Georgia und Helmut Friedrich Stiftungspreis für Psychologie 2021

v.l.n.r.: Professor Dr. Gerhard Blickle, Dr. Iris Kranefeld, Dr. Anja Murmann, ©Ulla Anne Giesen
Stiftungspreis Psychologie

Der Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds lobt seit 2009 jährlich den Stiftungspreis für Psychologie aus. Der Preis richtet sich an Studierende und Promovierende am Institut für Allgemeine Psychologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Die Themen der Arbeiten geben einen Einblick in die Projekte der Studierenden und auch in die Vielfältigkeit der Forschung am Institut. 2021 wurden drei Preise vergeben in den Fachbereichen Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie sowie Sozial- und Rechtspsychologie und mit jeweils 5.000 Euro dotiert.

Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie

Dr. Iris Kranefeld (M. Sc. in Psychologie) promovierte bei Professor Dr. Gerhard Blickle zum Thema „Das triarchische Modell der Psychopathie am Arbeitsplatz und im Berufsleben: Validierung des Triarchic Psychopathy Measure (TriPM) bei Berufstätigen und Führungskräften“

Das Phänomen der Psychopathie beschäftigt die Wissenschaft seit über 200 Jahren und wird bis heute als solche weder in der International Classification of Diseases (ICD) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) der American Psychiatric Association als Persönlichkeitsstörung aufgeführt. Das Dissertationsprojekt von Frau Kranefeld bestätigt dies. Stattdessen ist dort von der dissozialen oder antisozialen Persönlichkeitsstörung die Rede; diese entspricht aber nur einem Teilaspekt des Konstruktes der Psychopathie.

Im Rahmen eines Forschungsprojekts führte Iris Kranefeld während ihres Masterstudiums eine komplexe Studie mit dem Ergebnis durch, dass erstmals ein psychologisches Erhebungsinstrument zur Erfassung der nichtsprachlichen Emotionserkennungsfähigkeit für Berufstätige entwickelt werden konnte. Ihr großes Engagement und ihre nicht nachlassende Ausdauer haben entschieden zum Erfolg an diesem Projekt beigetragen. Es entstand daraus ein Paper, das von den Reviewern der Society of Industrial and Organizational Psychology (SIOP), die weltweit führende Vereinigung von Forschenden im Bereich der Arbeits- und Organisationspsychologie, mit dem Top Poster Award ausgezeichnet wurde.

Sozial- und Rechtspsychologie

Dr. Verena Oberlader (M. Sc. Psychologie) hat ihren B. Sc. Psychologie an der Universität Hamburg absolviert und ist für das Masterstudium gezielt an die Universität Bonn gewechselt, um sich im Bereich der Rechtspsychologie weiter zu qualifizieren. Aufgrund ihres bemerkenswerten Engagements, ihrer hervorragenden akademischen Leistungen und ihres großen Interesses für die Rechtspsychologie wurde ihr schnell eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin bei ihrem Professor Dr. Rainer Banse angeboten. Unterbrochen von einer Elternzeit wurde sie im Jahr 2019 promoviert und setzte ihre Tätigkeit als Postdoc fort. Thema ihrer Dissertation ist: Meta-Analysis on the Validity of Verbal Tools for Credibility Assessment.

Schon als Doktorandin und frisch promovierte Postdoc hat Verena Oberlader als Erstautorin drei Publikationen in internationalen Fachzeitschriften und ein Buchkapitel zu ganz verschiedenen Themen publiziert. Ihre wissenschaftliche Arbeit ist von einer unbedingten Selbstverpflichtung zu den Prinzipien der Open Science Bewegung gekennzeichnet, einer replizierbaren, transparenten und nachvollziehbaren Arbeitsweise. Besonders hervorzuheben ist eine Studie zum Phänomen der „Desistance“, d.h. zur Abwendung von einem kriminellen zu einem nichtkriminellen Lebensstil. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird diese Studie, mit von ihr selbst entwickelten Methoden zur Messung von vorhersehbaren Rückfälligkeiten der Teilnehmenden, die wissenschaftliche Literatur im Bereich der Rechtspsychologie nachhaltig beeinflussen.

Dr. Anja Murmann (M. Sc. Psychologie, M.Sc. Rechtspsychologie) hat nach dem Abschluss ihres B. Sc. Psychologie an der RWTH Aachen den M.Sc. Psychologie an der Universität Bonn abgeschlossen. Neben ihrem Promotionsstudium als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Sozial- und Rechtspsychologie hat Anja Murmann zusätzlich den Weiterbildungsstudiengang M. Sc. Rechtspsychologie an der Universität Bonn erfolgreich abgeschlossen. Im Januar 2021 wurde sie promoviert. Frau Murmann hat diese akademischen Qualifikationen unglaublich zügig und durchgehend mit Bestnoten abgeschlossen. In ihrem Dissertationsprojekt thematisierte sie die psychologischen Mechanismen, die zu kriminellen oder auch nichtkriminellen Entscheidungen führen mit dem Titel: An Appraisal Model of Criminal Decision Making: How Person Factors Affect Decisions through Cognitive Appraisals

Die Jury sprach sich ausdrücklich für die Vergabe des Georgia und Helmut Friedrich Stiftungspreises für Psychologie an Anja Murmann aus. U.a. aufgrund ihrer exzellenten akademischen Leistungen, ihrer exemplarischen moralischen Integrität und ihres weit überdurchschnittlichen, nachhaltigen und stillen sozialen Engagements. „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass sie eine sehr würdige Preisträgerin ist, die das Anliegen und die Ziele der Stiftung in exemplarischer Weise verkörpert und damit jungen Psychologinnen und Psychologen als Vorbild dienen kann“, so ihr Prof. Dr. Rainer Banse.

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.psychologie.uni-bonn.de/de

Kontakt

Sabine Junker

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