Grüner drucken

Die Herstellung von Druckprodukten belastet die Umwelt erheblich. Dabei können schon kleine Anpassungen bei Planung, Gestaltung und Herstellung den Schaden reduzieren. Ein Leitfaden.

Foto: Timon Kronenberg

An erster Stelle steht stets die Frage nach der Notwendigkeit des Druckwerkes. Ist der auf Hochglanzpapier gedruckte Flyer in fünfstelliger Auflage wirklich der richtige Weg oder können Sie Ihr kommunikatives Anliegen auch anders umsetzen? Grundsätzlich gilt: Je weniger gedruckt wird, desto besser. Wenn Sie drucken, dann sollten dabei hohe Umweltstandards eingehalten werden.

So kann der ökologische Fußabdruck von Druckprodukten reduziert werden

Planung und Gestaltung
Achten Sie schon am Anfang auf ökologische Aspekte. Dazu gehören Zeitpläne mit ausreichend Korrekturschleifen, um Nachdrucke zu vermeiden, und eine Gestaltung, die Format, Papierausnutzung und Herstellungsverfahren im Blick behält.

Papier
Das Papier macht mit Abstand den größten Anteil der Umweltbelastung eines Druckerzeugnisses aus. Durch ein Papier mit hohem Recyclinganteil sparen Sie bis zu 60 Prozent der Energie und bis zu 70 Prozent des Wassers gegenüber einem Papier aus Frischfasern ein. Recyclingpapiere sind heute wesentlich schöner als ihr Ruf. Es gibt hochweiße Varianten mit attraktiven Oberflächen, die qualitativ hochwertige Druckprodukte ermöglichen. Achten Sie bei der Auswahl darauf, dass die Papiere mit dem „Blauen Engel“ des Umweltbundesamtes zertifiziert sind.

Auflage
Ermitteln Sie möglichst genau, welche Auflage Sie benötigen, und produzieren Sie diese Menge zuzüglich einer kleinen Reserve. Lassen Sie sich nicht von niedrigen Fortdruckpreisen verlocken, durch die Sie mehr produzieren, als Sie benötigen.

Umfang
Prüfen Sie, wie viel Inhalt Sie notwendigerweise verbreiten müssen, um Ihr Ziel zu erreichen. Eine Reduzierung im Umfang spart nicht nur Ressourcen, sondern auch Arbeitszeit.

Farbe
Überlegen Sie, ob Ihre Veröffentlichung vierfarbig sein muss oder ob Sie auch in Schwarz-Weiß zu einer attraktiven Darstellungsform finden können. Der Umstieg könnte bei Ihren Leser:innen zudem für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen.

Veredelung
Wenn möglich, sollten Sie auf den Einsatz von Lack, insbesondere mit UV-Licht gehärtet, und Folien verzichten. Diese Effekte lassen sich durch eine attraktive Gestaltung und umweltschonende Verfahren wie Stanzung und Blindprägung ersetzen.

Druckerei
Eine Druckerei mit einem aktiven Umweltmanagement trägt dazu bei, den Energieverbrauch deutlich zu senken, Lösungsmittel-Emissionen zu minimieren, Ressourcen einzusparen und den Papierabfall zu reduzieren. Ob Druckereien ihren Versprechungen tatsächlich nachkommen, ist für die Auftraggeber:innen nicht zu kontrollieren. Eine gute Orientierung bietet aber der „Blaue Engel für Druckerzeugnisse“. Anders als beim Blauen Engel für Recyclingpapiere, der nur das Papier zertifiziert, werden hier die Druckerei und das erstellte Druckerzeugnis mit dem gesamten Produktionsprozess in den Blick genommen. Eine Druckerei, die anbietet, ihre Druckprodukte mit dem Blauen Engel für Druckerzeugnisse zu kennzeichnen, unterliegt strengen Anforderungen zur Umweltfreundlichkeit und wird regelmäßig auf deren Einhaltung überprüft.

Kompensation
Unter der ­Maßgabe „Vermeiden, Reduzieren und dann kompensieren“ können Sie die verbleibenden CO2-Emissionen ­Ihrer Publikation durch die Finanzierung von Klimaschutzprojekten über ­ClimatePartner zumindest ansatzweise kompensieren.

Fazit

Wer diese Aspekte befolgt, kann den ökologischen Fußabdruck von Druckprodukten auf ein Mindestmaß reduzieren. Damit Stiftungen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden, müssen sie bei ihren eigenen Prozessen anfangen, etwas zu verbessern. Grüner Drucken ist ein erster Schritt.

Über den Autor:

Etienne Girardet ist Partner des Gestaltungsbüros BAR PACIFICO/ in Berlin. Der Grafiker gestaltet mit seinem Team seit über 20 Jahren das Magazin Stiftungswelt.

Beitrag aus: Stiftungswelt Frühling 2020
Magazin Stiftungswelt

Klimaschutz und Nachhaltigkeit

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