Kooperation im Stiftungssektor

Aktuelle Zahlen zeigen, dass Stiftungen häufiger kooperieren als noch vor einigen Jahren. Allerdings sichern sie ihre Kooperationen nur selten vertraglich ab.

Dass die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern zielführend sein kann, diese Erkenntnis setzt sich im Stiftungssektor immer mehr durch. Dies zeigen aktuelle Zahlen: Laut einer Panelbefragung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen sehen rund 56 Prozent der befragten Stiftungen Kooperation als Schlüssel zu Wirkung und Nachhaltigkeit an. Mehr als 70 Prozent finden, Kooperation spare Ressourcen (n = 265).

Im Jahr 2019 haben 43 Prozent der befragten Stiftungen mit anderen kooperiert (n = 256). Das ist zwar nicht einmal die Hälfte, dennoch ist der Anteil Kooperationswilliger gestiegen. Laut einer Befragung aus dem Jahr 2017 ging nur ein knappes Drittel der Stiftungen im Jahr zuvor Kooperationen ein (31,8 Prozent, n = 255).

Es fällt auf, dass Kooperationen bei den befragten Stiftungen unter einer Million Euro Kapital 2019 weniger hoch im Kurs standen als bei solchen ab einer Million Euro Kapital. Nur knapp 40 Prozent der kleinen Stiftungen haben mit anderen kooperiert (n=139), bei den großen war es die Hälfte (n = 117). Auch 2017 kooperierten kleine Stiftungen deutlich seltener als große (24,2 Prozent, n = 120 vs. 38,5 Prozent, n = 135). Allerdings waren die Anteile damals in beiden Gruppen geringer als heute.

Führt die Niedrigzinsphase in Zukunft vermehrt zu Kooperationen?

Knapp 40 Prozent der befragten Stiftungen meinen, die Niedrigzinsphase würde in Zukunft vermehrt zu Kooperationen führen (38,7 Prozent, n = 256). Ein Drittel der Stiftungen ab einer Million Euro Kapital stimmt der Aussage zur verstärkten Kooperation unter Niedrigzinsbedingungen zu, bei kleinen Stiftungen mit weniger als einer Million Euro Kapital sind es etwas über 40 Prozent (33,3 Prozent, n = 117 vs. 43,2 Prozent, n = 139). Zum Vergleich: Bei der Panelbefragung Anfang 2017 plante noch weniger als ein Viertel der großen Stiftungen mehr Kooperationen (24,4 Prozent, n = 135), bei kleinen Stiftungen waren es 30,0 Prozent (n = 120). Damit hat sich in der aktuellen Befragung auch der Anteil der Stiftungen, die wegen der Niedrigzinsphase mehr Kooperationen eingehen wollen, gegenüber 2017 erhöht.

Vereine und Verbände als beliebteste Partner

Am häufigsten haben die befragten Stiftungen 2019 mit Vereinen und Verbänden kooperiert (69,4 Prozent, n = 111), erst danach folgen andere Stiftungen (61,3 Prozent). Platz drei und vier in dieser Rangfolge belegen mit je 41,4 Prozent Kommunen und Bildungseinrichtungen. Der Bund wurde mit knapp 12 Prozent am seltensten als Kooperationspartner gewählt.

Über 80 Prozent der Stiftungen, die kooperieren, tun dies zur Erarbeitung gemeinsamer Projekte (n = 111). Fast zwei Drittel geben finanzielle Unterstützung als Beweggrund an, am dritthäufigsten wird der Austausch von Informationen genannt. Kooperationen im Bereich der Kapitalanlage rangieren mit 7,2 Prozent am unteren Ende der Skala.

Es überrascht, dass zwar ein großer Teil der kooperierenden Stiftungen finanzielle Unterstützung als Grund für die Zusammenarbeit nennt, zugleich aber nur knapp ein Drittel der befragten Stiftungen das Kooperationsverhältnis vertraglich abgesichert hat (n = 111). Gerade weil es mit Blick auf Fördermittel- und Projektzusagen in der Corona-Krise aktuell auch zu Problemen kommen kann, sollten Stiftungen vermehrt auf eine vertragliche Absicherung ihrer Kooperationen achten.

Die befragten kleinen Stiftungen mit weniger als einer Million Euro Kapital kooperieren seltener mit anderen zur Erarbeitung von Programmen (73,1 Prozent, n = 52 vs. 89,8 Prozent, n = 59). Dafür arbeiten sie häufiger zur Personalbereitstellung als große Stiftungen (26,9 vs. 10,2 Prozent) zusammen. In beiden Fällen gibt es einen Unterschied von rund 17 Prozentpunkten zwischen den Stiftungsgruppen. Große Stiftungen verbünden sich dafür häufiger im Bereich Lobbyarbeit (28,8 vs. 19,2 Prozent).

Zusammenfassung

Es bleibt festzuhalten: Stiftungen sind kooperationsfreudiger geworden. Aber sie bleiben trotzdem realistisch: Fast zwei Drittel der befragten Stiftungen stimmen der Aussage zu, dass Kooperation ein langwieriges und mühsames Geschäft sei. 

Autor
Dr. Antje Bischoff

Wissenschaftlicher Dienst
Stiftungsforschung
Koordinatorin Arbeitskreis Umwelt
Telefon (030) 89 79 47-72

Alle Beiträge von Dr. Antje Bischoff
Beitrag aus: Stiftungswelt Sommer 2020
Magazin Stiftungswelt

Stiften verbindet

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Alle Grafiken zu Kooperationen auf einen Blick

Quelle: Online-Befragung unter den 605 Teilnehmenden des Stiftungspanels. Erhebungszeitraum: 22. Januar – 5. Februar 2020, Rücklaufquote: 42,3 Prozent.

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