Für Bartmeise und Bienenfresser: Die neue Voliere im Tiergarten Delitzsch ist eröffnet

Stadtverwaltung Delitzsch/C. Maurer
Freuen sich über die neue Voliere (v.l.n.r.): Dr. Lutz Spandau, Vorstand der Allianz Umweltstiftung, Dr. Manfred Wilde, Oberbürgermeister Delitzsch, Marvin und Cruz, junge Zoo-Fans, Oliver Dören, ein weiterer Projektförderer, sowie Tiergartenleiterin Julia Gottschlich.

Der Tiergarten Delitzsch ist um eine Attraktion reicher: Nach etwa einem Jahr Bauzeit wurde die neue begehbare Voliere der Öffentlichkeit übergeben. In dem Gehege können die Besucher heimische Singvögel zu Gesicht bekommen, die in freier Wildbahn immer seltener werden. Möglich wurde der Bau durch 35.000 Euro Preisgeld, die Delitzsch als Deutschlands nachhaltigste Stadt mittlerer Größe 2016 von der Allianz Umweltstiftung gewonnen hatte. 

Titelgewinn 2016

2016 hatte Delitzsch beim Wettbewerb um den Deutschen Nachhaltigkeitspreis den Titel als Deutschlands nachhaltigste Stadt mittlerer Größe gewonnen – und damit 35.000 Euro Preisgeld von der Allianz Umweltstiftung. In Abstimmung mit der Stiftung entschied die Stadt, das Preisgeld in den Neubau einer Voliere im Tiergarten Delitzsch zu investieren.

Ersatz für alte Fasanerie

Die neue Voliere ersetzt eine alte Fasanerie, die zu den ersten Anlagen des 1968 eröffneten Tiergartens zählte. Zuletzt wurden dort keine Vögel mehr gehalten, weil der marode Maschendraht sie nicht mehr vor Fressfeinden wie dem Marder hätte schützen können. Nach Abriss der Fasanerie und ersten Bauarbeiten konnte Anfang Mai 2018 der Grundstein für die Voliere gelegt werden. Seit dem 15. Mai 2019 ist sie nun für Besucher geöffnet.

Dank an Stiftung und Spender

Oberbürgermeister Dr. Manfred Wilde dankte bei der offiziellen Eröffnung besonders der Allianz Umweltstiftung. Deren Preisgeld von 35.000 Euro und die 20.000 Euro-Spende eines Delitzscher Unternehmens seien Grundlage für den Bau der insgesamt 75.000 Euro teuren Voliere gewesen. Außerdem hätten Mitglieder des Tiergarten-Fördervereins das Vorhaben tatkräftig und finanziell unterstützt.

Beobachten und staunen

Dr. Lutz Spandau, Vorstand der Allianz Umweltstiftung, freute sich über die Eröffnung der neuen Voliere: „Wir hoffen, dass die gefiederten Bewohner der Voliere sich in ihrem neuen Zuhause wohl fühlen und einen Beitrag dazu leisten, auf die inzwischen sehr problematische Situation der Singvögel aufmerksam zu machen. Denn die Zahlen gehen seit einigen Jahren dramatisch zurück und immer weniger Kinder interessieren sich für unsere Vogelwelt.“

Dem solle mit einem Lehrpfad über allgemeine Vogelkunde, Quiztafeln und Informationen zu dieser Problematik begegnet werden. „Wir möchten Aufmerksamkeit wecken und zum Nachdenken anregen. Ich wünsche mir, dass sich die Kinder auf die Bank in der Voliere setzten, beobachten, staunen und sich an dieser Vogelwelt erfreuen. Denn was man liebt, das schützt und achtet man auch,“ so Spandau.

Vermittlung von Umweltthemen

Tiergartenleiterin Julia Gottschlich erläuterte die Zielrichtung der neuen Anlage: „Es geht uns darum, einheimische Arten zu zeigen, die in freier Wildbahn leider immer seltener werden.“ Darüber hinaus solle die Voliere für Umweltbildung genutzt werden. Besonders Kinder würden von den Möglichkeiten des interaktiven Lernens profitieren und so früh mit Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen in Berührung kommen. „Ein Zwitscher-Lehrpfad bietet einen Mix aus Infotafeln und interaktiven Stationen. Damit wird auch dem Konzept „Mit dem Tier auf Du und Du“ Rechnung getragen, das der Tiergarten Delitzsch seit Jahrzehnten verfolgt,“ so Gottschlich. Da einheimische Vögel in den Lehrplänen diverser Schulformen vorkommen, solle über den Lehrpfad eine Unterrichtseinheit zu diesem Thema ausgearbeitet werden. Auch eine Erweiterung des Lehrpfads über QR-Codes sei geplant.

Enge Maschen

Die Seitenwände der etwa 300 Quadratmeter großen und zum Großteil begehbaren Voliere bestehen aus einem Metallgitter, das Dach, an der höchsten Stelle ca. 7 m hoch, besteht aus Polypropylen-Netz. Die Maschenweiten sind dabei so gewählt, dass auch sehr kleine Vögel gehalten werden können und von außen keine anderen Tiere wie Mäuse oder Spatzen ins Gehege gelangen. Die Voliere ist naturnah gestaltet und in drei Bereiche eingeteilt: eine Flachwasserzone mit Strandteil, einen Wiesenteil mit kleinen Sträuchern, Obstbäumen und einem Steinwall sowie einen Waldteil mit höheren Bäumen, Sträuchern und Nadelgehölzen.

Bartmeise und Bienenfresser

Bei der Artenauswahl konzentrierte sich der Tiergarten auf Vögel, die auch in der Region vorkommen, wie zum Beispiel Rebhühner, Feldlerchen, Bienenfresser, Buchfinken, Grünfinken und Bartmeisen. Außer den Bienenfressern haben diese Arten die Voliere bereits bezogen. Auch Europäische Wachteln, Dompfaffe, Säbelschnäbler, Austernfischer und Flussregenpfeiffer sowie Rotkehlchen, Singdrosseln, Heckenbraunellen und Kleiber sind bereits zu sehen. Damit die verschiedenen Arten sich behutsam aneinander gewöhnen, wurden sie seit einigen Monaten nach und nach in die Voliere eingesetzt.

Dass es auch bei Vögeln nicht immer konfliktfrei zugeht, verriet die Tiergartenleiterin am Rande der Eröffnung: „Ein Pärchen Amseln mussten wir bereits wieder aus der Voliere nehmen, da sie sich nicht mit den Rebhühnern vertragen haben.“