Klimakrise: Stiftungen können Teil der Lösung sein

Die globale Klimakrise zwingt auch Stiftungen, ihr Handeln zu überprüfen. In unserer Serie "Stimmen aus Stiftungen zum Klimaschutz" fragen wir nach, in welcher Form sich Stiftungen bereits für mehr Nachhaltigkeit engagieren. Dazu sprachen wir mit Dorothee Vogt, Programmleitung Wirtschaft & Demokratie bei der Schöpflin Stiftung.

Dorothee Vogt
Foto: Marianne Moosherr
Dorothee Vogt

Dank der Fridays-for-Future-Bewegung (FFF) ist das Thema Klimaschutz nun auch ganz oben auf der politischen Agenda angekommen. Was können Stiftungen von der Jugendbewegung lernen?
Dass es unsere Aufgabe ist, eine lebenswerte Welt für die kommenden Generationen zu gestalten. Und das erfordert heute schnelles, beherztes Handeln. Wir müssen weitgreifende Notwendigkeiten zur Veränderung konsequent verfolgen und vielleicht auch die kühle Distanz zu manchen Themen aufgeben. Wir sind oft zu langsam, zu träge und auch zu verzagt. Wir müssen neben jeder Strategie auch bereit sein Momentum zu nutzen – so wie jenes, welches die jugendlichen Aktivist*innen von FFF nun für uns geschaffen haben. Die Welt verändert sich rasant. Wenn wir gesellschaftlich relevant sein wollen, müssen wir beweglicher werden.

Am 20. September findet der dritte globale Klimastreik statt  – weltweit werden Menschen auf die Straße gehen und für die Einhaltung des Paris-Abkommens und gegen die anhaltende Klimazerstörung laut werden. Was hat Ihre Stiftung an diesem Tag geplant?
Wir flankieren das Thema als Stiftung grundsätzlich in unserer Arbeit, nicht nur am 20. September, sondern laufend. Zum Beispiel indem wir die Vorbereitungen zu einem Bürgerrat für Klimapolitik unterstützen oder mit unserer Arbeit für geflüchtete Menschen, die verstärkt aufgrund des Klimawandels ihre Heimat verlassen müssen. An unserem Standort in Lörrach führen wir gemeinsam mit Partnern am 15. Oktober ein Zukunftsforum zum Thema Klimawandel durch, um die Arbeit der Menschen vor Ort zu unterstützen. Unsere Mitarbeiter*innen sind am 20. September selbstverständlich freigestellt, wenn sie sich den Protesten anschließen oder eigene Aktionen planen wollen. Verordnetes Engagement gibt es bei uns aber nicht. Das sollte aus unserer Sicht eine freiwillige Angelegenheit sein.

"Aktuell geht es um etwas Grundsätzliches: Die Klimakrise ist Ausdruck der Demokratiekrise."
Dorothee Vogt, Schöpflin Stiftung
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Vor allem die Umweltstiftungen arbeiten bereits seit Jahren an dem Thema. So hat der Arbeitskreis Umwelt im Bundesverband Deutscher Stiftungen Handlungsempfehlungen und Erklärungen erarbeitet und veröffentlicht. Nun gilt es, dass auch andere Stiftungen mobilisiert und aktiv werden. Wie könnte dies gelingen?
Indem wir begreifen, dass es sich hier nicht „nur“ um ein Umwelt-Thema handelt. Wir sind auch keine Umweltstiftung. Aber es geht um etwas viel Grundsätzlicheres. Die Klimakrise ist Ausdruck der Demokratiekrise. Die Politik hat es über 30 Jahre nicht geschafft im Sinne des Gemeinwohls zu handeln und die Energiewende einzuleiten. Wir müssen doch danach fragen, wie das möglich sein konnte? Denn wenn wir diesem Versagen nicht auf den Grund gehen, bekommen wir es auch noch in vielen anderen Bereichen zu spüren. Der Klimawandel ist ja nur das aktuell vermeintlich vordringlichste Problem.

Aber schauen wir beispielsweise den digitalen Wandel an. Werden hier die Interessen der Konzerne gewahrt oder die Interessen des Gemeinwohls? Wir als Akteurinnen der Zivilgesellschaft haben die Pflicht zu hinterfragen, Druck aufzubauen und zur Entwicklung von Alternativen beizutragen. Alle Stiftungen, die sich für eine lebendige Demokratie einsetzen, können Teil der Lösung sein. Wir arbeiten alle gemeinsam an einem großen Projekt, das da heißt: eine lebenswerte Welt für alle Menschen zu schaffen, im Einklang mit den Ressourcen unseres Planeten.

Klimawandel
Foto: WK Stock Photo - stock.adobe.com

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