Possehl-Stiftung | Aktion "Kulturfunke": trotz Corona rund 1.700 Kulturveranstaltungen in Lübeck von Juli 2020 bis Juni 2021

Foto: Marcus Bertold
Die gelbe Schwalbe Tante Trudi (ein altes DDR Moped) und Jana Nitsch (eine Lübecker Liedermacherin) mit ihrem Akkordeon fahren durch Lübeck und Umgebung und bringen spontane Musik und Poesie an ungewöhnliche Orte: kurze kulturelle Glücksgefühle für die eiligen Berufspendler:innen am Hauptbahnhof, die Beamt:innen des Finanzamts, Polizist:innen und Feuerwehrleute oder Passant:innen im gesamten Stadtgebiet …

Gemeinsam mit dem Lübecker „Kulturtreibhaus“, einer freien Initiative der unterschiedlichsten Kulturschaffenden und -institutionen, entwickelte die Possehl-Stiftung im Mai die Aktion „Kulturfunke“: Sie ermutigt freie Künstler:innen und Kulturschaffende, die durch das Raster der gängigen Förderangebote in der Corona-Krise fallen, nach vorne zu denken und weiterhin künstlerisch tätig zu sein. Denn neben den fehlenden Einnahmen sind es vor allem die fehlenden Möglichkeiten, überhaupt arbeiten zu können, unter denen viele Kulturschaffende leiden. In bisher zwei Ausschreibungszeiträumen konnten sich solo-selbständige Künstler:innen und Kulturschaffende mit einem Vorhaben um eine Förderung in Höhe von jeweils bis zu 6.000,- € bewerben und so ihre Ideen und ihren Schaffensdrang Funken schlagen lassen – „Kulturfunken“. Die Mittel stehen den Kulturschaffenden sofort nach der Bewilligung zur Verfügung. Insgesamt bewilligte die Possehl-Stiftung für die Unterstützung der Kulturszene im Rahmen der Aktion bisher 1,28 Mio. € für 229 Projekte von 313 Antragsteller:innen. Max Schön, Vorsitzender der Possehl-Stiftung, freut sich sehr über die Stahlkraft des „Kulturfunken“: „So konnten wir binnen kürzester Zeit einen Beitrag dazu leisten, Kultur in das Leben der Menschen, die hier leben oder Lübeck besuchen, zurückzubringen; vor allem aber konnten wir zeitnah die vielfältige kulturelle Szene finanziell und strukturell unterstützen. Und 1.700 Kulturveranstaltungen in Corona-Zeiten, das ist schon beachtlich für eine Stadt mit nur 217.000 Einwohner:innen!”

WAS BISHER GESCHAH: von Juli 2020 bis heute mehr als 700 Veranstaltungen an über 400 Orten!

Die Vielzahl der Anträge mit ihrer Innovationskraft, Kreativität und künstlerischen Gestaltungsfreude war 2020 überwältigend. Im Juli wählte ein unabhängiges neunköpfiges Auswahlgremium aus der Kultur­szene aus 254 Anträgen 110 Projekte von 143 Kulturschaffenden (auch Gemeinschaftsprojekte können eingereicht werden) für das zweite Halbjahr 2020 aus. Es entstanden neue Formen der Zusammenarbeit, und es wurden ungewöhnliche Ver­anstaltungsorte entdeckt, wie die Projektnamen schon vermuten lassen: „Out for Art!“ oder der „Kunst­imbiss“ ebenso wie „Living in a Box“. Es wurde Crossover experimentiert, neues Publikum wurde durch zufällige Begegnungen im Stadtraum gewonnen. Die Kultur machte sich auf den Weg zu den Menschen, in den Stadtraum hinein, in die Schaufenster, leerstehende Räume, Hinterhöfe, in die Natur und sogar in den gläsernen Fahrstuhl. Und sie kam zu denen, die in diesem Jahr besonders betroffen waren: Sie war zu Gast in Einrichtungen für Senior:innen und Menschen mit Behinderungen, in Kitas und Schu­len. Von August bis heute fanden mehr als 700 Veranstaltungen an über 400 Orten statt – in einer Zeit, in der in Deutschland die Kultur weitgehend aus dem Alltag verschwunden war. Die Kulturszene machte das Allerbeste aus der Situation und ließ trotz Pandemie eine mehrmonatige „kulturelle Dauervibration“ entstehen, die allen Beteiligten Freude und Mut machte.

WAS KOMMT: Künstler:innen fluten Lübeck mit weiteren 1.000 Veranstaltungen bis Juni!

Die Erfahrungen waren so überzeugend, dass die Possehl-Stiftung be­schloss, die Aktion „Kulturfunke“ im Winter- und Frühlingshalbjahr 2021 erneut stattfinden zu lassen. Daher wurden im Januar 119 „Kulturfunken“ von 170 Kulturschaffenden ausgewählt. Von Februar bis Juni können wir uns nun auf ca. 1.000 weitere Veranstaltungen an mehr als 400 Orten im gesamten Stadtgebiet freuen: Hauswand-Kino für Kinder, Rap von PILZ auf der Trave, ein im öffentlichen Raum improvisierendes Streichorchester, Kunstsprechstunden, literarische Spaziergänge, Augmented Reality in der Altstadt, Poetry Slam für Pflegekräfte oder Opernklänge in für Menschen, die ansonsten kaum Zugang zu Kultur haben. Viele neue Kooperationen und innovative Formate sind das Ergebnis der großen Dynamik und des regen künstlerischen Austauschs der ersten Förderrunde. Auch überregional bekannte Künstler aus anderen Teilen Deutschlands funkeln dieses Jahr in Lübeck, so arbeitet z.B. die Gruppe OIL eine Woche lang im Frühjahr an einem für Publikum einsehbaren Ort am neuen Roman und der neuen Langspielplatte; die Passant:innen erleben ihren kreativen Schaffensprozess samt Band-Alltag live, durch den Blick ins Schaufenster.

Auf der Website www.kulturfunke.de, Facebook: kulturfunke* und Instagram: #kulturfunke werden die Veranstaltungshinweise laufend aktualisiert.

POSITIVER „FUNKE-EFFEKT“: neue und langfristige Strukturen für die Kulturszene in Lübeck

Seit Anfang des Jahres hat das vierköpfige „Kulturfunke“-Team in einem leerstehenden Ladengeschäft in der Altstadt seinen Raum gefunden: Für Beratung und Austausch, mit mobilen Arbeitsplätzen. Und ganz nebenbei wurde wertvolle strukturelle Arbeit geleistet: Unter www.kulturfunke.de ist eine Veran­staltungsplattform entstanden, welche die besonderen Aktivitäten der Künstler:innen über Lübecks Grenzen hinaus –  in der gesamten Metropolregion Hamburg – bekannt macht und die Vernetzungs- und Beratungsangebote des Kulturtreibhauses noch populä­rer werden lässt. Über eine Crowdfunding-Plattform kann für den „Kulturfunken“ gespendet werden, so werden auch weitere Menschen eingebunden, die dabei sein möchten: https://www.für-unsere-region.de/sh/luebeck/projekt/kulturfunke.

Der „Kulturfunke“ ist mittlerweile eine beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragene Marke und soll auch nach der Krise kontinuierlich weiterentwickelt werden.

NACHMACHEN GEWÜNSCHT!

Trotz Corona-Krise ist in den vergangenen Monaten sehr viel Positives in Lübeck ge­schehen und steht uns noch bevor; wir würden uns freuen, auch andere Stiftungen, Unternehmen oder andere fördernde Einrichtungen für die Idee des „Kulturfunken“ zu begeistern!

Kontakt

Sylvia Teske-Schlaak

0451 / 148-219

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