europäer, gefolgt von "Arbeitsplätzen" (34 Prozent) und "Sozialer Sicherheit" (23 Prozent). Zwischen den größten EU-Staaten gibt es jedoch einige Unterschiede auf ihren Prioritätenlisten: So ist der Umweltschutz jeweils in Deutschland (49 Prozent), Frankreich (39 Prozent) und den Niederlanden (35 Prozent) das wichtigste Thema. Vielen Italienern hingegen ist die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze wichtiger (60 Prozent). Auch in Spanien (40 Prozent) ist den Menschen der Schutz ihrer Arbeitsplätze deutlich wichtiger als Umweltschutz.

Ein Blick auf die Altersverteilung zeigt, dass der Umweltschutz vor allen bei den jungen Europäern hoch im Kurs steht. Am stärksten ist das Thema bei den 16- bis 25-Jährigen ausgeprägt (47 Prozent). Ein weiteres Thema für die junge Generation: Einsamkeit. Die Sorge vor Einsamkeit ist bei ihr doppelt so stark ausgeprägt wie bei den älteren Jahrgängen (46- bis 65-Jährige). Mit zunehmendem Alter rückt zudem das Thema "Soziale Sicherheit" stärker in den Vordergrund. Für ein Drittel (29 Prozent) der Europäer zwischen 56 und 65 Jahren ist dieses Thema wichtig, während es zum Beispiel bei den 16- bis 25-Jährigen nur 14 Prozent sind.

Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten prägt Blick in die Zukunft

Auf der persönlichen Sorgenliste der Europäer stehen "steigende Lebenshaltungskosten" (51 Prozent) an erster Stelle. In Polen (62 Prozent) und Frankreich (61 Prozent) sind diese Ängste laut Umfrage am stärksten ausgeprägt, in Deutschland, der größten Wirtschaftsmacht Europas, hingegen am schwächsten (44 Prozent). In Italien ist dagegen die Furcht vor einem Arbeitsplatzverlust (46 Prozent) der größte Sorgentreiber.

Beim Blick auf die Altersverteilung fällt auf, dass gerade die jüngeren Europäer ziemlich besorgt auf ihre Karrierechancen schauen. In den Altersgruppen der bis zu 35-Jährigen sorgen sich jeweils knapp ein Drittel der Europäer über Unsicherheiten am Arbeitsmarkt. Mit zunehmendem Alter nehmen diese Ängste  leicht ab.

"Den Europäern ist Umweltschutz wichtig, aber gleichwohl sorgen sie sich auch um steigende Lebenshaltungskosten. Längst nicht alle Anliegen der Europäer liegen im Kompetenzbereich der Kommission, umso wichtiger ist es für Brüssel, das Funktionieren und den Mehrwert Europas zu erklären", so Isabell Hoffmann.

Je jünger, desto optimistischer: Welche Zukunft hat die EU?

Das Stimmungsbild gegenüber der EU ist, wie auch schon in früheren Umfragen der "eupinions" sichtbar, durchweg positiv. 54 Prozent der Europäer unterstützen eine weitere Vertiefung der EU und 50 Prozent haben ein optimistisches Bild bezüglich der Zukunft der EU. Den größten Rückhalt für ein starkes Europa erhält die EU interessanterweise dort, wo die Sorgen um Arbeitsplätze am stärksten ausgeprägt sind. Die Italiener wünschen sich zu 70 Prozent mehr "politische und ökonomische Integration" in der EU, während 63 Prozent der Polen und 61 Prozent der Spanier optimistisch in die europäische Zukunft blicken.

Vergleicht man die Altersgruppen, zeigt sich, dass jüngere Europäer etwas optimistischer sind: Die größte Zustimmung für eine EU-Vertiefung sowie den optimistischsten Ausblick in die EU-Zukunft sehen die Studienautoren bei den 16- bis 25-Jährigen. Ältere Jahrgänge sind immer noch mehrheitlich pro-europäisch, aber etwas weniger optimistisch als die jungen Generationen.