Können wir Fluchtursachen wirklich beseitigen?

Flüchtlingslager in Reyhanli
Globales Engagement
Foto: radekprocyk / fotolia.com

Die Vereinten Nationen haben in der 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung kein einziges Ziel integriert, dass sich ausschließlich der Situation von Flüchtlingen widmet, jedoch sprechen die 17 Ziele zentrale Fluchtursachen an.

  • 22,5 Millionen Flüchtlinge
  • 65,6 Millionen gewaltsam vertriebene Menschen weltweit
  • 10 Millionen Menschen, die staatenlos sind
  • 28.300 Menschen sind täglich gezwungen, vor Konflikten und Verfolgung zu fliehen

Diese Zahlen, von der Flüchtlingskommission der Vereinten Nationen Mitte 2017 veröffentlicht, sind kaum vorstellbar. Sie werden vielleicht noch am ehesten für uns fassbar, wenn wir mehr Informationen von Geflüchteten über ihre Erlebnisse während der Flucht und ihrem neuen Leben in den Ankunftsländern erhalten. So bringen uns zum Beispiel "Humans of New York – Refugee Stories" oder das Projekt "The New Arrivals" von Spiegel Online, Le Monde, The Guardian und El País das Leben und die Sorgen von Menschen, die ihr Heimatland verlassen mussten, näher.

Die entscheidenden Fragen lauten jedoch: Wie kann diese Situation verbessert werden? Wie können die Fluchtursachen nachhaltig beseitigt werden, so dass Menschen nicht mehr unfreiwillig ihr Land verlassen müssen? Die Beweggründe für eine Flucht, die in der Regel aufgrund einer existenziellen Angst um das eigene Leben und das der Familie angetreten wird, können sehr unterschiedlich sein: Krieg, Gewalt, Verfolgung, Hunger und zunehmend auch durch die Folgen des Klimawandels.

5 Kernbotschaften der 2030-Agenda

Die Vereinten Nationen haben in der 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung kein einziges Ziel integriert, dass sich ausschließlich der Situation von Flüchtlingen widmet. Die 17 Ziele sprechen jedoch die zentralen Fluchtursachen an und die 2030-Agenda fordert insgesamt eine Transformation unserer Welt entlang von fünf Kernbotschaften, die im Englischen als die „5Ps“ bezeichnet werden:

  • People (Menschen): Hunger und Armut beenden und sicherstellen, dass alle Menschen in Würde und Gleichheit in einer gesunden Umwelt ihr Potenzial entfalten können
  • Planet (Planet): Den Planeten schützen, indem Klimawandel begrenzt und natürliche Lebensgrundlagen bewahrt werden
  • Prosperity (Wohlstand): Wohlstand für alle fördern und die Globalisierung gerecht gestalten
  • Peace (Frieden): Förderung von friedlichen, gerechten und inklusiven Gesellschaften, da Frieden zentral für nachhaltige Entwicklung ist und vice versa nachhaltige Entwicklung zentral für Frieden ist
  • Partnership (Partnerschaften): die Umsetzung der 2030-Agenda braucht starke globale Partnerschaften, die auf starker globaler Solidarität gegründet sind und einen integrierenden Charakter aufweisen

Im Zuge der Implementierung der 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung, die von 193 Ländern unterzeichnet wurde, sind wir somit aufgefordert Lösungen für die Fluchtursachen zu finden, auch wenn diese Aufgabe derzeit kaum erreichbar scheint. Dabei ist der Transformationsaspekt der 2030-Agenda von besonderer Bedeutung: Zur Erreichung einer solchen nachhaltigen Entwicklung brauchen wir neue Ansätze zur Lösung der Herausforderungen, neue Arten der Kooperation und auch neue Formen der Finanzierung, um diesen nötigen fundamentalen Wandel zu erreichen.

Arbeit von Stiftungen

In den letzten Monaten habe ich viele Mitgliedsstiftungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen kennen lernen können, die hervorragende Arbeit in Bereichen leisten, die die Fluchtursachen bekämpfen: Arbeiten in Krisenländern, zur Stärkung des Unternehmertums und der Einkommensgenerierung, in Bezug auf Klimawandel, Stärkung von Frauenrechten, den Bereichen Bildung, erneuerbare Energien und Gesundheit und vieles mehr. Die Arbeit von Stiftungen ist eine sehr wichtige Komponente zur Bekämpfungen der Fluchtursachen. Und in diesem Zusammenhang sind Austausch, voneinander Lernen und Zusammenarbeit in Partnerschaften nötig – mehr als wir es bislang tun.

Teilen Sie Ihre wertvollen Erfahrungen mit uns und den Mitgliedern des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, um diese wichtige Arbeit weiter voranzutreiben: Über unsere sozialen Netzwerke oder auch gerne über E-Mail.

Wir werden im Laufe des Jahres Erfahrungen für Stiftungswirken in diesem Gebiet mit Ihnen in diesem Blog teilen, um Wege aufzuzeigen, wie Fluchtursachen effektiv bekämpft werden können.

Literatur:

Autor
Dr. Annette Kleinbrod

EZ-Scout der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Entsandt an: Bundesverband Deutscher Stiftungen

Telefon (030) 89 79 47-0

Alle Beiträge von Dr. Annette Kleinbrod
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