Frau Peranić, wie kann bürgerschaftliches Engagement in Ostdeutschland gestärkt werden?

Portraitfoto Katarina Peranic
Bild: Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt

Katarina Peranić wird am Deutschen Stiftungstag 2022 teilnehmen. Dazu sprachen wir mit der Vorständin der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) über Nachhaltigkeit im Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement in Ostdeutschland.

Frau Peranić, muss auch das Ehrenamt nachhaltiger werden? Und wenn ja: wie?

Nachhaltigkeit ist ein großes und vielschichtiges Thema im Ehrenamt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Energieeffizienz von Sportstätten oder Vereinsheimen. Das hat eine ökologische Dimension, es geht aber, wie wir in diesen Wochen erleben, auch um steigende Energiekosten – und damit um stabile Mitgliedsbeiträge – sowie letztlich auch um das Thema Energiesicherheit.

Eine weitere Dimension von Nachhaltigkeit im Ehrenamt betrifft das Thema Nachwuchs. Nur wenn es ehrenamtlich getragenen Organisationen gelingt, immer wieder neue Mitglieder zu gewinnen und sich diverser aufzustellen und auch zu verjüngen, können diese nachhaltig funktionieren. Leider sind heute weniger bürgerschaftlich Engagierte und Ehrenamtliche bereit als früher, Leitungsfunktionen auszufüllen. Für uns als Stiftung ist es deshalb wichtig, laufend Angebote zu machen, die es Engagierten und Ehrenamtlichen erleichtern, Verantwortung beispielsweise in Vereinen zu übernehmen. Dafür haben wir gerade das Programm FuturE gestartet.

Darüber hinaus bieten wir in verschiedenen Formaten Unterstützung bei der Organisationsentwicklung. So werden wir am 19. September 2022 zusammen mit dem Bundesministerium für Umwelt und Verbraucherschutz eine Online-Konferenz zum Thema “Umwelt und Nachhaltigkeit” veranstalten, dort stehen die ökologischen Aspekte im Vordergrund, wie Energie sparen, reparieren und wiederverwerten, der CO2-Fußabdruck im Digitalen oder nachhaltige Mobilität.

Wie kann die DSEE das bürgerschaftliche Engagement in Ostdeutschland und vor allem im ländlichen Raum stärken?

Die DSEE hat einen klaren Fokus auf ländliche und strukturschwache Räume. Dazu zählen die allermeisten Gebiete in den ostdeutschen Bundesländern. Allerdings auch Regionen in Ost und West, die besonders stark vom Strukturwandel betroffen sind – ehemalige Kohlereviere zum Beispiel. Dort überall fördert und unterstützt die DSEE Engagement und Ehrenamt auf unterschiedliche Weise – etwa in Form von Förderprogrammen. Das Programm „ZukunftsMUT“ richtete sich an Organisationen, die Kinder, Jugendliche und deren Familien in der Pandemie unterstützen. Mit dem „Mikroförderprogramm“ helfen wir insbesondere kleineren Vereinen, eigene Projekte umzusetzen, für die es in der Region vielleicht keine Fördermittel gibt.

Das „Engagierte Land“ geht noch einen anderen Weg. Das Netzwerk-Programm zielt auf lokale Zusammenschlüsse im ländlichen Raum, die die Engagement- und Ehrenamtslandschaft vor Ort weiterentwickeln wollen. Neu ist hier der sektorenübergreifende Ansatz. Teilnehmen können Initiativen, die sich mit mindestens zwei Partnern aus der Zivilgesellschaft, Wirtschaft und/oder Verwaltung verbinden.

Schließlich unterstützt die DSEE auch Forschung, die Erkenntnisse über die Engagementförderung in Ostdeutschland gewinnt und Handlungsempfehlungen entwickelt. Zu nennen ist die gleichnamige Studie und Veranstaltungsreihe der Stiftung Bürger für Bürger.

Worauf freuen Sie sich beim #DST22?

Am meisten freue ich mich darauf, viele bekannte und neue Gesichter aus anderen Stiftungen in Leipzig zu sehen. Der Stiftungstag ist immer die perfekte Gelegenheit, alte Kontakte aufzufrischen und neue zu knüpfen. Die Veranstaltung ist ein großes Vernetzungstreffen, das weit über die drei Tage vor Ort hinauswirkt.

Bei 100 Veranstaltungen an drei Tagen bin ich vor allem auf neue inhaltliche Impulse gespannt. Ich denke da an die diversen Programmpunkte, in denen Nachhaltigkeit weitere Facetten erhält – sei es beim Schutz von Geflüchteten, in neuen Formen der Kooperation oder im Stiftungsrecht.

Vor allem freue ich mich natürlich auf die Diskussionsrunde „Stiftungsengagement in Ostdeutschland“, an der ich teilnehmen darf. Dort blicken wir auf historische Vorbilder genauso wie die wachsende Zahl junger Akteure.

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