Geheimes Staatsarchiv und Staatsbibliothek erhalten erneut Fördermittel zum Erhalt schriftlichen Kulturgutes

Haus Vaterland am Potsdamer Platz. Ansicht nach der Königgrätzer Straße. Foto. 1913 (GStA PK, IX. HA Bilder, Architekturatelier Schwechten (Dep.), Nr.893)
Foto: Christine Ziegler / GStA PK
Haus Vaterland am Potsdamer Platz. Ansicht nach der Königgrätzer Straße. Foto. 1913 (GStA PK, IX. HA Bilder, Architekturatelier Schwechten (Dep.), Nr.893)

Mit Sondermitteln der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) werden wieder Projekte in der SPK gefördert: Das Geheime Staatsarchiv PK wird den Nachlass des Architekten Franz Schwechten restaurieren und digitaliseren. Die Staaatsbibliothek zu Berlin setzt die Massenentsäuerung des allgemeinen Druckbestandes fort.

Das Geheime Staatsarchiv hat den im Jahr 2024 bevorstehenden 100. Todestag von Franz Heinrich Schwechten zum Anlass für das Restaurierungsprojekt genommen. Rund 5.600 Architekturpläne werden im Rahmen der mit knapp 50.000 Euro geförderten Erhaltungsmaßnahme gereinigt, restauriert und neu verpackt sowie digitalisiert. Der Architekt Franz Heinrich Schwechten (1841–1924) gilt als der prägnanteste Vertreter des Baustils der Wilhelminischen Ära. Neben der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, seinem Hauptwerk, schuf er für zahlreiche weitere Bauten in Berlin die Entwürfe. Dazu gehörten das Empfangsgebäude für den Anhalter Bahnhof, der Umbau der alten Philharmonie in der Bernburger Straße, ein Fabrikgebäude für AEG in Wedding, die Schultheiss-Brauerei in Prenzlauer Berg, die Apostel-Paulus-Kirche in Schöneberg und das einstige Haus Vaterland am Potsdamer Platz.

Unter den Trümmern der 1945 bei einem Luftangriff zerstörten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wurden über 5000 Pläne mit Skizzen, Entwürfen und Bauzeichnungen sowie Aquarelle und Fotografien aus dem Architekturatelier Schwechten geborgen. Die Unterlagen gelangten 1950 ins Geheime Staatsarchiv. Infolge der Verschüttung ist der Erhaltungszustand der Pläne zum Teil schlecht. Das für die Bauzeichnungen verwandte Transparentpapier weist häufig mechanische Schäden und Fehlstellen auf, zudem wurden Wasserschäden, Schimmelbefall und starke Verunreinigungen festgestellt.

Bei der Staatsbibliothek zu Berlin werden mit den Fördermitteln von 100.000 Euro etwa 27.000 Bände maschinell entsäuert. Aus ‘saurem Papier’ ist die Mehrheit jener Bücher hergestellt, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1980er erschienen. In der Zeit wurde bei der industriellen Papierherstellung vorwiegend holzschliffhaltiges Material eingesetzt, das im Lauf der Jahre zunächst verbräunt und später zerfällt. Mit der Neutralisierung dieser Papiere wird der Prozess gestoppt, seit den 1990er wird dies in einem maschinellen Massenverfahren durchgeführt. Hinzugefügte Chemikalien heben den ph-Wert im alkalischen Bereich mit langanhaltender Wirkung an. Wirklich nachhaltig ist die Massenentsäuerung jedoch nur dann, wenn auch die sonstigen konservatorischen Bedingungen für die Bestände optimal sind. Dazu gehört in erster Linie die normgerechte Unterbringung in klimatisierten Magazinen, wie bei der Staatsbibliothek zu Berlin an allen Standorten Unter den Linden, Potsdamer Straße/Kulturforum und Speichermagazin Friedrichshagen.