Deutsche Bank Stiftung fördert Monodramenserie am Schauspiel Frankfurt

© Felix Grünschloß

Das Schauspiel Frankfurt setzt die Serie über verschiedene Biografien in Frankfurt als ein Kaleidoskop dieser Stadt mit Unterstützung der Deutsche Bank Stiftung fort: Die beiden Autorinnen und der Autor treffen Menschen dieser Stadt, führen Gespräche und verdichten diese Stadt- und Lebenserfahrungen zu einem Monodrama. Am Ende wird das Solo eines Lebens von einem Schauspieler/ einer Schauspielerin dargestellt, durch den Videokünstler Philip Bußmann visuell begleitet und von Intendant Anselm Weber inszeniert.

Die Monodramen schreiben der Autor Thomas Pletzinger sowie die aus Potsdam stammende Antje Rávik Strubel, die zahlreiche Literaturpreise und Stipendien für ihre ausdrucksstarken Romane erhielt.

Martin Mosebach war ursprünglich als dritter Autor in dieser Spielzeit vorgesehen. Er hat dem Schauspiel Frankfurt für die Spielzeit 2018/19 einen Text vorgelegt, der von einer bestimmten Schauspielerin umgesetzt werden sollte. Zum Produktionszeitraum ist diese aber bereits in »The Nation« auf der großen Bühne unverzichtbar. Daher hat das Schauspiel Frankfurt sich in Absprache mit Martin Mosebach dazu entschieden, seinen Monolog in die dritte Spielzeit (2019/20) zu verschieben und gleichzeitig die mehrfach ausgezeichnete und 2018 für den Deutschen Buchpreis nominierte Autorin Angelika Klüssendorf gebeten, ihren eigentlich für die dritte Spielzeit angesetzten Text nun schon in dieser Spielzeit zu präsentieren.  

Alle drei Autor_innen schreiben zum ersten Mal für das Schauspiel Frankfurt. Die Reihe entsteht in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Frankfurt.

"Branka" von Angelika Klüssendorf

"Ich verlasse dieses Haus" von Thomas Pletzinger

"Unvollkommene Umarmung" von Antje Rávik Strubel

Regie Anselm Weber Video und Bühne Philip Bußmann Kostüme Mareike Wehrmann Musik Thomas Osterhoff Dramaturgie Ursula Thinnes

mit Christina Geiße, Anna Kubin, Peter Schröder

die nächsten Vorstellungen:

7. April: "Ich verlasse dieses Haus" von Thomas Pletzinger und "Branka" von Angelika Klüssendorf

18. April: "Unvollkommene Umarmung" von Antje Rávik Strubel

Antje Rávik Strubel: UNVOLLKOMMENE UMARMUNG

Die Prosaarbeiten der Potsdamer Autorin Antje Rávik Strubel sind fragile Gebilde. Rávik Strubel interessiert sich für das Unsichere unserer Identitäten, für die Frage, wer wir sind, für die Leerstellen zwischen den Rollen, die wir spielen. Für »Stimmen einer Stadt« portraitiert sie den Strafverteidiger Andreas Sternthal, dessen Rückblick auf seine erfolgreiche Karriere feine Risse zwischen öffentlichem und privatem Leben offenbart: zwischen bürgerlicher Oberfläche und einer komplizierten Dreiecksbeziehung, zwischen Loslösung aus dem gefühlskalten Elternhaus der 50er und dem Aufbruch der 70er in Frankfurt.

Antje Rávik Strubel lebt und arbeitet als Schriftstellerin in Potsdam. Nach einer Ausbildung zur Buchhändlerin studierte sie in Potsdam und New York Literaturwissenschaften, Amerikanistik und Psychologie. Der Roman »Kältere Schichten der Luft« (2007) wurde mit dem Rheingau-Literatur-Preis sowie dem Hermann-Hesse-Preis ausgezeichnet, der Roman »Sturz der Tage in die Nacht« (2011) stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. 2019 erhält sie den Preis der Literaturhäuser. 2016 erschien der Episodenroman »In den Wäldern des menschlichen Herzens«.

Thomas Pletzinger: ICH VERLASSE DIESES HAUS

Eine Frau geht ein letztes Mal durch das Hotel, das sie jahrelang geleitet hat. Ein letztes Mal schweift ihr Blick über die Terrasse des Hotels, über das Viertel, das sich so verändert hat zwischen der Eröffnung in den 90ern und dem Abschied jetzt. Es ist ein unsentimentaler Abschied, so unsentimental wie die Frau, die erzählt. Ihre Erinnerungen schweifen vom Hotel ab in ihre Kindheit in Ginnheim, zu den Eltern, dem melancholischen Vater und der lebensstarken Mutter. Immer sind es Erinnerungen einer Frau, die die Herausforderungen des Lebens mit trockenem Humor und großem praktischen Verstand angenommen hat.

Thomas Pletzinger, 1975 in Münster geboren, studierte Amerikanistik in Hamburg, anschließend am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Pletzinger ist ein Meister der literarischen Reportage. Mehrere Jahre widmete er sich seiner Leidenschaft, dem Basketball, z.B. mit »Gentlemen, wir leben am Abgrund« (2012) und »The Great Nowizki«, das im Frühsommer 2019 erscheinen wird. Mit dem Roman »Bestattung eines Hundes« (2008) setzte sich Pletzinger auch als literarischer Erzähler durch.

Angelika Klüssendorf: BRANKA

In »Branka« erzählt eine Wirtin am Ende eines arbeitsreichen Tages. Vom Verlust der Heimat, vom Neuanfang in Frankfurt, von einer scheinbar unauflöslichen Gewalt in ihrem Leben. Zunächst scheint das Erzählen widerwillig, wer interessiert sich schon für ihre Geschichte? Hat nicht jeder eine, die es wert wäre zu erzählen? Doch Branka kann der Autorin nicht entweichen. Unerbittlich fragt diese nach, hat sich selbst als Stadtschreiberin in den Text hineingeschmuggelt. Aber Branka hat ein Gegenmittel für alle Anfechtungen: lachen. Sie ist »sparsam, aber nicht beim Lachen«.

Angelika Klüssendorf ist in der DDR geboren und aufgewachsen, davon mehrere Jahre im Kinderheim. 1985 Flucht nach Westberlin. 1989 nahm sie am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil. Seitdem stand sie mehrfach auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis und war 2013/14 Stadtschreiberin in Bergen-Enkheim. Ihren literarischen Durchbruch hatte Klüssendorf 2011 mit »Das Mädchen«, das eine Kindheit in der DDR beschreibt. In »April« (2014) beschreibt Klüssendorf die jungen Erwachsenenjahre der gleichen Protagonistin, in ihrem aktuellen Werk, "Jahre später" deren gescheiterte Ehe.