Ausgezeichnete Auenwildnis

D. Damschen / BUND
Gemeinsam für die Hohe Garbe: Die Projektbeteiligten beim ersten Spatenstich.

Im Landkreis Stendal unterstützt die Allianz Umweltstiftung im Rahmen des Projektes „Lebendige Auen für die Elbe“ unter anderem die Reaktivierung alter Flutrinnen auf der Hohen Garbe, einer Halbinsel mit besonders wertvollem Auwald. Am 4. September starteten mit einem feierlichen Spatenstich die Bauarbeiten, gleichzeitig wurde das Vorhaben als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

Auen sind wichtig

„Naturnahe Hartholzauen, wie wir sie hier vorfinden, bedecken heute nur noch ein Prozent ihrer ursprünglichen Fläche. Gleichzeitig zählen intakte Auen aber zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas und sind Refugien für seltene und bedrohte Arten wie Fischotter, Seeadler oder Rotbauchunke.“ Mit diesen Worten betonte Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), die Bedeutung intakter Auen für unsere Flüsse.

Gemeinsam mit vielen anderen Projektbeteiligten war Beate Jessel am 4. September auf die Hohe Garbe gekommen, um mit einem feierlichen Spatenstich die Wiederanbindung eines der wichtigsten Auwälder der Elbe zu starten. Die Hohe Garbe ist einer der wenigen Reste von Wildnis an der Elbe, ein artenreicher Auwald mit etwa zwei Quadratkilometern Größe im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe nahe der Stadt Wittenberge im Landkreis Stendal (Sachsen-Anhalt).

Bedrohter Auwald

Mit typischen Auwaldbäumen wie Eichen und Flatterulmen ist die Hohe Garbe ein bedeutsamer Lebensraum zum Beispiel für Fischotter, Mittelspecht und verschiedene Fledermausarten. Weil ein alter Deich das Waldgebiet von der Elbe trennt, wurde die Halbinsel nicht mehr regelmäßig überschwemmt. Wasser gelangte nur noch verzögert in den Auwald, die natürliche Flussdynamik war unterbrochen. Die typischen und teilweise bedrohten Tier- und Pflanzenarten der Auen wurden deshalb nach und nach von Allerweltsarten verdrängt. Einer der letzten alten Auwälder an der Mittleren Elbe drohte damit verloren zu gehen.

Hilfe für den Auwald

Im Rahmen des Projektes „Lebendige Auen für die Elbe“ soll die Hohe Garbe wieder in ein echtes Stück Auenwildnis verwandelt werden. Dazu werden ein ehemaliger Deich an mehreren Stellen geöffnet und alte Flutrinnen reaktiviert. So kann der Fluss den Wald wieder regelmäßig durchströmen und sich eine naturnahe Auenlandschaft entwickeln. Die Reaktivierung der alten Flutrinnen ist dabei nur ein Teil des umfangreichen Projektes. Etwa 10.000 Bäume und Sträucher wurden bereits gepflanzt und sollen sich zukünftig zu einem ungestörten und naturbelassenen Auwald entwickeln. Auch die Wiederherstellung einer alten Flussinsel und zahlreiche weitere Einzelmaßnahmen stehen auf dem Programm.

Stiftungsprojekte auf der Hohen Garbe

Die Allianz Umweltstiftung unterstützt an der Hohen Garbe die Reaktivierung der Flutrinnen sowie die Wiederherstellung der Flussinsel und stellt dafür insgesamt 100.000 Euro zur Verfügung. Peter Wilde, Projektmanager der Allianz Umweltstiftung, im Rahmen des Spatenstichs: „Wir freuen uns, die Wiederanbindung der Hohen Garbe an die Elbe unterstützen zu können und hoffen, dass sich die Halbinsel dadurch möglichst schnell wieder zu einem typischen Auwald entwickeln wird.“

Ausgezeichneter Auwald

Das Projekt „Lebendige Auen für die Elbe“ wird von dem auf Burg Lenzen (Landkreis Prignitz, Brandenburg) ansässigen Auenzentrum des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) geplant und umgesetzt. Dessen Projektverantwortliche konnten sich nicht nur über den Beginn der Bauarbeiten freuen: Anlässlich des Spatenstichs überreichte die BfN-Präsidentin der zuständigen Projektleiterin Dr. Meike Kleinwächter die Auszeichnung als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt.

Die UN-Dekade Biologische Vielfalt in Deutschland lenkt mit der Auszeichnung vorbildlicher Projekte den Blick auf den Wert der Naturvielfalt und die Chancen, die sie uns bietet. Sie bezieht sich auf die von den Vereinten Nationen für den Zeitraum von 2011 bis 2020 ausgerufen UN-Dekade Biologische Vielfalt, mit der dem weltweiten Rückgang der Naturvielfalt entgegen gewirkt werden soll.

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