EKFS verleiht erstmalig Publikationspreise an drei von ihr geförderte Nachwuchswissenschaftler

Else Kröner-Fresenius-Stiftung

Der Preis ist mit einem persönlichen Preisgeld in Höhe von jeweils 10.000 Euro dotiert.

Erstmalig vergibt die Stiftung eine persönliche, nicht projektbezogene, Auszeichnung an junge Nachwuchswissenschaftler als Würdigung einer besonders wichtigen medizinischen Entdeckung, die im Jahr 2019 veröffentlicht wurde. Sie würdigt damit eine außergewöhnliche Leistung am Beginn der wissenschaftlichen Laufbahn der jungen Medizinforscher.

„Mit der Vergabe der Publikationspreise wollen wir auch demonstrieren, wie exzellent die Nachwuchsforschung in Deutschland ist“, betont Prof. Dr. Michael Madeja, wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung. Der Preis soll gleichzeitig als Anreiz für zukünftige Clinician Scientists (forschende Ärzte) dienen, sich in der medizinischen Wissenschaft überdurchschnittlich zu engagieren.

Der Publikationspreis wurde 2019 zum ersten Mal ausgelobt und richtet sich an alle von der EKFS geförderten Nachwuchswissenschaftler der medizinisch-wissenschaftlichen Förderlinien Erst- und Zweitantragstellung, Else Kröner-Memorial-Stipendien und Else Kröner-Forschungskollegs. Voraussetzung war, dass die Publikation aus einer Förderung der Stiftung hervorgegangen und im Jahr 2019 erschienen ist. Berücksichtigt wurden Originalarbeiten in Form einer Erst- oder Letztautorschaft des Bewerbers.

Insgesamt wurden mehr als 30 Bewerbungen eingereicht. Im Rahmen der neu in die Stiftungsarbeit implementierten Alumni-Arbeit schreibt die EKFS die Publikationspreise jährlich aus.

Drei junge Wissenschaftler konnten für den Publikationspreis 2019 mit ihren Publikationen besonders überzeugen

Dr. med. Sven Borchmann, Klinik I für Innere Medizin, Universitätsklinikum Köln, für sein Paper im Journal of Clinical Oncology 2019, 37, 3528-3537

Dr. Sven Borchmann wurde 2018 in das von Herrn Professor Hans Christian Reinhardt geleitete Forschungskolleg „Clonal evolution in cancer“ an der Universität Köln aufgenommen. Aus dieser Förderung ist u.a. die o. g. Publikation hervorgegangen.

Vitamin-D-Mangel wurde als veränderbarer Risikofaktor für das Auftreten und den Behandlungserfolg bereits bei vielen häufigen Krebserkrankungen beschrieben. Ob dieser Risikofaktor auch beim Hodgkin-Lymphom eine Rolle spielt, war bislang unklar. „Wir haben zunächst eine Studie durchgeführt, in der die Vitamin-D-Spiegel vor der Behandlung bei Patienten mit Hodgkin-Lymphom gemessen und mit den Behandlungsergebnissen in Zusammenhang gebracht wurden“, erläutert Borchmann.

50 Prozent der Patienten hatten vor der geplanten Chemotherapie einen Vitamin-D-Mangel. Patienten mit Vitamin D-Mangel hatten eine kürzere krankheitsfreie Zeit nach Therapie und eine niedrigere Gesamtüberlebensrate. „Wir konnten damit aufzeigen, dass der Vitamin-D-Status ein unabhängiger Prädiktor für das Behandlungsergebnis ist. In verschiedenen Krankheitsmodellen im Labor legten wir außerdem dar, dass Vitamin D die wachstumshemmende Wirkung von Chemotherapie beim Hodgkin-Lymphom deutlich verstärkt und entdeckten einen möglichen Mechanismus, der unsere Ergebnisse erklärt.“

Dr. med. Florian Kahles, Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin (Medizinische Klinik I) der Uniklinik RWTH Aachen, für sein Paper im European Heart Journal 2019, 0, 1-8

Dr. Florian Kahles aus der Arbeitsgruppe um Prof. Michael Lehrke (Medizinische Klinik I, Uniklinik RWTH Aachen; Direktor: Univ.-Prof. Dr. Nikolaus Marx) leitete von 2017 bis 2019 als Erstantragsteller ein Projekt der EKFS, bei dem er Inkretinhormone im Rahmen von kritischen Erkrankungen wie der Sepsis und dem akuten Herzinfarkt untersucht hat.

Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) ist ein Darmhormon, das nach Nahrungsaufnahme in das Blut ausgeschüttet wird und zu einer Senkung des Blutzuckerspiegels führt. Medikamente, welche das GLP-1-System verstärken (GLP-1-Rezeptoragonisten) werden daher im klinischen Alltag erfolgreich zur Behandlung des Diabetes mellitus eingesetzt. In großen Studien konnte gezeigt werden, dass durch den Einsatz von GLP-1-Rezeptoragonisten neben der Blutzuckersenkung auch eine verbesserte Prognose (reduzierte Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauferkrankungen) erreicht werden konnte.

„Wir sind am Uniklinikum Aachen der Frage nachgegangen, wie sich GLP-1-Blutwerte bei Patienten mit Blutvergiftungen und Herz-Kreislauferkrankungen verhalten und konnten zeigen, dass Patienten mit akutem Herzinfarkt erhöhte GLP-1-Werte im Blut aufweisen“, erläutert Kahles. „Spannenderweise konnte die Höhe der GLP-1-Spiegel im Blut sehr gut die Überlebenswahrscheinlichkeit dieser Patienten vorhersagen. Es werden zukünftige Studien benötigt, um die Frage zu klären, ob GLP-1 ein möglicher neuer Risikomarker für Herz-Kreislauferkrankungen sein könnte.“

Dr. med. Ferdinand Knieling, Kinder- und Jugendklinik, Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), für sein Paper in Nature Medicine 2019; 25, 1905-1915

Dr. Ferdinand Knieling erhielt im Herbst 2018 für sein Projekt „Light in – Sound out. Neue nicht-invasive Biomarker in der Pädiatrie“ ein Else Kröner-Memorial-Stipendium.

In diesem Projekt untersucht er, wie neue Bildgebungsverfahren bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen helfen können. Insbesondere erbliche, teils schwer verlaufende Muskelerkrankungen, die in Zukunft Ziel von neuen gentechnischen Therapien sind, stehen im Fokus seiner Forschung.

„Anhand einer der häufigsten erblichen Muskelerkrankungen konnten wir zeigen, dass sich mit einer nicht-invasiven Methode der Krankheitsverlauf sehr einfach verfolgen lässt“, verdeutlicht Knieling. Bei der Multispektralen Optoakustischen Tomographie (MSOT) wird ein Schallkopf auf die Haut aufgesetzt und dem Gewebe, statt Schall, mittels Lichtblitzen Energie zugeführt. Dies führt zu einem ständigen Wechsel minimaler Ausdehnungen und Kontraktionen einzelner Gewebebestandteile, deren akustische Signale dadurch dargestellt werden können.

In der Arbeit konnte die Gruppe der Kinder- und Jugendklinik zeigen, dass sich der krankhafte Muskelumbau sowohl im Modell als auch bei Patientinnen und Patienten mit Muskeldystrophie Duchenne innerhalb von wenigen Sekunden abbilden lässt. Damit ließen sich bisher verwendete subjektive und teils langwierige und für Kinder belastende klinische Testverfahren ersetzen. In Zukunft könnten damit Muskelveränderungen und möglicherweise auch die Wirksamkeit von Therapien innerhalb weniger Sekunden erkannt werden.

Kontakt

Bianka Jerke

(0)6172-8975 24

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