Deutschlands nachhaltigste Städte ausgezeichnet

Kiel, Buxtehude und Eltville - so heißen die Träger des Deutschen Nachhaltigkeitspreises für Städte und Gemeinden 2020. In Düsseldorf erhielten die Bürgermeister der Siegerkommunen im Rahmen einer virtuellen Preisverleihung ihre Auszeichnungen und jeweils 30.000 Euro Preisgeld von der Allianz Umweltstiftung. Davor hatten beim Deutschen Nachhaltigkeitstag ehemalige Preisträger über die mit ihrem Preisgeld realisierten Projekte berichtet.

Kommunale Vorreiter

Bereits zum neunten Mal wurden die bundesweiten Vorreiter kommunaler Nachhaltigkeit mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis für Städte und Gemeinden ausgezeichnet. Dabei werden Kommunen prämiert, die im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten eine umfassende, nachhaltige Stadtentwicklung betreiben und die in wichtigen Themenfeldern erfolgreiche Nachhaltigkeitsprojekte realisiert haben.

Kiel, Buxtehude und Eltville waren diesmal die Preisträger der drei Kategorien Deutschlands nachhaltigste Groß-, Mittel- und Kleinstadt oder Gemeinde. Neben vorbildlichem Engagement in den Bereichen Klimaschutz und soziale Teilhabe setzen alle drei Städte auf eine starke bürgerschaftliche Beteiligung. Sie dürfen sich nun über ein Preisgeld der Allianz Umweltstiftung von jeweils 30.000 Euro für Projekte zur nachhaltigen Stadtentwicklung freuen.

Alles anders

Um alle Beteiligten und Interessierten am Erfolg teilhaben zu lassen, waren im Oktober Preisverleihungen vor Ort in den Siegerkommunen geplant, die aufgrund des Infektionsgeschehens aber abgesagt werden mussten. Um den Städten trotzdem in würdigem Rahmen ihre Auszeichnungen zukommen zu lassen, erfolgte am 4. Dezember eine zentrale Preisverleihung auf dem Deutschen Nachhaltigkeitstag in Düsseldorf.

Auch hier hatte die Pandemie die Abläufe verändert. Kamen in den Vorjahren über 1.000 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Medien, Kommunen, Kultur, Politik, NGOs und Gesellschaft zur feierlichen Verleihung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises, fand die Veranstaltung diesmal aus Infektionsschutzgründen ohne anwesendes Publikum statt. Das gesamte Programm mit Live-Akteuren und zugeschalteten Gästen wurde im Internet übertragen.

Gratulation aus Berlin

Esra Kücük, Vorstand der Allianz Umweltstiftung, war per Videoschaltung aus dem Allianz Forum in Berlin zugeschaltet. "Wir gratulieren den drei Städten zu ihren Auszeichnungen und freuen uns auf die Zusammenarbeit bei der Verwendung des Preisgeldes", so Kücük. Das Preisgeld soll nach ihren Worten vor allem für Nachhaltigkeitsprojekte mit Kindern und Jugendlichen verwendet werden.

Sieger Kategorie "Großstädte": Kiel

Als Stadt am Meer legt die Landeshauptstadt Kiel in Sachen Nachhaltigkeit einen besonderen Schwerpunkt auf den Klima- und Meeresschutz. Die Klimaschutz- und Zero-Waste-Stadt rief als erste deutsche Landeshauptstadt den Klimanotstand aus. Im Rahmen des "Masterplans 100 % Klimaschutz" wurden u. a. ein Energieeffizienznetzwerk gegründet und ein Küstenkraftwerk in Betrieb genommen. Die Bürger sind über zahlreiche Angebote in die Nachhaltigkeitsaktivitäten eingebunden und konnten sich beispielsweise in die Entwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie "Kiel 2042" einbringen – dann wird die Landeshauptstadt 800 Jahre alt. 

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer zur Auszeichnung der Landeshauptstadt: "Der Preis ist eine tolle Anerkennung für das, was wir hier in den vergangenen Jahren angestoßen haben. Er ist aber vor allem ein Auftrag, dass wir uns weiterhin mit Mut, Klarsicht und Leidenschaft den großen Herausforderungen der Zukunft stellen."

Sieger Kategorie "Städte mittlerer Größe": Buxtehude

Die niedersächsische Hansestadt Buxtehude erarbeitet derzeit in einem partizipativen Prozess ihre Strategie "Buxtehude 2030". Besonderes Augenmerk liegt auf den Themen Klima- und Ressourcenschutz sowie soziale Teilhabe. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien, die Innovationsstrategie "Zukunft Made in Buxtehude" und die nicht-kommerzielle Ökomesse "Vor Ort Fair-Ändern" sind weitere Bausteine des Nachhaltigkeits-Engagements. Der Buxtehuder Präventionsrat gestaltet das städtische Engagement u. a. in den Bereichen Bildung, soziale Teilhabe und sogar Klimaschutz mit. 

Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt über die Bedeutung des Preises in ihrer Kommune: "Die Auszeichnung ist vor allem eine Ehrung all jener, die mit uns den Weg hin zu einer nachhaltigen Entwicklung in unserer Stadt bisher gegangen sind. Deshalb gilt mein besonderer Dank den vielen Initiativen, Gruppen, Institutionen sowie Unternehmen und Bürgerinnen und Bürgern, die sich bereits in den vielfältigen Projekten eingebracht haben."

Sieger Kategorie "Kleinstädte und Gemeinden": Eltville am Rhein

Die hessische Wein-, Sekt- und Rosenstadt Eltville am Rhein erarbeitete bereits 2011 ihre "Vision Eltville 2030" und entwickelt sie seitdem trotz dauerhaft angespannter Haushaltslage konsequent weiter. Aktive Bürgerbeteiligung wird groß geschrieben und gewährleistet einen fortwährenden Austausch mit der Bürgerschaft. Eltville versteht sich als "Soziale Stadt" und "FamilienStadt", was sich u. a. in Mehrgenerationenhäusern, einer Frauenwoche, einem Seniorennetzwerk, Integrationslotsen oder Patenschaften für Arbeitslose wiederspiegelt. 

Bürgermeister Patrick Kunkel zum Preisgewinn: "Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis ist ein Ansporn für mein Team und mich, genau diesen Weg weiterzugehen. Das Soziale ist für mich der Kern der Nachhaltigkeit. Wir entwickeln das Netzwerk des Zusammenhalts immer weiter, so sind wir auch mit großem bürgerschaftlichen Engagement über die letzten Monate der Corona-Zeit gekommen."

Transformation kommunal

Bereits am 3. Dezember hatten auf dem Deutschen Nachhaltigkeitstag ehemalige Preisträger im Themenforum "Transformation kommunal" über die Verwendung ihres Preisgeldes und die Zusammenarbeit mit der Allianz Umweltstiftung berichtet. Auch diese Veranstaltung musste aus Infektionsschutzgründen auf anwesendes Publikum verzichten und die Forumsteilnehmer waren aus ihren jeweiligen Städten zugeschaltet.

Die Jugend entscheidet

Das bayerische Pfaffenhofen an der Ilm, Sieger in der Kategorie Kleinstadt 2013, entschloss sich, die Jugendlichen seines Jugendparlamentes über die Verwendung des Preisgeldes entscheiden zu lassen. Dazu wurden insgesamt drei Wettbewerbsrunden durchgeführt, bei denen sich gemeinnützige Einrichtungen der Kommune mit Nachhaltigkeitsprojekten bewerben konnten. Unter anderem wurden die Einrichtung einer Energieverbrauchsanzeige am Gymnasium, der Bau eines Kräuterhochbeetes durch psychisch Kranke und eine virtuelle Ausstellung zum Thema Klimawandel des Energie- und Solarvereins unterstützt. 

Manuel Hummler, Vorsitzender des Jugendparlamentes der Stadt Pfaffenhofen an der Ilm, berichtete, dass sich die Mitglieder des Jugendparlamentes bei der Vergabe des Preisgeldes oft zwischen vielen wünschenswerten Projekten entscheiden mussten und auf diese Weise lernten, Prioritäten zu setzen.

Bäume für den Bam-See

Ludwigsburg gewann 2014 in der Kategorie Mittelstadt und verwendete das Preisgeld für ein Nachhaltigkeitsprojekt seiner Partnerstadt Kongoussi in Burkina Faso. Am Bam-See, dem zentralen Trinkwasserreservoir der Region, wurde entlang einer etwa 10 Kilometer langen Uferlinie ein 100 Meter breiter Schutzstreifen mit Schilf und Mangrovenbäumen bepflanzt. Nach und nach soll sich dort eine natürliche Ufervegetation entwickeln und als grüner Puffer gegen Einschwemmung von Boden fungieren. Direkt an den Schutzstreifen anschließend wurde zusätzlich ein Gehölzstreifen angelegt, der zur Hälfte aus Obstbäumen besteht. 

Konrad Seigfried ist als Erster Bürgermeister der Stadt Ludwigsburg auch für die Städte-Partnerschaft mit Kongoussi zuständig und freute sich deshalb besonders, dass das Preisgeld für ein Umweltprojekt in Burkina Faso verwendet werden konnte.

Schulgärten im Quartier

Die Sieger-Großstadt 2018 Münster finanzierte mit dem Preisgeld der Allianz Umweltstiftung das Projekt "Schulgärten im Quartier" und erprobt damit neue Wege der Schulgartenentwicklung und -pflege. Ziel sind die pädagogische Einbindung des Schulgartens in den Schulalltag und die Öffnung der Schulgärten für ehrenamtliches Engagement im Quartier. Es wurden bereits mehrere Garten-Aktionen umgesetzt, Kooperationen mit benachbarten Vereinen und Behinderten-Einrichtungen befinden sich in Vorbereitung – und "Schulgärten im Quartier" ist als vorbildliches Projekt der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ in der Kategorie "Soziale Natur" ausgezeichnet! 

Jutta Höper, Leiterin der Fachstelle für Nachhaltigkeit beim Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit der Stadt Münster berichtete, dass inzwischen auch Rentner und Familien aus der Nachbarschaft in den Schulgärten des Projektes aktiv sind.

Beeindruckende Bandbreite

Peter Wilde, der aus dem Berliner Allianz Forum zugeschaltete Projektmanager der Allianz Umweltstiftung, freute sich über die Bandbreite der mit den Preisgeldern realisierten Projekte. "Bei der Diskussion um die Verwendung unserer Preisgelder ermuntern wir unsere Projektpartner, auch ungewöhnliche Vorhaben vorzuschlagen und entwickeln diese dann oft gemeinsam weiter. In der Rückschau über inzwischen neun Jahre Deutscher Nachhaltigkeitspreis für Städte und Gemeinden ist daraus eine beeindruckende Bandbreite von Nachhaltigkeits-Projekten entstanden", so Wilde.

Initiatoren und Partner

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis für Städte und Gemeinden ist eine Initiative der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e. V. in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung, dem Rat für nachhaltige Entwicklung, kommunalen Spitzenverbänden, Wirtschaftsvereinigungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Forschungseinrichtungen.

Kontakt

Allianz Umweltstiftung

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