Indien: Ein Fahrrad als Schlüssel zur Bildung

© Maria Hortelano/RDT
Mädchen aus dem Projektgebiet der Stiftung in Indien freuen sich über ihre Fahrräder, die ihnen den beschwerlichen Schulweg erleichtern.

Zum Tag der Stiftungen startet die Vicente Ferrer Stiftung ihr Fahrradprojekt für indische Schulkinder, deren Bildungsweg durch die Auswirkungen von Corona gefährdet ist.

Der Vielvölkerstaat Indien hat mit seiner ca. 1,3 Milliarden starken Bevölkerung das zweitgrößte Bildungssystem der Welt. Seit 2009 ist Bildung als Grundrecht in der Verfassung fest verankert. Kinder von sechs bis 14 Jahren sind schulpflichtig und können kostenlos Schulen besuchen.
Doch der Zugang zu Bildung ist vor allem in ländlichen Gebieten mit vielen Hürden verbunden.
 
„In ländlichen Regionen sind staatliche, weiterführende Schulen oft kilometerlange Fußmärsche von den Dörfern entfernt. 41 % der Jugendlichen Südostindiens legen zwischen sieben und neun Kilometer zur Schule zurück,“ erklärt Dr. Andrea Rudolph, Geschäftsführerin der Vicente Ferrer Stiftung: „Der Schulweg führt dabei häufig durch kaum besiedelte Gegenden. Das ist für die Kinder eine große Gefahr. Täglich werden in unserem Projektgebiet Anantapur rund 100 Übergriffe gemeldet, mehr als 70 % davon betreffen Minderjährige. Insbesondere Mädchen werden auf dem Schulweg Opfer sexueller Gewalt.“ 

Da die Familien ihre Kinder auf dem Schulweg nicht begleiten können, lassen ihre Eltern sie aus Sorge zu Hause. Der Bildungsweg endet für diese Kinder viel zu früh mit schlimmen Folgen.
 
„Brechen Mädchen ihre Schullaufbahn zu früh ab, steigt für sie das Risko noch im Kindesalter verheiratet zu werden. Kinderschwangerschaften und Kinderarbeit nehmen signifikant zu. Das wollen wir mit unserem Fahrradprojekt verhindern,“ erklärt Dr. Andrea Rudolph zum Start des Fahrradprogrammes.

Die Stiftung möchte 500 Kindern im ländlichen Indien ein Fahrrad zur Verfügung stellen, mit dem sie in Gruppen sicher und schnell zur Schule fahren können. Privatpersonen und Unternehmen können sich am Projekt beteiligen und Fahrräder spenden. Ein einfaches Rad wird dabei zum Schlüssel zur Bildung und ermöglicht es Kindern, die Sekundarschule zu besuchen.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind für die Bildung in den ländlichen Regionen Indiens ein Rückschlag. Digitaler Unterricht scheitert sehr häufig an den technischen Voraussetzungen. Eine Beschulung war während des landesweiten Lockdowns schwierig. „Viele Kinder und Jugendliche haben einen großen Nachholbedarf, um ihren Bildungsweg erfolgreich weiterzugehen. Daher ist es insbesondere jetzt wichtig, diesen Kindern mit unserem Fahrradprojekt eine neue Perspektive zu geben.“ 

Mehr Informationen zum Projekt unter www.vfstiftung.de/bildung


Über die Vicente Ferrer Stiftung: Die Vicente Ferrer Stiftung Indien wurde 1978 als Rural Development Trust von Vicente Ferrer und seiner Frau Anne im südindischen Anantapur gegründet. Die ersten Projekte starteten bereits 1969, mit dem Ziel, die Lebensbedingungen der am stärksten benachteiligten Menschen im ländlichen Indien zu verbessern.

Die Vicente Ferrer Stiftung in Deutschland setzt sich als Teil der Stiftungsfamilie Vicente Ferrer für die Bekämpfung der Armut im ländlichen Indien ein und trägt hiermit zur Transformation in eine gerechtere Gesellschaft bei. Ihr ganzheitlicher Ansatz setzt Entwicklungsprogramme im Dialog mit den am stärksten benachteiligten Gemeinschaften im ländlichen Andhra Pradesh und Telangana vor Ort um. Gemeinsam mit ihnen und den Stiftungsteams werden Angebote und Maßnahmen entwickelt, die die individuellen Lebensbedingungen der Menschen verbessern und ihre Eigenverantwortung fördern.

Kontakt

Dr. Andrea Rudolph

03022008680

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