Kristina Spohr erhält den Preis "Das politikwissenschaftliche Buch"

Die Deutsche Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP) und die Stiftung Wissenschaft und Demokratie (SWuD) vergeben den mit 2.000 Euro dotierten Preis „Das politikwissenschaftliche Buch“ für das Jahr 2020 an Kristina Spohr für ihr Werk „Wendezeit: Die Neuordnung der Welt nach 1989“, erschienen 2019 bei der Deutschen Verlags-Anstalt. Mit der erstmaligen Vergabe dieses Preises wird ein Buch gewürdigt, das sich mit dem epochalen Umbruch der Weltpolitik, den Systemwechselprozessen und den großen Linien der politischen Entwicklung seit 1989 analytisch auseinandersetzt.

Spohr, die an der London School of Economics und der Johns Hopkins University in Washington lehrt, gelingt ein Brückenschlag zwischen politikwissenschaftlicher und zeithistorischer Forschung. Auf Grundlage von archivalischen Quellen, Zeitzeugengesprächen und einer souveränen Auswertung der Forschungsliteratur zeigt sie, welche Folgen die Neuordnung nach 1989 für das internationale System hat und wie sich heutige Strukturprobleme auf damalige Entscheidungen, Versäumnisse und Fehleinschätzungen zurückführen lassen.

Die Autorin schafft es, eine mitreißende Darstellungsweise mit einem systematischen Erkenntnisinteresse zu verbinden. „Wendezeit“ erklärt das Handeln politischer Entscheidungsträgerinnen und -träger im institutionellen Kontext und beleuchtet ihre rationalen und emotionalen Beweggründe. Damit hilft das Buch nicht nur, die jüngste Vergangenheit besser zu verstehen, sondern leistet auch einen Beitrag zum besseren politikwissenschaftlichen Verständnis der Gegenwart.
 
Die Buchpreis-Jury der DGfP hat diesen Titel aus 18 Einreichungen ausgewählt. Nominierungsberechtigt waren Monografien, die 2018 oder 2019 bei einem auf dem deutschen Buchmarkt aktiven Verlag publiziert wurden. Die Jury bewertete die Einreichungen danach, ob sie einen herausragenden Beitrag zum Erkenntnisfortschritt der Politikwissenschaft darstellen und für mehr als ein politikwissenschaftliches Teilgebiet von Interesse sind. Entscheidend war darüber hinaus, inwieweit das Buch einen Beitrag zum Transfer politikwissenschaftlichen Wissens in Politik und Gesellschaft leistet und dadurch die Sichtbarkeit des Faches in der Öffentlichkeit erhöht. Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen einer gesonderten Veranstaltung, die im Herbst 2020 stattfinden wird.