Digitaler Deutscher Stiftungstag - neue Formen für alte Bedürfnisse

Teilnahme an einem Digital-Kongress
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Foto: Kateryna - adobe.stock

Der Deutsche Stiftungstag ist eine Institution mit eigenen Traditionen und Routinen. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Über die Herausforderung, Europas größten Stiftungskongress ins Digitale zu überführen.

Seit Jahren ist der Deutsche Stiftungstag für Stiftungen der Fixpunkt des Jahres. Stifter*innen, Philanthrop*innen und Engagierte kamen jedes Jahr in einer anderen Stadt zusammen, um in ihrer täglichen Arbeit innezuhalten und gemeinsam über das Stiften zu sprechen.

Doch die Corona-Pandemie hat dieser Kontinuität ein jähes Ende gesetzt. Der Stiftungstag 2020 musste abgesagt werden. 2021 findet er nun erstmals in seiner Geschichte als reine Online-Veranstaltung statt. Dies ist nicht nur ein Einschnitt, sondern eine gewaltige Herausforderung. Denn es gilt einen Kongress, den es in dieser Form noch nie gegeben hat, zu konzipieren. Gleichzeitig ist der Kongress keine völlige Neuentwicklung. Es handelt sich weiterhin um den Deutschen Stiftungstag. Eine Traditionsveranstaltung mit eigener Dynamik sowie vielen Erwartungen – nur jetzt eben digital.

Zweifelsohne stehen im Mittelpunkt des Stiftungstages die zahlreichen Veranstaltungen, die Wissensvermittlung, Weiterbildungen und der Überblick über die Themen, die den Sektor bewegen. Doch er hat auch etwas von einem Klassentreffen. Viele Teilnehmer*innen sind bestens vernetzt, kennen sich seit Jahren und kommen zum Stiftungstag, um Kontakte zu knüpfen und Freundschaften zu pflegen. Es werden Projekte und Förderungen angestoßen, neue Initiativen gestartet, alte wiederbelebt und weitergeführt. Es sind die Unterhaltungen in den Pausen, die Möglichkeiten zur Vernetzung mit Gleichgesinnten und die daraus entstehende Inspiration, die den Wert des Stiftungstages ausmachen.

Digitale Vernetzung – kann das funktionieren?

Kann dies in einem Online-Kongress weiter bestehen? Oder ist jeder Versuch, daran festzuhalten, von vornherein zum Scheitern verurteilt? Die Auseinandersetzung mit dieser Fragestellung hat bei der Planung des digitalen Deutschen Stiftungstages wohl mit die größte Rolle gespielt.

Eine einschneidende Neuerung des digitalen Deutschen Stiftungstages ist, dass die Teilnehmer*innen zu Hause oder im Büro bleiben. Dies macht zunächst vieles leichter. Keine Hotelbuchung, keine Anreise, weniger Planung und Vorbereitung. Im Pyjama teilnehmen? Kein Problem, sieht ja niemand. Selbst das normale Arbeitsleben kann mit Einschränkungen weitergehen. In den Pausen oder während einer Veranstaltung schnell ein paar E-Mails beantworten. Warum nicht?

Mit solchen Vorteilen gehen jedoch leider Nachteile einher. Mit Teilnehmer*innen, verteilt über die ganze Republik, deren Arbeitsalltag parallel zum Kongress weiterläuft, wird die gewohnte Struktur des Stiftungstages nicht funktionieren. Eine Erkenntnis aus dem vergangenen Jahr ist: Videokonferenzen sind anstrengend und niemand kann einen ganzen Tag lang konzentriert Online-Vorträgen folgen. Einerseits ist die Schwelle, an einer digitalen Veranstaltung teilzunehmen, gering, andererseits ist die Gefahr groß, dass die Teilnehmenden nie richtig dabei sind.

Daher haben wir uns dazu entschieden, den Stiftungstag auf eine ganze Arbeitswoche auszudehnen. Dies ermöglicht, die einzelnen Tage kürzer zu gestalten. Des Weiteren gehen viele Veranstaltungen nur 30 Minuten, um einer Ermüdung vorzubeugen. Die Pausen dazwischen dauern jeweils 15 Minuten. Ausreichend Zeit, um sich einen Kaffee zu holen und dringende, kurze Aufgaben zu erledigen. Aber auch nicht so lange, um von größeren Arbeiten absorbiert zu werden. Erstmalig gibt es Tagestickets, was zusätzlich die Schwelle zur Teilnahme senkt. Wir erhoffen uns, gerade kleine und mittlere Stiftungen und Personen mit weniger Geld anzusprechen, die den Stiftungstag bislang aus Kostengründen gemieden haben.

Das Rahmenprogramm des Deutschen Stiftungstags fand bisher vor allem am Abend statt: Festakt mit Verleihung des Stifterpreises, Mitgliederversammlung, Dialog der Stiftungen, informelle Treffen der Arbeits- und Expertisekreise. Diese Veranstaltungen trugen in nicht unerheblichen Maßen zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis bei. Sie können jedoch nicht einfach ins Digitale übertragen werden.

Smalltalk an der digitalen Kaffeebar

Doch ein Rahmen kann auch anderweitig geschaffen werden. So gibt es erstmalig eine gemeinsame Begrüßung sowie einen Abschluss für alle Teilnehmenden sowie eine durchgehende Moderation zwischen den Veranstaltungen. Nach jeder Veranstaltung kommen alle wieder in einem digitalen Raum zusammen. Hinzu kommen kurze Sportangebote und ein kleines Kulturprogramm. Einzelne Veranstaltungen werden mit Graphic Recording begleitet und so um eine emotionale Dimension erweitert. Zu guter Letzt werden alle Beiträge aufgezeichnet und stehen somit den Teilnehmer*innen auch nach dem Kongress zur Verfügung. Dies wird erst durch die digitale Umgebung möglich.

Doch wie sollen Vernetzung, persönlicher Austausch und spontanes Kennenlernen digital funktionieren? Zweifelsohne lässt sich dies nicht einfach ersetzen. Dennoch, auch auf einem reinen Online-Kongress gibt es dafür Möglichkeiten: Matchmaking bietet die Gelegenheit, Teilnehmer*innen mit ähnlichen Interessen kennenzulernen. Sie können Termine vereinbaren, Kontakte austauschen, einander Nachrichten schreiben oder direkt ins Gespräch einsteigen. Das Begegnungstool Wonder.me ersetzt in vielerlei Hinsicht den informellen Dialog. Gleichzeitig schafft es Raum für Debatten, denn im Anschluss an Veranstaltungen kann hier weiter debattiert werden. Die Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch zu kommen, sind vielfältig und intuitiv zu bedienen. Möglicherweise ist das Netzwerken nicht so spontan, wie wir es von Präsenzveranstaltungen kennen, gleichzeitig ist es fokussierter und macht es denjenigen, denen es schwerfällt, auf andere zuzugehen, etwas leichter.

Spontaneität und Improvisation sind gefragt

Der Schritt von der Präsenzveranstaltung zum Digital-Kongress birgt eine Reihe von Herausforderungen und unzählige Fallstricke. Es ist nicht das Tagungszentrum, das ausgesucht und eingerichtet werden muss, sondern eine digitale Plattform. Vieles lässt sich mit Engagement und der Unterstützung durch Dienstleister bewerkstelligen, selbst wenn die Zeit knapp ist. Manche Unwägbarkeiten können kontrolliert werden, andere bleiben. Weltweite Serverausfälle, überlastete Internetverbindungen oder ein lockerer Stecker – keine Planung kann so etwas verhindern. Wenn uns die Pandemie etwas gelehrt hat, dann ist es der Umgang mit dem Unvorstellbaren.

Der digitale Deutsche Stiftungstag ist in vielerlei Hinsicht die Fortsetzung des vergangenen Jahres, in dem die Digitalisierung deutlich an Fahrt aufgenommen und so etwas von ihrem Schrecken verloren hat. Organisationen mussten sich umstellen, neu organisieren – und vor allem improvisieren. Es fehlte die Zeit für ausführliche Planungen. Arbeitsabläufe, Abstimmungsprozesse und Organisationsstrukturen mussten im laufenden Betrieb umgestellt werden. Beweglichkeit und Offenheit wurden zu einer echten Stärke. Die Erkenntnis, dass Termine keine Präsenz benötigen, Weiterbildungen online funktionieren und ortsunabhängige Kollaboration mit den richtigen Tools und Techniken erstaunlich gute Ergebnisse liefern kann, schafft neue Perspektiven, auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Flexibilität. Ein digitaler Stiftungstag war vor nicht allzu langer Zeit undenkbar.

Wir wissen derzeit nicht, wann alle Einschränkungen aufgehoben sind, und wir können nicht absehen, ob ein digitaler Stiftungstag funktionieren wird. Vielleicht haben wir gelernt, etwas souveräner mit Unvorhersehbarem umzugehen. Es wird kein Zurück zu der Zeit vor der Pandemie geben. Selbst wenn wieder alles wie vorher erscheint, hat die Zeit Spuren hinterlassen – im Guten wie im Schlechten. Deshalb lassen Sie uns die Chancen eines digitalen Stiftungstages nutzen. Wir sehen uns auf dem #DST21!

Digitaler Deutscher Stiftungstag 2021

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Beitrag aus: Stiftungswelt Sommer 2021
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