In den Sternen lesen – über das Aufspüren guter Vermögensmanager

Kapital und Wirkung

Wer in längst vergangenen Zeiten folgenschwere Entscheidungen zu treffen hatte, befragte oft die Sterne. Ähnlich verhält es sich heute, wenn Stiftungsverantwortliche auf der Suche nach guten Vermögensmanagern sind. Dabei blicken sie jedoch nicht auf ein Horoskop, sondern auf die Ratings für Fonds bzw. Vermögensverwalter. Diese werden von Ratingagenturen erstellt und meist durch eine Anzahl von Sternen oder Buchstaben beschrieben. Ein Fonds bzw. Vermögensverwalter soll umso besser sein, je mehr Sterne ihm zugeschrieben werden oder je weiter vorne der Buchstabe im Alphabet steht.

Um unliebsame Überraschungen zu vermeiden, sollten Verantwortliche für Stiftungsvermögen jedoch wissen, was ihnen die Sterne sagen können und was nicht.

Was steht in den Sternen?

Grundsätzlich arbeiten die Ratingagenturen stets nach folgendem Schema:

  1. Erstens werden immer Performancewerte der Vergangenheit mit Risikomaßen adjustiert. Dabei ist ein besseres Rating auch dann möglich, wenn die Performance schlechter war, das damit verbundene Risiko aber geringer. Die Verfahren der jeweiligen Ratingagenturen unterscheiden sich darin, wie sie das Risiko messen und im Verhältnis zur Performance gewichten. Selbst bei Anwendung desselben Verfahrens können durch die Länge des Blicks in die Vergangenheit (meist drei, fünf oder zehn Jahre) unterschiedliche Ratings zustande kommen.
  2. Zweitens werden die Kennzahlen und das Rating für die Fonds bzw. die Vermögensverwaltungen immer nur innerhalb einer Vergleichsgruppe (Peer Group) ermittelt. Das Sterne-Rating für einen Fonds bzw. Vermögensverwalter hängt somit sehr stark davon ab, wie er innerhalb der Vergleichsgruppe abschneidet und wo die jeweiligen Grenzen für die Vergabe eines weiteren Sterns liegen. Hierin unterscheiden sich die Ansätze der Ratingagenturen erheblich. 
  3. Drittens – und dies ist entscheidend – wird implizit immer unterstellt, dass ein auf historischen Daten beruhendes Urteil ein guter Anhaltspunkt für das zukünftige Ergebnis eines Managers bzw. Fonds sei. Doch sogar die Ratingagenturen selbst weisen in Studien darauf hin, dass dies nicht immer zutrifft.

Verwirrend mag manchmal sein, dass bei Fonds die Kennzahl SRRI (Synthetic Risk and Reward Indicator) ausgewiesen wird mit – für hohe Werte – dem Hinweis „Typischerweise höhere Rendite/Höheres Risiko“. Diese Kennzahl leitet sich jedoch ausschließlich aus einem Risikomaß ab. Es ist eine bloße Annahme oder gar Hoffnung, dass damit tatsächlich auch ein höherer Reward (sprich: Ertrag) einhergeht. Der Gesetzgeber schreibt daher vor, dass stattdessen analog zu Zertifikaten künftig nur noch ein SRI (Synthetic Risk Indicator) dargestellt wird.

Fünf Sterne für einen Fonds bzw. Vermögensverwalter bedeuten also nur, dass dieser für den jeweiligen Vergangenheitszeitraum in der jeweiligen Vergleichsgruppe unter Anwendung des jeweiligen Ratingverfahrens unter den Besten lag.

Was machen die Profis?

Professionelle Anleger haben die Schwierigkeiten der Sterne-Ratings erkannt. Sie greifen stattdessen neben der rein quantitativen Beurteilung von Managern auf eine Vielzahl von qualitativen Beurteilungskriterien zurück. Diese sind z. B. die Stabilität des Investmentprozesses, die Erfahrung des Portfoliomanagers, die Gesamtorganisation des Asset Managers, die Produktkonzeption und vieles mehr. Ein derartiges Vorgehen ist jedoch sehr aufwendig. Vereinzelt bieten daher manche Ratingagenturen ähnliche Qualitätsratings standardisiert an (und kennzeichnen diese zur Unterscheidung mit Medaillenfarben). Doch auch solche Verfahren sind keine Gewähr dafür, immer den künftig besten Fonds bzw. Vermögensmanager aufzuspüren.

Wie lassen sich Fehldeutungen vermeiden? 

Angesichts der ebenfalls ungenauen Aussagekraft komplexerer Methoden ziehen viele Investoren dennoch die Sterne zu Rate – sie sind zumindest einfach handhabbar. Wenn Anleger dabei einige Aspekte beachten, können sie wenigstens die gröbsten Fehldeutungen vermeiden. Es lohnt sich …

  • ein Blick auf die Peer Group – je weniger die Peer Group mit den Vorstellungen oder Bedürfnissen des Anlegers übereinstimmt, desto weniger aussagekräftig ist das Sterne-Rating. Beispielsweise kann das Rating von Fonds durch Investments verzerrt sein, in die der Stiftungsverantwortliche aufgrund seiner Anlagerichtlinien gar nicht investieren darf.
  • ein Blick auf die Entwicklung des Sterne-Ratings im Laufe der Zeit – je stärker das Sterne-Rating im Zeitablauf schwankt, desto weniger verlässlich deutet es auf die zukünftige Qualität des Vermögensmanagers hin.
  • ein Blick auf die Performanceerläuterungen – je mehr ein Fonds bzw. Vermögensmanager transparent machen kann, wie die Performance zustande kam (z. B. wie die Performance in bestimmten Marktphasen lag oder wie der Vermögensmanager auf veränderte Marktverhältnisse reagiert hat), desto eher kann dessen systematische Leistungsqualität eingeschätzt werden. 

Im Zweifel gilt aber auch hier: Absicherung durch Diversifikation und nicht allein auf einen Fonds oder Vermögensmanager setzen. 

Werden diese Aspekte beherzigt, sollte es nicht nur „in den Sternen stehen“, wie gut das künftige Ergebnis der Vermögensanlage aussieht.

Autor

Dr. Wolfgang Kirschner
Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG 

Hauck & Aufhäuser ist Premiumpartner des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen.


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