"Es ist wichtig, dass das bürgerschaftliche Engagement in Sachsen gestärkt wird"

Bild: photothek.net/Sächsische Staatskanzlei

Der Deutsche Stiftungstag 2022 wird vom 28.-30. September in Leipzig stattfinden. Verglichen mit dem bundesweiten Durchschnitt werden in Sachsen relativ wenig Stiftungen gegründet - das soll sich ändern, wie uns Ministerpräsident Michael Kretschmer im Interview verrät. 

Die Zahl der Stiftungen in Sachsen ist bis Ende 2021 auf insgesamt 622 gestiegen – somit liegt Ihr Bundesland im bundesweiten Ranking auf Platz zehn. Bei der Stiftungsdichte ist Sachsen mit 15,3 Stiftungen pro 100.000 Menschen weit unter dem deutschen Durchschnitt von 29,6.

Warum werden auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung in Sachsen und in den anderen ostdeutschen Bundesländern so wenige Stiftungen gegründet? 

Ein Grund für die insgesamt geringere Stiftungsdichte in Ostdeutschland ist, dass hier auch mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung in den Privathaushalten weniger Vermögen vorhanden ist, das am Ende für Stiftungsgründungen verwendet werden könnte. Darüber hinaus haben in den ostdeutschen Bundesländern auch vergleichsweise wenige finanzstarke Privatunternehmen ihren Firmensitz, die ihr soziales Engagement traditionell über Stiftungen realisieren. Die jahrzehntelange deutsche Teilung wirkt hier also noch nach. Umso mehr bin ich allen dankbar, die sich trotz schwierigerer Ausgangslage engagieren und hier bei uns in Sachsen Stiftungen gründen und damit Gutes tun.

Wie möchten Sie als Ministerpräsident Stiftungen in Sachsen fördern und das bürgerschaftliche Engagement ausbauen?  

 Durch die einheitliche Regelung des Stiftungszivilrechts im BGB und die geplante Änderung des Sächsischen Stiftungsgesetzes wird es zu einer Vereinfachung der Verfahren zur Stiftungsgründung und Stiftungsverwaltung kommen. Das ist das eine. Gleichzeitig ist es mir wichtig, dass das bürgerschaftliche Engagement im Freistaat weiter ausgebaut und gestärkt wird. Tatsächlich ist das breite und starke ehrenamtliche Engagement unglaublich wichtig für unsere Demokratie und eine lebendige und vielfältige Gesellschaft. Der Freistaat fördert das bürgerschaftliche Engagement unter anderem mit dem Programm „Wir für Sachsen“ und einer Ehrenamtsagentur. Träger dieser noch jungen Ehrenamtsagentur Sachsen ist übrigens eine Stiftung: die Jugendstiftung Sachsen. Außerdem planen wir die Einführung eines „Sachsensommers“ – das ist ein flexibler Freiwilligendienst mit einer Dauer zwischen einem und drei Monaten. Beim Thema „Einführung eines sozialen Pflichtdiensts für junge Menschen in Deutschland“ würde ich mir im Übrigen mehr Mut bei der Bundesregierung wünschen. Die Einführung eines – wie ich es verstehe - allgemeinen Dienstes für unsere Gesellschaft, die in den unterschiedlichsten Bereichen unseres Gemeinwesens abgeleistet werden könnte, wäre ein großer Gewinn für unser Land.

In welchen Bereichen würden Sie sich wünschen, dass sich Stiftungen in Sachsen stärker engagieren?  

Der weit überwiegende Teil der Stiftungen in Sachsen verfolgt gemeinnützige Zwecke - vor allem in den Bereichen Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur, Gesundheits- und Sozialwesen sowie Förderung der Wissenschaften. Mit ihrem Engagement ergänzen diese Stiftungen staatliches Handeln, fördern eine Kultur des Miteinanders und leisten somit einen ungemein wichtigen und wertvollen Beitrag für das Zusammenleben und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Auch weil sie zusätzliche Impulse geben, sind sie eine große Bereicherung für unser Gemeinwesen. Kurzum: Jede Stiftung, die in diesem Sinne tätig ist oder werden will, ist hochwillkommen im Freistaat Sachsen.