"800 Millionen Geschichten, die mich antreiben"

Bild: Neven Subotic Stiftung

Neven Subotić wird auf dem Deutschen Stiftungstag 2022 zu Gast sein. Welche Motivation ihn antreibt und was seine größten Herausforderungen im Stiftungsalltag sind, erzählt er uns im Kurzinterview.

Warum wollen Sie mit Ihrer Stiftung die Wasserversorgung in Äthiopien verbessern? Was ist Ihre Motivation dahinter?

Wasser ist nach Luft die elementarste Lebensgrundlage. An dieser Lebensgrundlage hapert es: Knapp 800 Millionen Menschen weltweit haben gar keinen Zugang zu Trinkwasser. Fakten sind für mich mehr als Zahlen, es sind 800 Millionen Geschichten, von denen ich einige auch persönlich erfahren durfte und die mir verdeutlicht haben, wie wichtig die Sicherung des Zugangs zu Trinkwasser ist. Die Menschen, die mir ihre Geschichte erzählten haben, sind wie ich und meine Familie. Der Fakt, dass ihre Bedingungen weit davon entfernt sind, menschenwürdig zu sein, treibt mich im besten Fall an. Im schlimmsten Fall treibt es mich an zu wissen, dass durch Wasser übertragene Krankheiten jährlich 1.2 Millionen Menschen ihr Leben verlieren, davon sehr häufig Kinder. Das ist ungerecht. Ich möchte in einer Welt leben, in der Gesundheit, Bildung und Selbstbestimmung für alle oder zumindest für mehr Menschen möglich ist. Das ist meine positive Motivation.

Was sind für Sie die größten Herausforderungen im Stiftungsalltag?

Eine meiner größeren Herausforderung des Stiftungsalltags ist die Auseinandersetzung mit Gesetzen. Als Stiftung gibt es hohe Anforderungen, die wir auch durch unser Compliance Management System abbilden und die Sicherstellung der Erfüllung realisieren. Doch es bleibt immer wieder unklar - da die Gesetze sehr generell sind, wir aber im Alltag sehr spezifisch agieren - ob und wie wir ein Vorhaben realisieren dürfen. In der Regel geht es dabei um Fälle im Bereich Fundraising, das einen wichtigen Bereich für Stiftungen wie die unsere darstellt. In solchen Fällen merke ich, dass der Sektor ungenügend eigene Standards entwickelt hat, die die rechtlichen Anforderungen gänzlich erfüllen und gleichzeitig für Organisationen als Richtlinie dienen können. Ein gewisser Frust ist hier eventuell herauszulesen, welcher auch bewusst untermauert, dass der Stiftungssektor meiner Meinung nach ein hohes Potential hätte, hier voranzukommen und der Effekt alle Stiftungen stärken könnte.

Sind Sie mit Ihrer Stiftung auch in Deutschland aktiv?

Wir sind seit über fünf Jahren durch Programme in der Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie der Engagementförderung der Zivilgesellschaft in Deutschland aktiv. Durch unser 10-jähriges Bestehen als Stiftung haben wir viel Erfahrung darin gesammelt, Wissen an unsere Unterstützenden weiterzugeben, damit sie aufgeklärt werden und sensibel und effektiv ihr Engagement realisieren und ausbauen können. Daraus haben sich im nächsten Schritt Programme wie „Wasserhelden“ für Schulkinder und „Wirklich Wirksam“, ein 4-monatiges Programm für Erwachsene, entwickelt. Zukünftig werden wir auch mehr in diese Projekte investieren, weil eine Verbesserung der Welt auch eine Verbesserung des Verstehens, Denkens und Handelns der Deutschen Zivilgesellschaft braucht.