Gesellschaftliche Entwicklungen beeinflussen die Wahl der Stiftungsthemen

Stiftungszwecke nach Themen in Dekaden

Ein Wesensmerkmal jeder Stiftung ist der von den Stifterinnen und Stiftern festgelegte Zweck. Die meisten Stiftungen haben mehrere Zwecke in ihrer Satzung verankert. Damit haben sie die Möglichkeit, flexibel auf spezifische gesellschaftliche Problemlagen zu reagieren. Entsprechen die gewählten Satzungszwecke den Vorgaben der Abgabenordnung (AO), kann die Stiftung in den Genuss von Steuerbegünstigungen kommen. Welche Zwecke steuerbegünstigt sind, ist in den §§ 52–54 AO definiert. 

Das Thema Gesellschaft prägt den Stiftungssektor

Fasst man – der besseren Übersichtlichkeit halber – die einzelnen Stiftungszwecke zu Themen zusammen, ergibt sich folgendes Bild: Mehr als 50 Prozent der Stiftungen widmen sich dem Themenfeld Gesellschaft. Dabei engagieren sich die meisten Stiftungen für die Zwecke Kinder- und Jugendhilfe, mildtätige Zwecke und Altenhilfe. 

Viele Stiftungen im sozialen oder medizinischen Bereich sind als Trägerstiftung organisiert. Die ersten Stiftungen dieser Art stammen aus dem Mittelalter, als sich die Regierungsgewalt noch nicht auf alle gesellschaftlichen Gebiete erstreckte. Einrichtungen zur Kranken- und Altenpflege wurden häufig von Kirchen auf der Basis mildtätiger Stiftungen betrieben. Diese Praxis hat sich in Teilen bis heute erhalten und neben den staatlichen Einrichtungen auch bewährt.  

Zum Themenbereich Gesellschaft gehört außerdem neben anderen die Gleichberechtigung von Frauen und Männern – mehr als 100 Stiftungen engagieren sich hier. Eine von ihnen ist die „filia.die frauenstiftung“ von Ise Bosch, Trägerin des Deutschen Stifterinnenpreises 2018

Auch die Themen Bildung sowie Kunst und Kultur stehen bei über 30 Prozent der Stiftungen hoch im Kurs. In den einzelnen Bundesländern liegen sie, nach dem Thema Gesellschaft, meist auf Platz zwei oder drei. 

Bewusstseinswandel spiegelt sich in Stiftungszwecken wider 

Die Entwicklung der Stiftungszwecke seit den 1950er Jahren zeigt, dass das Thema Gesellschaft ein Dauerbrenner im Stiftungssektor ist. Mit Ausnahme der 1980er Jahre widmete sich rund die Hälfte der Stiftungen Zwecken, die in diesen Bereich fallen. 

Wie gesamtgesellschaftliche Entwicklungen auch die Themenwahl von Stiftungen beeinflussen können, wird beim Umweltschutz besonders deutlich. Bereits seit den 1960er Jahren nimmt der Anteil in diesem Themenbereich kontinuierlich zu, in den letzten zehn Jahren verfolgte schon knapp jede fünfte Stiftung Zwecke mit Umweltbezug. Das zunehmende – von der Umweltbewegung sowie Kernkraftkatastrophen wie Tschernobyl oder Fukushima geprägte – Umweltbewusstsein der letzten Jahrzehnte schlägt sich in diesem grünen Stiftungswachstum nieder. Auch die große Vielfalt vergleichsweise ungestörter Naturräume der damals strukturschwachen Regionen Ostdeutschlands war nach 1989 einer der Gründe, warum in den neuen Bundesländern so viele Umweltstiftungen gegründet wurden, insbesondere in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Die Stiftungen schützen dort das „Tafelsilber der deutschen Einheit”.

Auch das gewachsene Bewusstsein für Gesundheit und Sport lässt sich anhand der gewählten Stiftungsthemen abbilden. Engagierte sich in den 1950er und -60er Jahren nicht mal jede zehnte Stiftung für dieses Thema, sind es seit der Jahrtausendwende nahezu jede vierte. 

Kontakt

Dr. Antje Bischoff

(030) 89 79 47-72

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