Arbeitsmarkt Stiftungen: Stabil in der ersten Welle

12.04.2021
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In der Pandemie bangen viele Menschen um ihren Job. Zwar ist Stiftungsarbeit stark ­ehrenamtlich geprägt. Aber auch mit Blick auf die Stiftungen stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die erste Welle der Corona-Krise auf ihr Personal hatte.

"Unser Ziel ist es, die Auftragslage für den angegliederten Betrieb zu verbessern und die Mitarbeiterinnen vor einer Kündigung zu bewahren."
Anonymes Zitat aus der ­Panelumfrage
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"Wir sind eine ­Stiftung, die operativ in der Altenpflege tätig ist. Der Gesundheitsschutz von Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Mitarbeitenden ist die größte ­Herausforderung."
Anonymes Zitat aus der ­Panelumfrage
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"Die radikale ­Umstellung der Arbeitsweise (überwiegend Home­office) über diesen langen Zeitraum stellt für Mitarbeitende wie Führungskräfte die größte ­Herausforderung dar."
Anonymes Zitat aus der ­Panelumfrage
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Nicht hinter jeder Stiftung steckt auch ein Arbeitsplatz. Die Mehrzahl der Stiftungen wird ehrenamtlich gemanagt. Aber es gibt auch solche – vorrangig große Sozialträgerstiftungen –, die mehrere Tausend Menschen im Hauptamt beschäftigen. Rund 42 Prozent der befragten Stiftungen haben fest angestellte Mitarbeitende – inkl. 450-Euro-Kräfte (n = 277). Wenig überraschend ergibt sich dabei ein deutlicher Unterschied im Hinblick auf das Stiftungskapital: Von den Stiftungen mit einem Kapital unter 1 Million Euro haben 27 Prozent Festangestellte (n = 144), von den Stiftungen ab 1 Million Euro Kapital immerhin knapp 60 Prozent (n = 133).

Was das für die Größe des Arbeitsmarktes im Stiftungswesen bedeutet, wird deutlich, wenn man weiß, dass knapp zwei Drittel der rechtsfähigen Stiftungen des bürgerlichen Rechts in Deutschland ein Stiftungskapital von unter 1 Million Euro haben.1 Eine frühere Befragung mit dem Stiftungspanel im Jahr 2017 ergab, dass mehr als die Hälfte der Stiftungen mit hauptamtlichen Mitarbeitenden maximal fünf Personen beschäftigt. Die meisten Stiftungen sind also Kleinstorganisationen.2

Welche Auswirkungen hatte die erste Pandemiewelle samt Kontaktbeschränkungen und temporären Schließungen ganzer Wirtschaftszweige und öffentlicher Einrichtungen auf das Personal in Stiftungen?­

Kaum Kurzarbeit bei Stiftungen

Knapp 15 Prozent der befragten Stiftungen mit fest angestellten Mitarbeitenden mussten bis zum Start der Panelbefragung im Oktober 2020 Kurzarbeit beantragen (n = 117). Diesen insgesamt nur 17 Stiftungen wurde der Antrag auch genehmigt. Knapp 60 Prozent von ihnen haben das Kurzarbeitergeld aus eigenen Mitteln aufgestockt.

Einen ungleich höheren Stellenwert hatte das Kurzarbeitergeld in Industrie und Handel. Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzumildern, nahmen laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) über 40 Prozent der befragten Unternehmen bis November 2020 staatliche Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch. Besonders stark nachgefragt war darunter bei mehr als zwei Dritteln das Kurzarbeitergeld.3 Fast ein Viertel der Betriebe gab außerdem an, mit Personalabbau auf die anhaltende Krise zu reagieren.4

Bei den an der Panelbefragung beteiligten Stiftungen mit fest angestellten Mitarbeitenden sah das ganz anders aus: Entlassungen, Einstellungsstopps, anteiliger Gehaltsverzicht und gestrichene Fortbildungen spielten dort so gut wie keine Rolle. Zusammengenommen verneinten mehr als 70 Prozent, dass in der Corona-Krise bis Oktober 2020 bei ihrer Belegschaft harte Einschnitte nötig waren.

Dennoch hatten es wahrscheinlich einige Stiftungen im Hinblick auf ihr Personal in der Krise schwerer als andere – etwa solche mit einem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb, der überwiegend von Veranstaltungen lebt. Im Untersuchungszeitraum sind bei fast 60 Prozent der befragten Stiftungen mit wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb Einnahmen weggebrochen – die wiederum beim Personal fehlen könnten (n = 37). Vor immensen Herausforderungen anderer Art stehen in der Pandemie Stiftungen, deren Mitarbeitende in der Alten- und Krankenpflege tätig sind. Hier spielten vermutlich deren individuelle Belastung und der Infektionsschutz eine große Rolle.

Digitalisierungsschub durch Homeoffice
auch in Stiftungen

Der Arbeitsmarkt Stiftungen ist also ohne schmerzhafte Einschnitte durch die erste Phase der Pandemie gekommen. Spürbare Veränderungen hat es dennoch gegeben. Sehr viele Stiftungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter werden seit Beginn der Pandemie überwiegend im Homeoffice gearbeitet haben und dies weiterhin tun – mit allen damit verbundenen Chancen und Risiken. Durch die (Stiftungs-)Arbeit am heimischen Schreibtisch dürften viele Stiftungen und ihre Teams einen Digitalisierungsschub erlebt haben, um weiter arbeitsfähig zu bleiben. Die nächste Befragung mit dem Stiftungspanel wird deshalb untersuchen, wie sich der Digitalisierungsgrad in Stiftungen im Zuge der Corona-Pandemie verändert hat.

1 Bundesverband Deutscher Stiftungen. Berlin 2020.
2Vgl. Ratajszczak, Theresa; Bischoff, Antje: Personal in Stiftungen – aktuelle Zahlen und Fakten. Stiftungsfokus Nr. 13. Hg. von Bundesverband Deutscher Stiftungen. Berlin 2017, 4, 12.
3 Vgl. 5. Blitzumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zu den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie. Sonderauswertung Unterstützungsmaßnahmen, November 2020, 3. Online verfügbar unter: www.dihk.de/resource/blob/33852/797e23bade729f432fceed54d1512388/5-blitzumfrage-covid19-unterstuetzungsmassnahmen-data.pdf (zuletzt geprüft am 27.1.2021).
4 Vgl. Auswirkungen von COVID-19 auf die deutsche Wirtschaft. 5. DIHK-Blitzumfrage November 2020, 4. Online verfügbar unter: www.dihk.de/resource/blob/33776/520f2d184cf1abdda6872835f463fe73/blitzumfrage-corona-nr-5-data.pdf (zuletzt geprüft am 27.1.2021).

Alle Ergebnisse der Panelbefragung hier:
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