Kosten senken – aber welche?

Frank Wettlaufer
Kapital und Wirkung

In Zeiten niedriger Zinsen kommt den Kosten der Kapitalanlage eine besonders große Bedeutung zu. Das zeigt eine einfache Rechnung: Bei einer Vermögensanlage von einer Million Euro, einer Bruttorendite von fünf Prozent und Kosten von einem Prozent erhält eine Stiftung bei Vollausschüttung der Erträge 40.000 Euro für den Stiftungszweck, also 20 Prozent weniger nach Kosten. Bei zwei Prozent Bruttorendite reduzieren die Kosten die Erträge um 50 Prozent auf 10.000 Euro; bei einem Prozent Bruttorendite verbleiben 100 Prozent Ertrag beim Produktanbieter.

Und um zwei Prozent Brutto-Rendite zu erwirtschaften, bedarf es heute schon einer Aktienquote von rund 30 Prozent, wenn man ansonsten keine Risiken eingehen möchte. Die Vorstellung, man könnte eine Rendite von zwei Prozent mit anderen, weniger risikoreichen Wertpapieren als Aktien erzielen, ist leider falsch. Insgesamt betrachtet haben alle Anlagen mit gleicher Ertragserwartung die gleichen Risiken. Ansonsten würden alle, die weniger risikoreiche Anlagen kaufen, deren Preise hochtreiben und die Renditeerwartung senken – bis auf das Niveau von Anlagen mit ähnlichem Risiko.

Risiko von 30 Prozent Aktienanteil und nur ein Prozent Ertrag nach Gebühren – kein Wunder, dass Stiftungen an der Kostenschraube drehen möchten. Doch welche Stellschrauben bieten sich an? Immerhin versprechen die Fondsanbieter Leistungen für die Gebühren. Und als Anleger möchte man ja nicht den Muskel wegschneiden, sondern das Fett. Welche Leistungen der Fondsanbieter sind also aus Stiftungssicht weniger wert und können von den Stiftungen eliminiert werden?

Selfservice statt Bedienung

Ein Buffet, bei dem sich der Gast die Speisen selbst zusammenstellt, ist preiswerter ist als ein Abendessen mit Bedienung und Beratung bei der Menüauswahl – obwohl die Qualität der Speisen gleich ist. Übertragen auf die Auswahl der Finanzprodukte bedeutet dies: Wer darauf verzichtet, sich von Vertriebsmitarbeitern Produkte offerieren zu lassen, und stattdessen selbst den Einkauf übernimmt, kann viel Geld sparen, ohne Qualitätseinbußen beim Produkt in Kauf zu nehmen. Es ist davon auszugehen, dass die Vertriebskosten teilweise über 50 Prozent der Gesamtkosten ausmachen.

Passiv statt aktiv

Zuletzt wurde von Dieter Lehmann und Felix Oldenburg in diesem Blog angeregt, zur Kostenreduktion auch passive Anlageformen in Erwägung zu ziehen, da man sich damit das teure aktive Portfoliomanagement sparen könne. Implizit wird damit unterstellt, dass sich das aufwändige Research und die teuer bezahlten Spezialisten nicht lohnen, da eine passive Anlage nach Kosten höher rentiert als die aktiv verwaltete. Während die Theorie der effizienten Märkte ganz klar für die passive Variante spricht, verspricht eine Armada an Fondsgesellschaften, dass sie den Markt schlagen können. Und in der Tat gibt es immer wieder Vermögensverwalter mit einem eindrücklichen Track Record. Glücklicherweise liegen Statistiken vor, die bei dem Streit als Schiedsrichter agieren können.

Folgende Tabelle zeigt den Prozentsatz, zu dem die jeweiligen aktiven Fonds die jeweiligen passiven Fonds geschlagen haben, also die Wahrscheinlichkeit, dass eine Stiftung mit einem aktiv verwalteten Fonds eine höhere Rendite erwirtschaftet hätte als mit einem passiven Produkt.

Beratung bringt bis zu drei Prozent Rendite

Nun werden Sie sicherlich nicht sofort losstürmen, ein Depot bei einer Direktbank eröffnen, eine Handvoll ETFs kaufen (Exchange Traded Fonds sind Fonds, die den Markt passiv kostengünstig abbilden) und die gewählte Vermögensstruktur langfristig durchhalten. Denn vermutlich ist Ihnen bei dem Gedanken, alles ganz alleine zu machen, nicht wohl. Für diesen Fall empfehle ich Ihnen das vertrauensvolle Gespräch mit einem Experten, der Ihnen hilft, mittels kostengünstiger Produkte die richtige Vermögensstruktur abzubilden. Wenn Sie niemanden kennen, der dies für Sie pro bono macht, wenden Sie sich an eine Honorarberater. Diese Ausgabe lohnt sich.

In vielen Fällen bietet ein Berater einen signifikanten Mehrwert: Er kann etwa wichtige Informationen für Anlageentscheidungen vermitteln und Stiftungsanleger beraten, überhaupt in risikobehaftete Vermögensanlagen zu investieren. Nicht zu unterschätzen ist die Rolle eines Beraters auch in Krisenzeiten, wenn er bei einem Börsencrash Stiftungsvorstände umfassend betreut. Ein erfahrener Berater, der das Vertrauen der Stiftungsgremien genießt, kann verhindern, dass gerade zum ungünstigsten Zeitpunkt verkauft wird. Studien zeigen, dass Anleger mit professioneller Betreuung bis zu drei Prozent höhere Erträge erwirtschaften als solche ohne.

Autor

Frank Wettlauffer ist Kapitalmarktexperte und berät Stiftungen. Die Wettlauffer Wirtschaftsberatung GmbH ist Stiftungspartner im Bundesverband Deutscher Stiftungen.
 

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