openTransfer CAMP #Zusammenhalt in Halle

Unsere Demokratie
Foto: Joerg Farys

135 Engagierte, die sich auf vielfältige Weise für den gesellschaftlichen Zusammenhalt stark machen, kamen am 17. Januar ins Hallenser Salt Lab. Sie diskutierten, was konkret passieren muss, wenn Vertrauen, Solidarität und Toleranz erodieren. Ein Zusammenschluss aus mehreren Stiftungen hatte den Tag organisiert.

Gesellschaftliche Spaltung, schwindendes Vertrauen in Institutionen und Medien, Ablehnung von Vielfalt, mangelnde Verteilungsgerechtigkeit – die Teilnehmenden am openTransfer CAMP „Zusammenhalt – gemeinsam geht’s besser“ beschäftigten die Dinge, die den Zusammenhalt der Gesellschaft derzeit auf die Probe stellen. Und sie sind es auch, die wirksame Rezepte entwickeln, wie man diesen Entwicklungen entgegentreten kann: Sie bringen Anwohnerinnen und Anwohner unterschiedlicher Herkunft und Überzeugung an einen Tisch; wenn der rechte Rand laut wird, werden sie lauter; sie kennen die verbindende Kraft von gemeinsamen Engagement und wissen, dass auch die Menschen auf dem Land erstaunlich beweglich sein können, wenn man den richtigen Ton trifft. 

135 Haupt- und Ehrenamtliche – von der lokalen Initiative bis zur bundesweit tätigen Stiftung – hatten die Einladung zum openTransfer CAMP #Zusammenhalt angenommen, gemeinsam darüber nachzudenken, wie man Bürgerinnen und Bürger ins Gespräch bringt, Vertrauen und Solidarität stärkt und Toleranz einübt.

Teilnehmerinnen des openTransfer CAMP
Foto: Joerg Farys
Teilnehmerinnen des openTransfer CAMP

Erfolgsrezept Selbstorganisation 

Der Andrang war groß, und so standen die Teilnehmenden dicht gedrängt im Salt Lab. Wie üblich bei einem Barcamp entstand die Tagesordnung erst am Morgen des Veranstaltungstages: Jede und jeder konnte ein Thema oder eine Fragestellung vorschlagen und dazu eine sog. Session anbieten. 22 dieser Programmpunkte kamen zusammen, darunter: 

  • Die Bürgerstiftung Halle als Netzwerkpartner des Camps stellt mit „Halle besser machen“ ein von der Körber-Stiftung erprobtes Beteiligungsformat vor und holte Tipps für den Start in Halle ein. 
  • Einen Vertreter der Bertelsmann Stiftung interessierte, wie man eigentlich die „Mitte der Gesellschaft“ erreichen kann, die „Unsichtbaren“, die sich nicht aus eigenem Antrieb einbringen. Ein Teilnehmer aus Baden-Württemberg klinkte sich in die Session ein und berichtete von den dortigen „Nachbarschaftsgesprächen“. 
  • Die Stiftung Bürgermut, Trägerin des Programms openTransfer, wollte von den Teilnehmenden wissen, was deren Arbeit vor Ort unterstützen würde. Eine Anregung: mehr Angebote wie Barcamps im ländlichen Raum. 
  • Große Resonanz erzeugte die Session der „Omas gegen Rechts“. Gertrud Graf organisierte die Session als Speed-Dating. Es fanden Tandems zusammen, die sich generationsübergreifend über Protestformen, Mobilisierung und auch Gefahren ihres Engagements austauschten.  
  • Ganz praktisch orientiert war die Herausforderung eines Ortsbürgermeisters aus dem Hallenser Umland. Er möchte mit einem Dorffest die Bewohnerinnen und Bewohner wieder in Kontakt bringen und suchte nach Tipps zur Durchführung.  

Die Themen zeigten, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt vor Ort mit Leben gefüllt wird: Mit nachbarschaftlicher Solidarität, der Absage an Intoleranz sowie lokalen Beteiligungs- und Engagementangeboten.  

Einer der Teilnehmenden bilanzierte am Ende den Barcamp-Tag so: „Ich gehe mit einem Rucksack voller Ideen nach Hause.“

Stiftungsallianz für gesellschaftlichen Zusammenhalt 

Veranstalter des openTransfer CAMPs war die Stiftung Bürgermut zusammen mit drei Mitgliedern der Allianz für gesellschaftlichen Zusammenhalt: der Bertelsmann Stiftung, Körber-Stiftung und Robert Bosch Stiftung. Weitere Mitglieder des Zusammenschlusses sind die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., die Breuninger Stiftung, die Stiftung Mercator, die Vodafone Stiftung und die Zeit-Stiftung Gerd und Ebelin Bucerius. 

Eine Fortsetzung findet das openTransfer CAMP #Zusammenhalt im Frühjahr in Kassel. Der genaue Termin sowie die Dokumentation des Barcamps finden sich in Kürze auf opentransfer.de

Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Henrik Flor geschrieben. Als Leiter Redaktion & Konzeption bei der Stiftung Bürgermut baute er das digitale Engagement-Magazin Enter auf und war von Anfang an bei der Entwicklung von opentransfer.de dabei.

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