Generation Stiftung? Über die neue Ausgabe der StiftungsWelt

Liebe Stiftungsfreunde,

„Die Jugend hat Heimweh nach der Zukunft.“ Dieses Bonmot des französischen Philosophen Jean-Paul Sartre haben wir uns für den Schwerpunkt dieser StiftungsWelt zu eigen gemacht und das Gespräch mit der nächsten Generation gesucht. Geführt haben wir es an unterschiedlichen Orten und nicht nur mit jungen Leuten: in Erbenzirkeln, in sozialen Start-ups, aber auch in den Stiftungen selbst. Auf den Seiten 10 bis 49 kommen viele von ihnen zu Wort.

Präsent sein, wo die philanthropische Reise beginnt

Warum? Ein guter Verband ist für seine aktuellen Mitglieder da. Ein sehr guter auch für die kommenden. Wir können nicht (mehr) warten, bis uns von den Aufsichten neue Stiftungen gemeldet werden. Wenn wir verstehen wollen, wie die Philanthropie der Zukunft – und damit unser Verband – aussieht, müssen wir lange vor der Stiftungsgründung präsent sein: dort, wo die philanthropische Reise beginnt, wo sich Ideen, Trends und Vermögen verdichten.

Im Rahmen vieler privater Abendessen bei Gründerinnen und Gründern habe ich einiges darüber gelernt, wie unser Stiftungswesen durch die Augen derer aussieht, die gewissermaßen vor unserer Tür stehen und überlegen, ob sie klingeln wollen. In diesen Kreisen gibt es viel Respekt vor Stiftungen, aber auch Distanz. In einem Interview in der StiftungsWelt kommen zwei prominente Vertreter der Berliner Gründerszene mit teils provokanten Ansichten zu Wort.

Die Konsequenzen aus "disruption" und "dislocation"

In fast allen Gesprächen spielt Geschwindigkeit eine zentrale Rolle. Der technologische Wandel ist nur eine, vielleicht jedoch die stärkste Ausprägung. Unfassbar: Gerade einmal zehn Jahre ist es her, dass Apple-Gründer Steve Jobs das iPhone vorstellte. Im selben Jahr starteten Twitter, Android und Skype. Die nächsten Revolutionen unseres Alltags finden nicht mehr alle paar Jahrzehnte, sondern alle paar Jahre statt. Auch deshalb werden wir die nächste Ausgabe der StiftungsWelt der Digitalisierung widmen. Wir freuen uns über Ihre Beiträge!

Der US-amerikanische Kolumnist Thomas Friedman unterscheidet „disruption“ und „dislocation“. Disruption macht durch gute Ideen alte Geschäftsmodelle obsolet. Dislocation passiert, wenn die Geschwindigkeit des Wandels und die Fähigkeit zur Anpassung auseinanderdriften. Für den Bundesverband gilt, dass wir schnell genug sein müssen, um nicht den Anschluss an die Zukunft zu verlieren – und langsam genug, um nicht die Verbindung an die vielen wertvollen Erfahrungen aufzugeben, die wir geerbt haben. Diese Herausforderung erleben auch andere Sektoren, wie ZEIT-Chancen-Chef Manuel Hartung im Interview mit der StiftungsWelt schildert.

Über die Geschwindigkeit können wir streiten. Die Richtung hingegen müssen die Philanthropen und Profis von morgen weisen. Ich freue mich auf die nächsten Jahre dieser Reise mit Ihnen.

Frohe Festtage und einen guten Start ins neue Jahr!

Ihr Felix Oldenburg

Über den Autor

Felix Oldenburg war von 2016 bis 2020 beim Bundesverband Deutscher Stiftungen als Generalsekretär tätig. Er ist Vorsitzender des europäischen Verbandsnetzwerks DAFNE.

Mitgliedermagazin

StiftungsWelt 04-2017

Generation Stiftung?
Jetzt herunterladen
Aktuelle Beiträge
Stiftungsrecht

Veranstaltung in Corona-Zeiten – Absagen und was nun?

In den letzten Wochen mussten und müssen aufgrund immer strenger werden Verordnungen Veranstaltungen abgesagt oder verschoben werden. Was müssen Stiftungen bei Absagen von Veranstaltungen beachten? Was ist, wenn meine Veranstaltung zeitlich nicht unter die aktuellen Verbote fällt und erst im Mai oder Juni stattfinden soll? 

Mehr
Kapital und Wirkung

Die Börsenkrise als Chance nutzen

Stiftungen brauchen Erträge. In den letzten Jahren war dies mit Zinsanlagen und einer geringen Aktienquote kaum möglich. Die aktuelle Coronakrise bietet eine gute Gelegenheit auf auskömmliche Erträge für die nächsten Jahre.

Mehr
Globales Engagement

„Die SDGs sind unsere Messlatte“

Michael Beier, Vorstandsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung, über Fridays for ­Future und die Bedeutung von Stiftungen für den Klimaschutz.

Mehr
Stiftungs-News

Brücke zwischen Online-Angebot und Offline-Nachfrage

Auch das Nachbarschaftsnetzwerk nebenan.de stellt sich auf die neue Situation durch das Corona-Virus ein: Wie können sich in dieser Krise Menschen finden, die unterstützen möchten, und solche, die Unterstützung brauchen? Antwort gibt Christian Vollmann, Gründer von nebenan.de.

Mehr
Geschlechtergerechtigkeit

Klimawandel ist nicht genderneutral

Frauen sind weltweit in höherem Maße von den negativen Auswirkungen des Klimawandels sowie vom Raubbau an der Natur betroffen. Ein feministischer Ansatz, der vor Ort verwurzelt ist, kann eine machtvolle Quelle für Umweltschutz und Geschlechtergerechtigkeit zugleich sein. 

Mehr

Mehr zum Thema

Impuls

Jetzt ist die Zeit für gemeinwohlorientierte digitale Ökosysteme

Seit Corona leben und arbeiten wir anders. Plattformen und Tools ersetzen physische Nähe, sei es im Beruf oder privat. Mehr denn je brauchen wir daher gemeinwohlorientierte digitale Ökosysteme. 

Mehr
Impuls

76 Millionen japanische Dollar

Wie kommt es, dass die weltgrößte Stiftung, die Bill and Melinda Gates Stiftung, der nigerianischen Regierung ihre Staatsschulden gegenüber Japan in Höhe von 76 Millionen Dollar zahlt? Das erklärt Felix Oldenburg in seinem neuen Impuls.

Mehr
Impuls

Preiswürdig?

Preise für Engagierte und Projekte gibt es in der deutschen Stiftungslandschaft hundertfach. Doch schaffen diese auch einen Mehrwert für Ausgezeichnete und Ausrichter?

Mehr