Die Integration taubblinder Menschen verbessern

Signifikante Verbesserungen im Leben taubblinder Menschen sind das Ziel einer Fördervereinbarung zwischen der Doris Leibinger Stiftung und der Stiftung taubblind leben. Die gemeinsame Stiftungsaktivität soll innerhalb der kommenden zehn Jahre Projekte zur Förderung der Kommunikation taubblinder Menschen finanziell unterstützen.

Das Vorhaben hat drei Schwerpunkte:

  • Förderung der Kommunikation taubblinder Menschen durch Qualifizierungsmaßnahmen wie Weiterbildung von Lehrern, Integrations- und Rehabilitationskräften
  • Förderung der Taubblindenassistenz- und Taubblindendolmetscherausbildung
  • Verbesserung der Hilfsmittelversorgung für taubblinde Menschen

Damit soll die Teilhabe der ca. 10.000 Taubblinden in der Bundesrepublik Deutschland mit mehr Assistenz, mehr Hilfsmitteln und gezielteren Kommunikationshilfen intensiviert werden. Die Ausbildung von Dolmetschern für taubblinde Menschen soll in Zusammenarbeit mit der Universität zu Köln aufgebaut und zur Zertifizierung gebracht werden. Um die herrschenden Missstände zu veranschaulichen: Bundesweit stehen den Betroffenen derzeit nur vier solcher Lormdolmetscher zur Verfügung, beispielsweise für den Arztbesuch oder für den Notar- oder Anwaltstermin.

Etwa ein Drittel der Taubblinden sind mit dieser gravierenden Sinneseinschränkung zur Welt gekommen. Eine große Gruppe der Betroffenen erwirbt die Taubblindheit erst im Laufe des Lebens, z. B. durch das sogenannte Usher-Syndrom, eine erblich bedingte Krankheit. Sie haben erst in der Jugend oder später zusätzlich zu einer bereits bestehenden Blindheit oder Taubheit ihr Hör- beziehungsweise Sehvermögen verloren, können also teilweise auf die Erinnerung an visuelle oder auditive Eindrücke aus dieser Zeit zurückgreifen. Anders als bei taubblind geborenen Kindern, ist Sprache vorhanden, es müssen „nur“ neue Techniken erlernt werden.

Eine selbstbestimmte und aktive Lebensführung von Taubblinden erfordert in der Regel Unterstützung durch ausgebildete Assistenz, die die Kommunikation für alle Beteiligten ermöglicht. Für dieses Ziel muss allerdings die Zahl ausgebildeter Assistenzpersonen dringend erhöht werden, damit die Teilhabe der Taubblinden verbessert wird. Dazu ist es auch erforderlich, dass die Kommunikationshilfe-Assistenzen im Rahmen einer Zusatzausbildung qualifiziert werden.

Im Zuge der Digitalisierung entstehen viele neue Hilfen: von der Transkriptions-App auf dem PC oder Smartphone, die Braille-Schrift in Buchstabenschrift oder Sprache in Text transkribiert, bis zum elektronischen Vibrationsalarm, der dem Taubblinden anzeigt, wenn jemand den Raum betritt, damit er dies mitbekommt und nicht erschrickt. Die Digitalisierung ermöglicht hier viele erschwingliche neue Hilfsmittel.

Im Dezember 2014 wurde unter Mitwirkung der Stiftung taubblind leben, ein eigenes Merkzeichen TBl für diese Art von Behinderung eingeführt. Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis sind Voraussetzung zur Inanspruchnahme von Rechten und Nachteilsausgleichen. Dieses Merkzeichen berechtigt dieBetroffenen, gezielte Nachteilsausgleiche wie Assistenz, Rehabilitationsmaß-nahmen oder spezifische Hilfsmittel in Anspruch zu nehmen. Wie dürftig die Situation im Bereich der Nachteilsausgleiche für TBl immer noch ist, zeigt sich daran, dass als einzige Vergünstigung neben Ansprüchen nach dem Landespflegegeldgesetz derzeit die Befreiung von der Rundfunkbeitragspflicht gelistet ist. Hier muss möglichst rasch ein realitätsnahes Angebot entstehen, damit die Taubblinden in ihrem Alltag wirksame Erleichterungen bekommen.

Leider werden immer noch viele Menschen mit dieser Behinderung nicht richtig diagnostiziert und verbringen Jahre fehldiagnostiziert und ohne spezifische Förderung in Einrichtungen für geistig Behinderte. Auch hier sollen die Diagnosemethoden in absehbarer Zeit deutlich verbessert werden.

Die Doris Leibinger Stiftung wurde 2007 von Doris Leibinger gegründet und hat ihre Förderschwerpunkte bei der Förderung von Blinden und Taubblinden, bei Mobilitätshilfen für Familien, die schwer behinderte Kinder zuhause pflegen, sowie bei Hilfen für Missbrauchsopfern. Sie unterstützt bereits seit 2011 die Aktivitäten der 2010 gegründeten Stiftung taubblind leben.

Die Stiftung taubblind leben hat den Stiftungszweck, die Lebensqualität taubblinder und stark hörsehbehinderter Menschen zu verbessern. Dies geschieht durch die Förderung der Selbsthilfe und die Schaffung von Angeboten für taubblinde Menschen, insbesondere Beratung, Inklusions- und Integrationshilfe. Schwerpunkte werden in den nächsten Jahren auf der Verbesserung von Kommunikation und der Schaffung von Wohnangeboten liegen.  

Kontakt

Brigitte Diefenbacher

0715630335201

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