Ein Flussauennationalpark ohne Wasser ist wie ein Oktoberfest ohne Bier

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Foto: B. Grimm

Eine Flussaue ohne Wasser ist wie ein Oktoberfest ohne Bier, sie sitzt dann förmlich auf dem Trockenen, darunter kann sich jeder etwas vorstellen.

Der Autor Dr. Ansgar Vössing ist Vorstand der Nationalparkstiftung Unteres Odertal.

Die menschengemachte Klimaerwärmung führt insbesondere in Brandenburg zu höheren Temperaturen und weniger Niederschlägen. Wasser wird zum kostbaren Gut. Jahrzehntelang haben emsige Wasser- und Bodenverbände das Wasser so schnell wie möglich über ein ausgeklügeltes System von Kanälen und Pumpwerken über die Flüsse ins weite Meer gepumpt. Die Landwirtschaft hatte kurzfristig Vorteile, aber die sterbenden Moore setzen Unmengen von Kohlendioxid (CO2) frei, schon lange als Klimagift entlarvt. Wir alle müssen nun endlich gegensteuern. Das Wasser muss in der Landschaft so lange wie möglich gehalten werden. Der letzte heiße und trockene Sommer sei uns da eine Warnung. Hoch- und Niedermoore müssen wieder vernässt werden. Sie speichern das Wasser und CO2 und bieten einer vielfältigen, artenreichen Tier- und Pflanzenwelt eine letzte Heimat. Davon profitieren alle.

Das Untere Odertal ist der einzige Flussauennationalpark Deutschlands. In den Auen ist der konkurrierende Nutzungsdruck von Siedlungs- und Industriebau, von Land- und Forstwirtschaft, von Verkehr und Kiesabbau besonders groß; der Kampf für den Naturschutz ist hier am härtesten. Auch im Unteren Odertal ist der Kampf um das Wasser noch lange nicht zu Ende. Seit 25 Jahren fordert der Verein der Freunde des Deutsch-Polnischen Europa-Nationalparks Unteres Odertal e.V. - kurz: Nationalparkverein - von der staatlichen Verwaltung, endlich das kosten- und energieaufwendige Abpumpen der Polder ab dem 15. April eines jeden Jahres einzustellen und die Ein- und Auslassbauwerke, durch die das Wasser aus den Poldern über die Oder in die Ostsee abfließen kann, ganzjährig offen zu lassen. So hätten wir im Nationalpark naturnahe Wasserverhältnisse, d.h. der Wasserstand im Nationalpark würde sich über den Wasserstand in der Oder regulieren, und das genau ist ja der Sinn eines Nationalparks: Natur Natur sein zu lassen, mit möglichst wenig menschlichen Eingriffen.

Einen kleinen Erfolg haben wir bereits errungen. Im nördlichen Fiddichower Polder wird zumindest das sinnlose Abpumpen eingestellt, denn dafür ist die Nationalparkverwaltung selbst zuständig. Wir fordern aber auch, die Tore ganzjährig offen zu lassen, um wenigstens ansatzweise natürliche Verhältnisse, wie in einem Nationalpark erforderlich, zu simulieren. Aber dagegen gibt es noch hinhaltend Widerstand. Im weiter südlich gelegenen, viel größeren Criewener-Schwedter Polder wird mit riesigen, elektrischen Pumpen immer noch das Wasser aus dem Nationalpark abgepumpt. Da haben wir noch ein dickes Brett zu bohren. Aber wie gesagt, ein Flussauennationalpark ohne Wasser ist wie ein Oktoberfest ohne Bier. Der Weltwassertag kann uns daran erinnern.

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