Multitalent Moor

Intakte Moore spielen eine wichtige Rolle für den internationalen Klimaschutz. Die Michael Succow Stiftung setzt sich weltweit für den Erhalt und die Wiedervernässung von Mooren ein.

Moore sind unheimlich – unheimlich wichtig. Sie nehmen nur 3 Prozent der globalen Landfläche ein, speichern darauf aber doppelt so viel Kohlenstoff wie die gesamte Biomasse der Wälder, die 30 Prozent der globalen Landfläche ausmachen. Moore bieten Lebensraum für äußerst spezialisierte und oft auch gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Sie kühlen die Landschaft und sind ein Puffer für extreme Wetterereignisse. Nicht zuletzt sind sie Räume, in denen Menschen Ruhe und Erholung finden. Doch dies alles können Moore nur, wenn sie nass sind.

Mehr als Schilf, Rohrkolben oder Torfmoos

Viele Moore sind von Zerstörung bedroht. Sie werden für Land- und Forstwirtschaft oder Torfabbau entwässert und setzen dann große Mengen Treibhausgase frei. Deswegen engagiert sich die Michael Succow Stiftung seit 20 Jahren für ihren Erhalt beziehungsweise ihre Wiedervernässung – in Deutschland und weltweit.

Für mehr Moorschutz gilt es viele Interessen zu vereinen. Darum führte die Stiftung zusammen mit ihren Partnern im Greifswald Moor Centrum in den vergangenen vier Jahren bundesweit einen „MoorDialog“ mit Landeigentümern, Menschen aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Politik und Praxis. Außerdem sensibilisiert das Projekt eine breite Öffentlichkeit für den Moorschutz, zum Beispiel durch Mitmachaktionen bei Moorrestaurierungen und die Wanderausstellung „Schilf in der Wand, Rohrkolben auf dem Teller“. Diese erklärt, dass wiedervernässte Flächen für eine Nutzung nicht verloren sind. Eine klimafreundliche Landwirtschaft auf nassen Flächen (die sogenannte Paludikultur) ist möglich. Moorpflanzen wie Schilf, Rohrkolben oder Torfmoos lassen sich anbauen und zu Brennstoffen, Bau- und Dämmmaterial, Verpackung oder Ersatz für Torf verarbeiten. Die Succow Stiftung hat dieses Konzept mitentwickelt und zeigt, wie es sich umsetzen lässt. So entstand zum Beispiel eine moderne Pelletieranlage für Biomasse von wiedervernässten Flächen in Weißrussland. Auf stiftungseigenen Moorflächen, zum Beispiel den Karrendorfer Wiesen und in der Sernitzniederung, weiden Wasserbüffel.

Zusammen mit der Universität Greifswald und dem DUENE e.V. ist die Michael Succow Stiftung Partner im Greifswald Moor Centrum, in dem heute mehr als 50 Moorkundige an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik und Praxis zu allen Moorfragen arbeiten.

Michael Succow Stiftung

1999 gründete der Biologe und Naturschützer Prof. Dr. Michael Succow die Stiftung als eine der ersten Naturschutzstiftungen in den neuen Bundesländern. Den Grundstock bildete das Preisgeld des Right Livelihood Awards, auch bekannt als Alternativer Nobelpreis. Diesen hatte Succow 1997 für seine Verdienste um den Naturschutz kurz vor der deutschen Wiedervereinigung erhalten. Als Vize-Umweltminister der DDR hatte er erreicht, dass 4.882 Quadratkilometer, knapp 4,5 Prozent des damaligen Staatsgebietes, durch Beschluss des DDR-Ministerrates unter Naturschutz gestellt wurden – buchstäblich in dessen letzter Sitzung vor der Auflösung. Heute arbeiten rund 40 Personen in der Stiftung. Diese engagiert sich neben dem Moor- und Klimaschutz für die Entwicklung von Schutzgebieten und die nachhaltige Landnutzung lokal und weltweit. 

www.succow-stiftung.de
www.greifswaldmoor.de

Über die Autorinnen und den Autor:

Thomas Beil ist stellvertretender Geschäftsführer der Michael Succow Stiftung, Greta Gaudig ist eine der beiden Leiterinnen des Greifswald Moor Centrums und Nina Körner ist zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der beiden Organisationen.

Beitrag aus: Stiftungswelt Frühling 2020
Magazin Stiftungswelt

Klimaschutz und Nachhaltigkeit

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