Wie Stiftungen im Kampf gegen Verschwörung und Fake News unterstützen

Stiftungen im Kampf gegen Fake News
Stiftungs-News
Foto: roobcio - adobe.stock

Der Artikel stellt das Wirken von Stiftungen für Fakten und Sachlichkeit und gegen Falschmeldungen und Verschwörung vor. Dazu gibt es Tipps, wie Sie mit Fake News umgehen können.

„Lieber desinfiziert und informiert als desinformiert und infiziert“ – so kommentiert Dr. Eckart von Hirschhausen, Arzt, Kabarettist und Moderator, die aktuelle Situation. Er ist eine der mahnenden und aufklärenden Stimmen der Entschwörungs-Kampagne der Amadeu Antonio Stiftung. Auch Prof. Dr. Marylyn Addo, Leiterin der Sektion Infektiologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, sowie Dr. Felix Klein, Beauftragter gegen Antisemitismus sind als Aufklärungs-Testimonials dabei. Sie beziehen damit Stellung und klären auf, worum es bei Fehl- und Falschmeldungen geht. Und das fängt schon mit der Frage an, wie wir selbst darüber sprechen und schreiben. Aus Sicht von Klein ist es wichtig „von Verschwörungsmythen zu sprechen [und] nicht von Verschwörungstheorien.“ Der Begriff Verschwörungstheorie suggeriere eine Wissenschaftlichkeit, „die es so nicht gibt“, meint der Antisemitismus-Beauftragte.

Die Kampagne seriously? #glaubnichtalles was du hörst! startete am 15. Mai, dem Aktionstag gegen Verschwörungsmythen und Antisemitismus. Sie will uns alle auch dazu animieren, zu „Entschwören“. Dazu gibt die Amadeu Antonio Stiftung Tipps zum Kontern in den sozialen Netzwerken oder zum Umgang mit Verschwörungenstheoretiker*innen im Freundes- und Familienkreis. Eine Handreichung mit Argumenten gegen die gängigsten Mythen rundet die Kampagne ab.

Fakten nicht verbiegen lassen

Ein Forscherteam der Uni Münster hat 120.000 Facebook Posts untersucht und festgestellt, dass in der Corona-Pandemie, anders als vielfach vermutet, Verschwörungstheorien oder -mythen häufiger noch als Fake-News in die Welt gesetzt werden. „Vielmehr hat sich gezeigt, dass sich die Alternativmedien während der Corona-Krise gerne die Faktenlage zurechtbiegen und Gerüchte sowie einzelne Verschwörungstheorien verbreiten. Diese Medien vermischen in ihren Veröffentlichungen das Leugnen des Klimawandels, die Flüchtlingskrise, Weltuntergangstheorien und das Coronavirus“, erläuterte der Studienleiter, Thorsten Quandt. Als alternative Medien werden von dem Autorenteam Medien bezeichnet, die sich selbst als „kritische Gegenstimme und Korrektiv zu journalistischen ‚Mainstream-Medien‘ verstehen und vor allem online aktiv sind“ und überwiegend auch wegen Irreführungen in der Kritik stehen.

Dass die Verschwörungsmythen längst nicht mehr ihre Heimat nur in sozialen Netzwerken und den Alternativmedien haben, belegen die vielfachen Demonstrationen von Verschwörungsmythiker*innen an den Wochenenden. Und auch das Eskalationspotenzial steigt, so Felix Klein. „Einer neuen Studie zur Folge radikalisieren sich Menschen im Internet in etwa um ein Viertel schneller als in der realen Welt.“

Correctiv hilft Desinformation zu erkennen

Das gestiegene Problembewusstsein in Bezug auf Falschmeldungen und Verschwörungen in den vergangenen Jahren hatte in der Corona-Pandemie den Effekt einer soliden Infrastruktur im Kampf gegen Desinformation. Es gibt in Deutschland einige Faktencheck-Portale, angefangen beim Faktenfinder der ARD Tagesschau bis hin zum Recherchekollektiv Correctiv, das dafür mit Facebook kooperiert. Correctiv, die erste gemeinnützige Redaktion dieser Art in Deutschland, ist 2014 mit Mitteln der Brost-Stiftung aufgebaut worden und wird seitdem auch von einer Reihe deutscher und internationaler Stiftungen unterstützt. Als Teil des International Fact Checking Networks des Poynter Institut for Media Studies recherchieren die Redakteur*innen von Correctiv zu Falschmeldungen und klären diese auf, nehmen Hinweise auf Desinformation via Online-Tool entgegen und bieten in der Reporterfabrik Kurse zum Umgang mit Falschmeldungen an.

Fakten lügen nicht – Projekt Whatthefact der Nemetschek Stiftung

Auch die Nemetschek Stiftung, 2007 zur Förderung von Demokratie in München gegründet, will den Falschmeldungen im Netz etwas entgegensetzen – mit wahren Fakten. Im interaktiven Denkspiel „Whatthefact“ testen Nutzerinnen zu den Themen Europa, Klima, Gleichberechtigung, Gesundheit, Migration, Kriminalität und weiteren ihr Wissen. In jeweils sechs Fragen pro Thema können von den Spielerinnen Verlaufskurven geschätzt oder Geldsäcke gefüllt und damit Fragen wie „In welchem Land wird pro Kopf die meiste Energie verbraucht“ oder „Welche EU-Bürger überweisen pro Kopf am meisten Geld nach Brüssel?!“ beantwortet werden. Das Spiel soll Menschen dazu ermuntern, „sich spielerisch mit Fakten und sachlichen Argumenten auseinanderzusetzen.“ Mit der gleichnamigen Facebook-Seite, deren Community schon mehr als 38.000 Abonnenten zählt, will die Nemetschek Stiftung in den sozialen Netzwerken für Klarheit sorgen. Die Kampagne „Wahrheit vs. Virus“ nimmt dabei besonders Statistiken rund um Maskenpflicht, Social Distancing oder die Corona-Warn-App in den Blick.

So erkennen Sie Falschmeldung und Verschwörung im Netz

Jede, jeder kann dazu beitragen die Flut von Falschmeldungen und Verschwörungsmythen im Netz einzudämmen, indem wir überprüfen, was wir teilen, in dem wir zum Faktenchecking vorschlagen, was wir aus dem Netz fischen und indem wir hinterfragen, was wir weitererzählen. Folgende Schritte helfen dabei:

1. Untersuchen Sie, woher die Informationen kommen

Prüfen Sie den Account oder die Website: Gibt es ein Impressum, ist der Account in den sozialen Netzwerken durch das „blaue Häkchen“ verifiziert? Auch wenn dem Account nur wenige Menschen folgen und die Posts grammatikalisch und stilistisch stolpern, sind Zweifel an der Echtheit angebracht.

Wenn Sie an einem Bild zweifeln, lässt sich anhand der Bilder-Rückwärtssuche in einer Suchmaschine feststellen, wo das Bild schon einmal verwendet worden ist. Auch die Website tineye.com bietet die Nachverfolgung von Bildern an und ist, nebenbei bemerkt, auch eine gute Quelle, wenn es darum geht Urheberrechtsverletzungen an ihren Bildern aufzuspüren.

Prüfen Sie mit Hilfe einer Suchmaschine, ob die Information, die Sie überprüfen wollen, noch eine zweite Quelle hat (Zwei-Quellen-Prinzip). Ein Anhaltspunkt für Falschmeldungen ist zudem, wenn Inhalt und Überschrift oder Foto und Inhalt nicht zusammenpassen.

2. Seien Sie Multiplikator für offizielle Quellen

Weisen Sie in Ihren Veröffentlichungen auf Veröffentlichungen offizieller Quellen wie dem Robert Koch Institut, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder der Weltgesundheitsorganisation hin.

Helfen Sie Ihren Zielgruppen auch, den Wahrheitsgehalt von Nachrichten zu überprüfen, indem sie die genannten Faktencheck-Portale und deren Angebote multiplizieren.

Autor
Katrin Kowark

Pressesprecherin
Telefon (030) 89 79 47-77

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