Hamburger Kunsthalle "Transparentes Museum"

Kay Riechers
Informationsabruf im Leuchtkasten zum Thema "Forschen - Fälschungen". © Hamburger Kunsthalle

Die Hamburger Kunsthalle beschreitet mit ihrer Präsentation Transparentes Museum neue Wege: Das erfolgreiche Pilotprojekt bietet Einblicke in die Kernaufgaben eines Kunstmuseums und erfährt damit ein starkes Besucher*inneninteresse sowie eine hohe Resonanz aus internationalen Fachkreisen. Aufgrund dieser großen Aufmerksamkeit für das Transparente Museum ist nun eine Publikation erschienen, in der die bisherigen Erfahrungen und Ergebnisse dokumentiert, evaluiert und reflektiert werden. Damit kommt die Kunsthalle dem Wunsch zahlreicher Multiplikator*innen und Expert*innen aus der Fachwelt verschiedenster Museen und Hochschulen nach, auch die Konzeptionsprozesse, die gesammelten Erkenntnisse und die Reaktionen auf das Projekt transparent zu machen. Die umfassende Publikation Transparentes Museum. Dokumentation, Reflexion, Evaluation und Kontext eines Pilotprojektes ist zweisprachig (Deutsch/Englisch) und ab sofort als Print-Ausgabe sowie als kostenlose Open-Access-Version für alle Interessenten erhältlich. Erstmalig stellt die Hamburger Kunsthalle damit eine wissenschaftliche Publikation online über das Fachportal arthistoricum.net frei zur Verfügung. Die Autor*innen sind sowohl junge als auch renommierte Forscher*innen, die den Blick auf dieses besondere Ausstellungs- und Vermittlungsprojekt und seine mögliche Weiterentwicklung lenken. Mit der Veröffentlichung leistet die Kunsthalle einen wichtigen Beitrag für die (Selbst-)Bildungsprozesse der Besucher*innen, vor allem aber auch der Museumsinstitution selbst auf ihrem Weg der Öffnung und stetigen Erneuerung.

Die Publikation umfasst neben einer Dokumentation und Reflexion des Projektes weitergehende theoriegestützte und praxisnahe Überlegungen und Anregungen für Multiplikator*innen. Reflektiert wird u. a. das Konzept der Transparenz in der Museumsethik. Internationale Fachleute aus den Bereichen Sammlungspräsentation, Kuratieren und Audience Developement erläutern die mögliche Zukunft der Geschichtserzählung im Museum und befragen die Chancen der Erweiterung des musealen Auftrags rund um das Inszenieren, Kuratieren und Bereitstellen von Diskursräumen. Diese fundamentalen Themen werden erörtert auf der Grundlage der selbstkritischen Diskussion des Pilotprojektes – aus Sicht von Künstler*innen, Kurator*innen und Vermittler*innen sowie auf Grundlage des überraschend hohen Feedbacks der Besucher*innen zum Transparenten Museum, welches gesammelt, dokumentiert und ausgewertet wurde. Zusätzlich wird das Nutzungsverhalten zu verschiedenen App-Angeboten in den Ausstellungsräumen beleuchtet und die Ergebnisse einer qualitativen Besucher*innenbefragung zum Pilotprojekt präsentiert.

Seit über drei Jahren – seit der Wiedereröffnung der modernisierten Kunsthalle im Jahr Mai 2016 – gewährt das Transparente Museum Besucher*innen beispielhaft Einblicke in die Aufgaben rund um das Sammeln, Forschen, Bewahren, Ausstellen und Vermitteln, die für Besucher*innen normalerweise hinter den Kulissen verborgen bleiben. Das Interesse daran ist groß: Die Präsentation wurde bislang von über 160.000 Gästen besucht. In den neun wechselnden Themenräumen zeigt das Projekt beispielsweise die Entdeckung von Fälschungen, erzählt überraschende Herkunftsgeschichten, untersucht Fragen der Zu- und Abschreibung oder macht die Besonderheiten von Künstler*innen-Rahmungen deutlich. Durch teils interaktive Informations- und Vermittlungsebenen wird der »Tatort Museum« so auch für ein nicht-Fachpublikum transparenter. Die Besucher*innen bekommen Zugang zu Ideen, zu Kriterien für die Museumsarbeit und werden zum Mitdenken, zur Reflexion und Diskussion angeregt.

Transparentes Museum. Dokumentation, Reflexion, Evaluation und Kontext eines Pilotprojektes
120 Seiten, Deutsch/Englisch, 14,90 Euro, (ohne Verlag), herausgegeben von Annabelle Görgen-Lammers für die Hamburger Kunsthalle, mit Texten u. a. von Margriet Schavemaker, Florian Slotawa, Birgit Mandel, Lara Bader und Annabelle Görgen-Lammers. Die Publikation ist im Museumsshop erhältlich, online bestellbar über www.freunde-der-kunsthalle.de oder kostenlos als PDF-Version Open-Access auf arthistoricum.net abrufbar.

Die Hamburger Kunsthalle dankt der NORDMETALL-Stiftung und der Commerzbank-Stiftung, durch deren Förderung die Publikation realisiert werden konnte. Beide Stiftungen haben zudem, zusammen mit der Böttcher-Stiftung und der Behörde für Kultur und Medien Hamburg, das Projekt Transparentes Museum überhaupt erst ermöglicht und von Beginn an unterstützt.

Kirsten Wagner, Geschäftsführerin der NORDMETALL-Stiftung: »Transparenz und Relevanz als Ideale für eine Kultureinrichtung auszurufen, setzt genau die richtigen Signale! Wir freuen uns sehr, dass mit der Dokumentation die unterschiedlichsten Perspektiven auf das Transparente Museum zusammen getragen werden: Stimmen aus der Hochschule, der Kunsthalle, anderen Museen und dem Publikum bilden so eine Verbindung von Theorie und Praxis der Besucherorientierung, die hoffentlich zur Anwendung und Weiterentwicklung anregt.«

Astrid Kießling-Taskin, Vorständin Commerzbank-Stiftung: »Wir haben es mit einem wissbegierigen und oft sehr selbstbewussten Publikum zu tun. Und das ist gut so. Gäbe es keine Menschen, die Interesse an Kunst und Kultur hätten, dann wäre das Museum nicht viel mehr als ein gigantischer Aufbewahrungsort. Erst in der aktiven Zusammenarbeit mit dem Publikum entsteht ein veränderungsbereites Museum, in dessen Vermittlungsarbeit beständig neue Impulse einfließen. Diese tragen dazu bei, dass das Museum seine Anziehungskraft immer wieder aufs Neue entfaltet. Die jetzt erschienene Dokumentation lässt andere Institutionen an den Erfahrungen aus dem Entwicklungs- und Entstehungsprozess des Transparenten Museums teilhaben. Sie ist ein Anstoß für neue Wege in der Kulturvermittlung.«

Kontakt

Astrid Kießling-Taskin

06913650964

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