Klimawandel ist nicht genderneutral

Goldsuche in Burkina Faso
Geschlechtergerechtigkeit
Foto: Ollivier Girard/CIFOR (CC BY-NC-ND 2.0)

Frauen sind weltweit in höherem Maße von den negativen Auswirkungen des Klimawandels sowie vom Raubbau an der Natur betroffen. Ein feministischer Ansatz, der vor Ort verwurzelt ist, kann eine machtvolle Quelle für Umweltschutz und Geschlechtergerechtigkeit zugleich sein. 

Mitte 2016 kam die Orezone Gold Corporation nach Bomboré, eine Stadt in der Provinz Ganzourgou in Burkina Faso, um die Gegend nach möglichen Goldminen abzusuchen. Seitdem haben die Menschen dort gegen das Minenprojekt Widerstand geleistet, da es rund 700 Hektar Land betreffen, 75.000 Bäume zerstören und die Umsiedelung von 600 Familien auf Land erfordern würde, das derzeit unfruchtbar und landwirtschaftlich nicht nutzbar ist. Außerdem hat das Projekt schon 3.500 Menschen gezwungen, den Kleinstbergbau zu beenden, eine der Haupteinkommensquellen für die Familien in der Gegend.

Widerstand ist oftmals weiblich

Die Führung von Frauen war ausschlaggebend für den lokalen Widerstand in Bomboré. Durch ihre Nachforschungen und mit Hilfe der Organisation pour le Renforcement des Capacités de Développement (ORCADE) kamen die Frauen zu der Überzeugung, dass sie die Mine nicht haben wollten. Daher begannen sie, sich zu organisieren. Die Frauen gewannen kurzfristig, da das Unternehmen ihnen nun die gleichen Ausgleichszahlungen wie den Männern anbietet, obwohl der Verlust ihrer Lebensgrundlage vorher nicht anerkannt worden war. Dennoch ist ihnen bewusst, dass diese finanzielle Unterstützung nicht ausreicht. Daher fordern die Frauen aus Bomboré jetzt langfristige Änderungen, um sicherzustellen, dass sie auf fruchtbarem Land leben und arbeiten können.

Das Szenario ist weder überraschend noch einzigartig. Unternehmen im extraktiven Sektor, die mit Entwicklungsbanken und nationalen Regierungen zusammenarbeiten, haben seit Jahrzehnten in großem Stil Infrastruktur- und Agroindustrieprojekte vorangetrieben. Diese Megaprojekte hatten ausnahmslos schädliche Auswirkungen für die lokale Wirtschaft, die Lebensgrundlagen und die Umwelt. Und sie entfachen oft lokalen Widerstand wie in Bomboré.

Um auf die negativen Auswirkungen dieser Art von Projekten zu reagieren, werden lokale Gemeinschaften oft von internationalen NGOs oder Stiftungen unterstützt. Doch auch wenn diese die Gemeinschaft unterstützen wollen, macht es ihnen Mühe, ihre eigenen Ideen mit dem Wissen, den Erfahrungen, Interessen und Forderungen der verschiedenen Mitglieder der lokalen Gemeinschaften, mit denen sie arbeiten wollen, in Einklang zu bringen.

Frauen- und Umweltbewegung strategisch vernetzen

Die Global Alliance for Green and Gender Action (GAGGA) hat mit einem neuartigen Ansatz experimentiert. Als aktives Netzwerk aus unterschiedlichen lokalen und internationalen Akteuren und Akteurinnen ist GAGGA eine politische Allianz, die sich beim Kampf für Gender- und Umweltgerechtigkeit weltweit mit den örtlichen Bewegungen solidarisch zeigt. Zum Netzwerk gehören lokale Aktivisten und Aktivistinnen, Gruppen und Kollektive, die oft von Frauen geführt werden. Es unterstützt ihre politische Agenda vor dem Hintergrund drängender Umweltthemen, wie zum Beispiel Nachhaltigkeit, Schadenslinderung bei Naturkatastrophen und Klimawandel.

GAGGAs größter Ehrgeiz ist es, zu zeigen, dass der feministische Ansatz beim Umgang mit Umweltproblemen, gleich ob auf lokaler oder internationaler Ebene, ausschlaggebend für die Umsetzung eines demokratischen Übergangs zu gerechten Gesellschaften ist, die die Begrenzungen des Planeten respektieren. GAGGA arbeitet darauf hin, Frauenbewegungen und Umweltbewegungen strategisch zu vernetzen, um Visionen für einen Wandel voranzubringen, der von Frauen geführt wird.

Umweltfonds mit enorm viel Potenzial

Damit dies gelingt, hat GAGGA einen flexiblen und dezentralisierten Finanzierungsansatz entwickelt, indem sie mit unterschiedlichen Akteuren und Akteurinnen Partnerschaften eingeht – dazu gehören nationale, regionale und globale Frauen- und Umweltfonds und NGOs. Sie erreichen mehr als 360 Gruppen und Kollektive, die dafür arbeiten, das Recht der Frauen auf Umweltgerechtigkeit in 30 Ländern sicherzustellen.

Das hat zu erstaunlichen Ergebnissen geführt:

Südamerika
In Guatemala die Frauen der Ixquisis Gemeinschaft erfolgreich bei der Inter-American Development Bank Beschwerde eingelegt wegen mangelhafter Befolgung ihrer Gendergrundsätze bei der Entwicklung zweier Wasserkraft-Dämme in ihrer Gegend.

Asien
Organisationen aus Kambodscha, Indien, Indonesien, der Mongolei und von den Philippinen haben eine Koalition gebildet, die Women in Action on Mining in Asia (WAMA). Sie bietet für Frauen aus betroffenen Gemeinschaften Workshops zum Austausch von Kenntnissen und Fähigkeiten an, damit sie die unterschiedlichen Auswirkungen von Minen auf die Geschlechter besser verstehen, die Minen-Wirtschaft analysieren und eine starke Plattform für Beispiele von Forderungen der Frauen an den Minensektor aufbauen können. Über diese Koalition konnte sich die Gruppe effektiv am United Nations Forum on Business and Human Rights beteiligen.

Ein Wandel ist möglich

Seit 2016 zeigt das GAGGA Netzwerk, dass ein tiefgreifender Systemwandel möglich ist, wenn die örtlichen Gemeinschaften gehört werden. So wie in Burkina Faso, wo es ihnen gelang, einen internationalen Minen-Riesen zu zwingen, seine Vorgehensweise zu ändern.

 


Übersetzung des Artikels „Climate change is not gender neutral“, erschienen im Dezember 2019 in Alliance Magazine

Contribution by our partner Alliance Magazine

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Über die Autorinnen

Carla López Cabrera ist Geschäftsführerin des Fondo Centroaméricano de Mujeres

Deniëlle Hirsch ist Direktorin von Both ENDS 

Zohra Moosa ist Geschäftsführerin von Mama Cash 

Die Autorinnen danken der GAGGA-Koordinatorin Maite Smet für ihren Beitrag zu diesem Artikel.

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