Wer, wie, was ist Gender?

Geschlechtergerechtigkeit
Foto: Stockwerk-Fotodesign

Gender - das ist mehr als die Unterscheidung zwischen Frau und Mann. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff? Eine erste Orientierung bietet unsere Medienseite.

Zum Einstieg: die Dokumentation

Diese ausführliche arte-Dokumentation begleitet diverse intersexuelle Personen mit der Kamera und lässt sie dabei selbst zu Wort kommen. Wie reagieren Ärzte, wenn ein Kind zu ihnen kommt und nicht weiß, was mit dem eigenen Körper passiert? Wie haben sie die Pubertät durchlebt? Und: Welche Folgen hat die strukturelle Ausgrenzung später für diese Menschen? Ein augenöffnender Film. 


 

Die theoretischen Grundlagen: De Beauvoir und Butler

“Das andere Geschlecht” der französischen Philosophin Simone de Beauvoir ist eines der Grundlagenwerke des Feminismus. Zentrales Anliegen ihres Werkes ist die Differenzierung zwischen “Sex” und “Gender”. Ersteres meint das biologische Geschlecht, letzteres die kulturelle und soziale Kodierung von Geschlechtern. Da die Zuschreibung kultureller und sozialer geschlechterspezifischer Merkmale zeitlich geprägt ist, ist sie auch veränderbar. Ein Gedanke, der den Aufbruch für die moderne Frauenbewegung markierte. 

Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht. (Deutsch: 1951. Original: Le Deuxième Sexe, 1949) 

Die amerikanische Philosophin Judith Butler ist eine der Gründungsmütter der Gender- und Queer-Studies. Sie geht weiter als de Beauvoir und bezieht die Konstruiertheit von Geschlechtern nicht nur auf soziale Konstellationen, sondern auch auf den Bereich des biologischen Körpers. Damit stellt sie feststehende Geschlechteridentitäten wie männlich und weiblich qua “eindeutiger” körperlicher Merkmale radikal in Frage. 

Judith Butler: Das Unbehagen der Geschlechter. (Deutsch: 1991. Original: Gender Trouble, 1990) 

LGTBQ und mehr: Die Begriffe

Zugegeben: Über die Geschlechterbegriffe männlich und weiblich hinaus zu gehen, kann zur begrifflichen Verwirrung führen. Intergender, Cis Frauen, nonbinary – was genau ist damit eigentlich gemeint? Abhilfe schaffen folgende Übersichten, die die wichtigsten Begriffe schnell erklären.  

https://www.transinterqueer.org/ueber-triq/begriffsklarung/ 

https://queer-lexikon.net/category/queer-lexikon/glossar/ 

https://queer-lexikon.net/trans/ 

https://transintersektionalitaet.org/?page_id=36

Die Sprache

Wer viele Texte schreibt und dabei aktiv alle Geschlechter miteinbeziehen möchte, stößt immer wieder auf Schwierigkeiten bei der Schreibweise oder einzelnen Formulierungen. Abhilfe verschafft das Online-Wörterbuch geschickt-gendern.de. Wie wäre es beispielsweise statt “Leser” mit der Alternative “Leserschaft”? 

Mehr Formulierungshilfen unter: www.geschickt-gendern.de 

Die Website genderleicht.de ist ein Projekt des Journalistinnenbundes. Es gibt Medienschaffenden, aber auch allen anderen, die mit Sprache, Bild und Ton arbeiten, Impulse zu einer gendersensiblen Arbeitsweise.

www.genderleicht.de

Die Wissenschaftsinfluencerin: MaiLab

Die bekannte Wissenschafts-YouTuberin Mai Thi Nguyen-Kim erklärt auf ihrem Kanal MaiLab in dem Video „Die Wissenschaft hinter Transgender“ den Zusammenhang zwischen dem Gehirn von Transgenderpersonen und ihrem biologischen Geschlecht. Die interessante Erkenntnis: „Das Gehirn von Transpersonen ähnelt eher dem Geschlecht, mit dem sie sich identifizieren, als ihrem biologischen Geschlecht.“ 


 

Fördern mit der Gender-Brille

Im Jahr 2015 hat das European Foundation Centre (EFC) die sehr praxisnahe Studie „Grantmaking with a Gender Lense. Five practice case studies“ herausgegeben. Darin werden fünf Beispiel für Förderprogramme gezeigt, die dem Aspekt Gender besondere Beachtung schenken – und so als Vorbild dienen können.

„Grantmaking with a Gender Lense. Five practice case studies“ hier lesen

Gender-Mainstreaming für den Alltag

Hinter dem etwas sperrigen Titel „Arbeitshilfen zur Anwendung der Analysekategorie „Gender-Diversity“ in Gender-Main-streaming-Prozessen“ verbirgt sich ein hilfreiches Werk für die eigene Arbeit. Gender-Mainstreaming verfolgt das Anliegen, das Thema Geschlechtergerechtigkeit mainstreamfähig zu machen. Damit dies gelingen kann, geben Blickhäuser und Bargen zahlreiche Instrumente und Methoden an die Hand.

Angelika Blickhäuser und Henning von Bargen: Gender-Mainstreaming-Praxis. Arbeitshilfen zur Anwendung der Analysekategorie „Gender-Diversity“ in Gender-Mainstreaming-Prozessen. Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung. Band 7 der Schriften des Gunda-Werner-Instituts, 2009.

Genderleicht

Diese Website genderleicht.de ist ein Projekt des Journalistinnenbundes. Es gibt Medienschaffenden, aber auch allen anderen, die mit Sprache, Bild und Ton arbeiten, Impulse zu einer gendersensiblen Arbeitsweise.

www.genderleicht.de

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Autor
Theo Starck

Referent Newsroom
Telefon (030) 89 79 47-84

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