Stiftungen in der Niedrigzinsphase: Rendite und Inflationsrate

Stiftungen in der Niedrigzinsphase: Wie steht es derzeit um die finanzielle Situation von Stiftungen? Gibt es mittlerweile Stiftungsvermögen, die „schwächeln“?

Diese Fragen hat der Bundesverband Deutscher Stiftungen mit dem StiftungsPanel unter die Lupe genommen und im Mai 2017 im Stiftungsfokus Nr. 11 veröffentlicht.

Der Bundesverband konstatierte noch vor zwei Jahren auf Basis einer StiftungsPanel-Befragung: „Die Ertragssituation bleibt angespannt, aber die Stiftungsvermögen selbst schwächeln nicht.“ Regelmäßige Umfragen unter den StiftungsPanelisten machen es möglich, nicht nur den jeweiligen Status quo der Ertragslage abzubilden, sondern auch Entwicklungen aufzuzeigen.

In den Jahren 2015 und 2016 lagen demnach jeweils mehr als 80 Prozent der befragten Stiftungen (n=255) mit der Rendite ihrer Vermögensanlage über der jeweiligen durchschnittlichen Jahresinflationsrate (0,3 Prozent 2015 bzw. 0,5 Prozent 2016). Nur rund zwei Drittel glauben jedoch, 2017 mit ihrer Rendite die zum Befragungszeitpunkt prognostizierte Jahresinflationsrate von 1,5 Prozent übertreffen zu können. Die Rendite ist jeweils p.a. und nach Abzug aller Kosten angegeben (Nettorendite).

Fast ein Fünftel der befragten Stiftungen schätzt, dass ihre Rendite 2017 die prognostizierte Jahresinflationsrate unterschreiten wird.
Stiftungsfokus Nr. 11
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Die Aufteilung des Datensatzes nach dem Stiftungskapital zeigt: Lag 2015 die Rendite von knapp 16 Prozent der Stiftungen mit einem Kapital von bis zu 1 Million Euro4 (15,8 Prozent, n=120) unterhalb der durchschnittlichen Jahresinflationsrate von 0,3 Prozent, waren es 2016 bereits rund 18 Prozent, deren Rendite die Jahresinflationsrate von 0,5 Prozent unterschritten hat (18,3 Prozent). Die Schätzungen für das Jahr 2017 zeigen, dass nahezu ein Drittel der kleinen Stiftungen befürchtet, in diesem Jahr mit der Rendite die prognostizierte Jahresinflationsrate von 1,5 Prozent nicht übertreffen zu können (31,7 Prozent). Während über 90 Prozent der befragten Stiftungen mit einem Kapital von über 1 Million Euro in den Jahren 2015 und 2016 mit ihrer Rendite oberhalb der jeweiligen durchschnittlichen Jahresinflationsrate lagen (jeweils 91,9 Prozent, n=135), gehen für das Jahr 2017 nur noch weniger als drei Viertel dieser Stiftungen davon aus (73,3 Prozent). Knapp ein Fünftel ist sich unsicher bzw. weiß es nicht (19,3 Prozent).

Stiftungen fällt es immer schwerer, ihr Kapital real zu erhalten

In Zeiten dauerhaft niedriger Zinsen kann der reale Kapitalerhalt für Stiftungen zum Problem werden – besonders dann, wenn sie über wenig Kapital verfügen oder erst nach der Finanzkrise 2009 gegründet wurden. Der Anteil derjenigen, die mit ihrer Rendite aus der Vermögensanlage die durchschnittliche Jahresinflationsrate übertroffen haben, ist gerade bei diesen Stiftungen in den letzten Jahren deutlich gesunken.

Dennoch ist Stiftungen weiterhin der reale Kapitalerhalt zu empfehlen. Obwohl es keine Blaupause dafür gibt, wie Stiftungen ihr Vermögen anlegen sollten, ist es immer sinnvoll, das Gesamtportfolio ausgewogen zu streuen. Da sie einen langfristigen Anlagehorizont haben, können Stiftungen außerdem gewisse Risiken tragen und Wertschwankungen „überbrücken“. Anders als fast 40 Prozent der kürzlich mit dem Stiftungs Panel dazu befragten Stiftungen glauben, führt eine einzelne zu risikoreiche Anlage noch nicht zu einer Pflichtverletzung bei der Vermögensanlage – es kommt vielmehr allein auf das Rendite-Risiko-Profil des Gesamtportfolios an.

Dieter Lehmann, Leiter des Arbeitskreises Stiftungsmanagement und des Forums Stiftungsvermögen im Bundesverband Deutscher Stiftungen sowie Leiter Vermögensanlage in der VolkswagenStiftung, rät Stiftungen, ihre Risikodefinition zu überdenken und ihre Anlagerichtlinien entsprechend anzupassen. Diejenigen, die noch keine haben, sollten sie beschließen. Von den Stiftungen im Panel hat gut die Hälfte Anlagerichtlinien schriftlich festgelegt. Dass immer mehr Stiftungen ihr Gesamtportfolio tatsächlich diversifizieren (wollen), zeigt auch die vorliegende Befragung. Dabei setzen sie unter anderem auf wirkungsorientierte Vermögensanlage und Sachwerte.

Autoren
Theresa Ratajszczak

Referentin Stiftungsforschung
Telefon (030) 89 79 47-62

Alle Beiträge von Theresa Ratajszczak
Dr. Antje Bischoff

Wissenschaftlicher Dienst
Stiftungsforschung
Koordinatorin Arbeitskreis Umwelt
Telefon (030) 89 79 47-72

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