Der Rahel-Straus-Preis 2021 geht an den Designer und Filmemacher Johannes Kuhn

Berthold Leibinger Stiftung GmbH

Der Rahel-Straus-Preis 2021 geht an den Designer und Filmemacher Johannes Kuhn für seinen „Multimedialen Gedenkpfad“ zur KZ-Gedenkstätte Hailfingen/Tailfingen.  Den Rahel-Straus-Jugendpreis 2021 erhält die Geschichtswerkstatt der Lessing-Realschule Freiburg.

Johannes Kuhn, der aus Herrenberg stammt, hat für die KZ-Gedenkstätte Hailfingen/Tailfingen (Landkreise Tübingen und Böblingen) einen multimedialen Gedenkpfad entwickelt. Mit einem Audioguide lassen sich über QR-Codes auf dem Gedenkstättenareal Audiotracks abrufen. Den Besucherinnen und Besuchern wird so, zusätzlich zu den Informationen auf den Gedenktafeln in deutscher, englischer oder französischer Sprache, lokale Geschichte vermittelt.
Die Interessierten hören an diesem Lernort die Schilderungen der lokalen Zeitzeugen und von KZ-Überlebenden im Original-Ton. Durch die authentischen Stimmen der Zeitzeugen wird die Geschichte des Ortes intensiver und emotionaler vermittelt als allein Texte oder historisches Bildmaterial dies könnten. Johannes Kuhn dazu: „Auch bei der Führung auf dem Gelände des Flughafens Hailfingen ist doch die Idee, den gegenwärtigen Eindruck und die Atmosphäre vor Ort visuell zu erfassen und sich dabei mithilfe des Erzählten in die damalige Zeit zu versetzen.“ Weiter: „Die Konzentration auf Tonaufnahmen ermöglicht außerdem das Verwenden von mehr Material, auch vielfältigem Archivmaterial. Während bei einem Videozusammenschnitt aus verschiedenen Quellen die unterschiedlichen Bildformate und -auflösungen fast nicht ohne Brüche in der Ästhetik zu kombinieren wären, lässt sich Audioarchivmaterial problemlos mit neu aufgenommenen Tönen mischen. Einzelne Zeitzeugen waren außerdem mit einem Audiomitschnitt einverstanden, nicht jedoch mit einem Videomitschnitt. Auch diese Aufnahmen können nun verwendet werden.“

Der diesjährige Rahel-Straus-Jugendpreis geht an die Geschichtswerkstatt „Zwangsschule für jüdische Kinder in Freiburg, 1936 bis 1940“. Seit 2001 widmet sich die Geschichtswerkstatt unter Leitung von Rosita Dienst-Demuth der Erinnerungsarbeit an jüdische Schulkinder und ermordete Lehrerinnen sowie an stille Helfer, die jüdische Bürger versteckten oder ihnen zur Flucht verhalfen. Der Preis ist mit 500 Euro dotiert.

Kontakt: Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V., Frau Birgit Kipfer,
Tel: 07034 929683, Mobil: 0171 6942156

Der Rahel-Straus-Preis und der Rahel-Straus-Jugendpreis
Den mit 1.000 Euro dotierten Rahel-Straus-Preis stiftete die Berthold Leibinger Stiftung im Jahr 2019. Er wird jedes Jahr für ein Projekt oder eine Aktivität von Personen und Gruppen in Baden-Württemberg verliehen, die sich für die Ziele von Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V. einsetzen. Der Rahel Straus-Jugendpreis wird ebenfalls jährlich an Jugendliche verliehen und ist mit 500 Euro dotiert.

Die Zwecke von Gegen Vergessen – für Demokratie sind:

- Die Erinnerung an die Geschichte der beiden Diktaturen auf deutschem
  Boden im 20. Jahrhundert zur Bewahrung der Demokratie in der Gegenwart
- Engagement in der Auseinandersetzung mit Feindbildern, Rassismus,
  Fremdenfeindlichkeit, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und anderen
  Formen des politischen Extremismus
- Förderung demokratischer Werte

Die Namensgeberin

Rahel Straus, geb. Goitein, wurde 1880 in Karlsruhe als Kind eines orthodoxen Rabbiners und seiner Frau Ida geboren. Sie machte am ersten deutschen Gymnasium für Mädchen in Karlsruhe 1899 Abitur. Ihre Abiturrede, die erste einer jungen Frau in Deutschland, thematisierte die Bildungschancen für Frauen. Als erste Medizinstudentin an der Universität Heidelberg bestand sie 1905 das Staatsexamen und promovierte 1907 zum Dr. med. Im selben Jahr heiratete sie den Karlsruher Juristen Dr. Elias Straus und eröffnete 1908 eine gynäkologische Praxis. Damit war sie die erste niedergelassene, an einer deutschen Universität ausgebildete Ärztin. In München kamen ihre fünf Kinder zur Welt, sie praktizierte weiter. Als Ärztin kämpfte Rahel Straus für die Abschaffung des §218 und engagierte sich auf sozialem, pädagogischem und politischem Gebiet. 1918 arbeitete sie in einigen Gremien der Münchener Räterepublik mit. Nach dem Tod ihres Ehemanns 1933 emigrierte Rahel Straus mit ihren Kindern nach Palästina. Dort arbeitete sie weiter als Ärztin und Sozialarbeiterin und gründete 1952 die israelische Gruppe der Women‘s International League for Peace and Freedom, deren Ehrenpräsidentin sie bis zu ihrem Tod 1963 in Jerusalem blieb.

 

Kontakt

Brigitte Diefenbacher

07156 303 35201

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