Der Hilde-Ulrichs-Stiftungspreis in Höhe von 10.000 Euro geht an das Parkinsonnetz Münsterland+

Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung

Parkinsonnetz schließt Versorgungslücken bei der Patientenversorgung

Den Alltag bewältigen mit Parkinson als schwerer chronischer Erkrankung: Das stellt für viele Betroffene, insbesondere im späteren Verlauf, eine große Herausforderung dar. Hürden baut dabei nicht nur die Erkrankung selbst: Jüngst erst beklagten Patientenverbände, dass es in etlichen Regionen eine bedrohliche Unterversorgung gebe, nicht nur auf dem Land mit seiner vielerorts spärlicher werdenden Facharztdichte. So gibt es dünn besiedelte Gebiete, in denen sich im Umkreis von bis zu 100 Kilometern gerade einmal eine neurologische Praxis befindet: Ältere Ärzte gehen in den Ruhestand, die jungen Kollegen bleiben lieber in den städtischen Gebieten. Doch gerade chronisch kranke Menschen haben einen komplexen und stets individuellen Versorgungsbedarf.

Ohne Zweifel besteht aber auch grundlegend bei der Versorgung chronisch kranker Parkinson-Patienten hierzulande Nachbesserungsbedarf. Oft hakt es im Detail, weil zwischen den involvierten Ärzten und Therapeuten Entscheidendes nicht abgestimmt wird. Kann zum Beispiel ein Parkinson-Patient die verordnete Arznei überhaupt schlucken? Passen die Medikamente gegen Schlafstörungen mit der Parkinson-Medikation zusammen?

Sowohl den für die Parkinson-Erkrankung drohenden Versorgungsengpässen als auch einer Verbesserung der alltäglichen Versorgungspraxis begegnet das Pilotprojekt „Parkinsonnetz Münsterland+“. Angelegt als Netzwerk, führt es eng verzahnt alle an der Versorgung von Parkinsonkranken beteiligten Professionen in der Region zusammen. Das Herz dieses Netzwerks schlägt im Universitätsklinikum Münster in der Person von Professor Dr. Tobias Warnecke von der dortigen Klinik für Neurologie. 

Überzeugt von Grundidee, Umsetzung und ersten Erfolgen des 2018 im Mai nach einjähriger Vorbereitungsphase gestarteten Verbunds, verleiht die Hilde-Ulrich-Stiftung für Parkinsonforschung ihren diesjährigen Stifterpreis in Höhe von 10.000€ an „PNM+“, das „Parkinsonnetz Münsterland+“. Bereits nach kurzer Zeit hat sich gezeigt, dass es durch angemessene Vernetzung und Austausch gelingen kann, Menschen mit Parkinson koordiniert, patientenorientiert und individualisiert zu versorgen. Der nach niederländischem Vorbild gestaltete Verbund bündelt dabei vorbildlich auf Basis eines interdisziplinär aufgestellten Teams die Expertise aller Fachgruppen verlässlich und auf Dauer.

Für die Hilde-Ulrich-Stiftung für Parkinsonforschung ist das Münsteraner PNM+-Modell eines patientenorientierten Zusammenschlusses mit dem Ziel einer besseren Primär- und Langzeitversorgung von Kranken unter Einbindung der Angehörigen zweifelsohne ein Ansatz, der in die Zukunft weist. 

Es trägt dem Verständnis Rechnung, dass die Parkinson-Krankheit bei Betroffenen individuell sehr unterschiedlich und multidimensional auftritt. Daher stellt die Erkrankung eine besondere Herausforderung für Patienten, deren Angehörige wie auch Ärzte und andere medizinische Experten dar. Eine frühe Diagnose und die darauffolgende medizinische Versorgung im Verlauf der Erkrankung sind komplex. Das Parkinsonnetz Münsterland+ setzt mit allen Beteiligten genau hier an – und zwar sowohl durch abgestimmte Standards als auch einen verbesserten Informationsfluss.

Zentrale Übereinkunft ist dabei: Nur wer über das erforderliche Wissen und praktische Kenntnisse verfügt, kann Teil des Versorgungsnetzwerkes werden. In jedem Fall sind an Parkinson Erkrankte der Modellfall par excellence, bedürfen etliche doch inzwischen immer häufiger über Jahre bis Jahrzehnte überwiegend ambulanter Betreuung. Dabei nehmen Schnittstellen mit der Zeit zu. All dies bedenkt das Münsteraner Modell und macht es für die Stiftung preiswürdig, zumal es darüber hinaus auch nach innen wirkt und durch permanenten Austausch der dort Engagierten und gezielte Maßnahmen wie Weiterbildungen den Wissensaufbau und -transfer auf breiter Ebene fördert.

Die Hilde-Ulrich-Stiftung stützt Idee und Umsetzung vom Parkinsonnetz Münsterland+ und möchte mit dieser Auszeichnung auf diese Form der vernetzten Versorgungsstrukturen aufmerksam machen. Schon jetzt gibt es hierzulande Nachahmer, und so schlagen sich die positiven Impulse, die von dem Projekt ausgehen, in einer besseren Lebensqualität von betreuten Patienten auch andernorts nieder. Damit nicht genug, dient das Pilotvorhaben nicht zuletzt auch als Vorbild für ein besseres Versorgungsmanagement bei anderen Erkrankungen.

Hintergrund-Information zur Hilde-Ulrichs-Stiftung

Die Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung, ist bundesweit eine wichtige Anlaufstelle, bei der Patienten mit Morbus Parkinson eine unabhängige Beratung sowie wesentliche Informationen zum Umgang mit der Krankheit erhalten. Die Stiftung ist die erste private Stiftung in Deutschland, die die Erforschung nichtmedikamentöser Behandlungsmethoden bei Morbus Parkinson fördert. Eine der Stiftungsaktivitäten ist die Vergabe eines mit 10.000 € dotierten Forschungspreises alle zwei Jahre. Darüber hinaus unterstützt sie wissenschaftliche Studien und leistet wichtige Aufklärungsarbeit, um mit der Krankheit mobil zu bleiben. Alle Mitglieder im Kuratorium und Vorstand arbeiten ehrenamtlich. Die Hilde-Ulrichs-Stiftung ist Mitglied im Parkinson-Bund, einem Zusammenschluss von Organisationen, die sich für eine bessere Versorgung von Patienten mit Parkinson einsetzt. 

Spendenkonto:
Bank für Sozialwirtschaft 
IBAN: DE79 5502 0500 0001 5494 00
BIC:    BFSWDE33MNZ

Kontakt

Stephanie Heinze

069 67 77 80 21

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