1. Deutscher Social Entrepreneurship Monitor

Meldungen

Immer mehr Unternehmen stellen die soziale Wirkung ihrer Geschäftsidee ins Zentrum ihres Wirtschaftens. Diese Sozialunternehmen verbinden nicht nur Wirtschaftlichkeit mit Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft, sondern sind auch in hohem Maße innovativ, wie eine jüngst veröffentlichte Umfrage darlegt. Stiftungen spielen hier eine wichtige Rolle - als Geldgeber für die Anfangsfinanzierung oder als Kooperationspartner im regulären Betrieb.

Soziale Wirkung mit Tradition und Innovation

Seit einigen Jahren bringen die Social Entrepreneurs zudem eine neue Dynamik in das Wirtschaftsleben. Der erstmalig durch das Social Entrepreneur Netzwerk Deutschland (SEND) vorgelegte Monitor (DSEM) liefert nun Daten über eine zukunftsgewandte und am Gemeinwohl orientierte Branche. Diese bewegt sich im Bereich zwischen klassisch gemeinnützigen Organisationen und sozial verantwortlichen Unternehmen. Bei aller Heterogenität der Geschäftsmodelle, Organisationsformen und Profitorientierung dieser Firmen ist ihnen eins gemeinsam: das Erzielen sozialer Wirkung als Hauptmotiv.

Unternehmen als Akteure sozialer Neuerungen

Gerade im Vergleich zu klassischen Unternehmen und regulären profitorientierten Start-ups zeigt sich das Charakteristische der Social Enterprises (Quelle: www.send-ev.de/uploads/20181213_dsem_pm.pdf):

  • Die Hälfte aller Sozialunternehmen wurde von Frauen gegründet, was deutlich über dem vom Deutschen Startup Monitor angegebenen Schnitt von 15,1 Prozent bei klassischen Start-ups liegt.
  • Fast die Hälfte der Firmen wurde von unter 35-Jährigen gegründet.
  • Neun von zehn Sozialunternehmen gaben an, gesellschaftliche Probleme in Deutschland zu lösen.
  • 75 Prozent bewerten ihr Produkt oder Geschäftsmodell als Marktneuheit.
  • Die Mehrheit der Sozialunternehmen gab außerdem an, weitreichende Mitbestimmungsrechte der Mitarbeitenden zu garantieren.
  • Laut einer zeitgleich zum DSEM herausgegebenen Befragung der Förderbank KfW, beschäftigt ein Drittel der Sozialunternehmen Mitarbeitende, wohingegen es bei anderen Jungunternehmen nur 25 Prozent sind.

Stiftungen und Sozialunternehmen Hand in Hand

Die Umfrage liefert auch detaillierte Daten über die Zusammenarbeit zwischen Social Entrepreneurs und dem deutschen Stiftungswesen. Sieben Prozent der Sozialunternehmen finanzierten ihre Gründung durch Stiftungsmittel. Diese Fördermittel zu erhalten, bewerteten die Gründenden weder als besonders schwierig noch als besonders leicht. Mit deutlichem Abstand wurde die Eigenfinanzierung oder Finanzierung durch das enge private Umfeld als häufigste und unkomplizierteste Finanzierungsoption genannt. Einmal angelaufen, kooperieren 41,7 Prozent der Social Enterprises in ihrem laufenden Geschäft mit Stiftungen. Fast die Hälfte der DSEM-Unternehmen gab die Suche nach einer passenden Rechtsform als eine der größten Schwierigkeiten an. Ihr hybrider Charakter aus gewinnorientiertem Unternehmen und gemeinwohlorientierter Organisation findet keine klare Entsprechung in der deutschen Rechtsprechung. Vielleicht ist dadurch zu erklären, dass nur 3,2 Prozent der DSEM-Sozialunternehmen die Form der Stiftung gewählt haben.

Finanzierungsmix mit sozialer Wirkung

Ein Beispiel hierfür ist die Stiftung Bürgermut aus Berlin, die Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen ist. Die Stiftung möchte Engagierte dazu qualifizieren, ihre Projekte zu skalieren, also zur Umsatzsteigerung zu befähigen, ohne kontinuierlich in Produktion und Infrastruktur investieren und Fixkosten erhöhen zu müssen. Eine Aufgabe, vor der auch das Stiftungswesen steht. Katarina Peranic, Geschäftsführerin der Stiftung Bürgermut, sagt, dass Social Entrepreneurs „in der Regel die Skalierung von Anfang an“ mitdenken. Da viele ihre Erlöse jedoch überschätzten, empfiehlt sie, „von vornherein auf einen sorgfältig austarierten Finanzierungsmix zu setzen und immer auch Spenden, Sponsoring und Förderungen mitzudenken.“

Aktuelle Beiträge
Unsere Demokratie

„Wir haben uns etwas sagen zu lassen“

Als im Mai dieses Jahres der Afroamerikaner George Floyd von einem Polizisten getötet wurde, erklärte sich das Stadtmuseum Berlin als eine von wenigen Stiftungen in Deutschland offen solidarisch mit der weltweit aufkommenden #BlackLivesMatter-Bewegung. Im Gespräch erklären Direktor Paul Spies und Diversitäts-Agentin Idil Efe, wie sie ihr eigenes Haus bunter machen wollen.

Mehr
Geschlechtergerechtigkeit

Philanthropie ist ein feministisches Thema

Soll es voran gehen mit der Menschheit, müssen die Stimmen von Frauen durch philanthropische Mittel unterstützt werden, ihre Wahlmöglichkeiten, Partizipation, Bildung und Existenzgrundlagen.

Mehr
Impuls

Jede Stiftung kann zu mehr Klimaschutz beitragen

Stiftungsvermögen, Förderkriterien, Veranstaltungsorganisation: Es gibt viele kleine Hebel, über die Stiftungen klimafreundlich agieren und damit auch eine gesellschaftliche Vorreiterrolle einnehmen können. Stiftungshandeln ist jetzt gefragt.

Mehr

Mehr zum Thema

Meldungen

Blick in die Glaskugel: Was wird Stiftungen, NGOs und die Philanthropie 2021 beschäftigen?

Lässt sich vorhersehen, was 2021 auf uns zukommt? Nein! Doch es gibt Faktoren, die unseren Sektor in den nächsten Monaten prägen werden. Stiftungen haben es in der Hand mitzugestalten, wie unsere Zukunft aussieht.

Mehr
Meldungen

Kunst ist für alle da

Allzu oft verschwinden herausragende Kunstwerke in privaten Sammlungen – für die Öffentlichkeit sind sie damit verloren. Dem stellt sich seit über 30 Jahren die Ernst von Siemens Kunststiftung entgegen – nicht nur mit Geld, sondern auch mit überaus raschem Stiftungshandeln.

Mehr
Meldungen

"Das Kennenlernen der Mitglieder steht ganz vorn auf meiner Liste"

Seit September 2020 ist Kirsten Hommelhoff neue Generalsekretärin des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Im Interview mit Stifter TV verrät sie, welche Themen im Moment ganz oben auf ihrer Agenda stehen.

Mehr