Gehälter von Führungskräften in Stiftungen

Impuls

Wie sieht die Entlohnung von Spitzenpersonal in Stiftungen aus? Welche Rolle spielt das Ehrenamt? Und gibt es ein Gender Pay Gap? Diese und weitere Fragen beantwortet Prof. Dr. Berit Sandberg im Interview. Aus dem Mitglieder-Magazin StiftungsWelt 4/2016. 

StiftungsWelt: Frau Prof. Dr. Sandberg, Sie haben im Jahr 2014 Vorstände, Geschäftsführungen und Stiftungsräte befragt. Wie sehr ehrenamtlich arbeiten Führungskräfte in Stiftungen eigentlich? Welchen Anteil haben heute Hauptamtliche?

Prof. Dr. Sandberg: Es gibt keine belastbaren Zahlen zum Verhältnis von hauptamtlichen zu ehrenamtlichen Führungskräften. Wir wissen aber, dass fast alle Stiftungen, genauer gesagt 96 Prozent, Organe haben, die ganz oder teilweise mit Ehrenamtlichen besetzt sind. Ohne Ehrenamtliche würden die meisten Stiftungen nicht überleben.

Dabei heißt ehrenamtlich nicht unbedingt unentgeltlich …

Der Gesetzgeber definiert das Ehrenamt im Stiftungsrecht als unentgeltlich, relativiert das aber mit steuerrechtlichen Regelungen. Wenn es die Stiftungssatzung erlaubt, dürfen Vergütungen gezahlt werden.

Über welche Bezüge sprechen wir beim ehrenamtlichen Spitzenpersonal, über welche beim hauptamtlichen?

Die Spanne ist breit. Bei ehrenamtlichen Vorständen und Geschäftsführern reicht sie von 50 Euro bis 52.000 Euro im Jahr. Auch im Hauptamt gibt es große Unterschiede. Im Durchschnitt verdienen Führungskräfte rund 100.000 Euro pro Jahr.

Was sind die Spitzengehälter in Stiftungen?

In großen Stiftungen kann man 250.000 Euro und mehr im Jahr verdienen. Solche Jobs sind allerdings rar.

Interessanterweise arbeiten unbezahlte ehrenamtliche Vorstände im Schnitt sogar eine Stunde pro Woche mehr als diejenigen, die eine Aufwandsentschädigung erhalten.

Der Blick auf den zeitlichen Umfang des Engagements täuscht, weil das Durchschnittswerte sind. Stiftungen machen die Höhe von Aufwandsentschädigungen durchaus an der Position und an der Leistung bzw. am Aufgabenumfang und dem Ausmaß der Verantwortung fest. Im gemeinnützigkeitsrechtlichen Rahmen haben Stiftungen Ermessensspielräume, die sie auch nutzen. Die Absprachen sind daher aber sehr individuell, personen- und situationsabhängig. Ob und in welcher Höhe eine Stiftung Vergütungen zahlt, hängt letztlich auch davon ab, ob sie es sich leisten kann und will.

Wie steht es mit den Stiftungsräten? Ist hier, bei einem geringeren zeitlichen Aufwand für die Stiftungsarbeit, eine Vergütung üblich?

Bei Stiftungsräten ist eine Vergütung noch seltener als bei Vorständen und Geschäftsführungen. Ungefähr jedes zehnte ehrenamtliche Mitglied eines Stiftungsrates erhält irgendeine Form von Aufwandsentschädigung. Außerdem liegen die Honorare tendenziell niedriger als bei Vorständen.

Immerhin die Hälfte der hauptamtlichen Vorstände erhält ein Grundgehalt von 90.000 Euro oder mehr. Nähert sich hier die Vergütung der in der Wirtschaft an?

Von den Gehältern in der freien Wirtschaft sind Stiftungsmanager weit entfernt. Die Gehälter von GmbH-Geschäftsführern liegen z.B. um rund 50.000 Euro höher und die Gehaltsspanne endet im siebenstelligen Bereich. Stiftungen orientieren sich eher an den Tarifen im öffentlichen Dienst.

Welche Faktoren beeinflussen im Hauptamt die Höhe der Vergütung? Spielt das Stiftungsvermögen die wichtigste Rolle?

Das Gehaltsniveau resultiert aus einem Mix an Faktoren. Das beginnt mit individuellen Kompetenzen und endet mit dem Vermögen der Stiftung – im doppelten Wortsinn. Interessant sind aber auch die vergleichsweise hohen Vergütungen bei mildtätigen Stiftungen.

Sie haben auch danach gefragt, inwieweit Männer und Frauen gleiche Zuwendungen bekommen. Gibt es auch in Stiftungen einen Gender Pay Gap?

Ja, den Gender Pay Gap gibt es auch in Stiftungen. Bei gleicher Position und Ausbildung verdienen Frauen 23 Prozent weniger als Männer. Entgeltdiskriminierung herrscht sogar im Ehrenamt.

Was ist Ihre Einschätzung: Wie wichtig ist eine finanzielle Kompensation, um gutes hauptamtliches Führungspersonal zu bekommen?

Viele Stiftungen beklagen einen Fachkräftemangel auf der Führungsebene. Qualifizierte Führungskräfte zieht man u.a. mit einer marktüblichen Vergütung an. Stiftungsmanager verweisen aber auch auf die inhaltlichen Freiräume und die Gestaltungsmöglichkeiten, die die Stiftungsarbeit bietet und nicht zuletzt auf Arbeitsbedingungen, die deutlich entspannter sind als in der freien Wirtschaft. Dafür nehmen manche gerne Gehaltseinbußen in Kauf.

Welchen Stellenwert hat die Vergütung für Ehrenamtliche?

Fragt man Ehrenamtliche nach der Bedeutung von Vergütung, bestreiten sie energisch jedes finanzielle Motiv. Ich bezweifele aber, dass die Antworten immer ehrlich sind, denn sonst gäbe es die erwähnten Daten nicht oder alle Honorare würden rückgespendet. Je anspruchsvoller die Aufgaben sind, desto eher werden Stiftungen von qualifizierten Personen mit Erwartungen an eine angemessene Entschädigung für ihr zeitliches Engagement konfrontiert. Letztlich ist eine Vergütung auch eine Form der Anerkennung und ohne Wertschätzung hält man auf Dauer auch den idealistischsten Freiwilligen nicht.

Neben einer durchdachten Vergütungsstruktur – was können Stiftungen noch tun, damit es nicht an qualifiziertem Nachwuchs fehlt?

Oft engagiert sich zunächst der Stifter außerordentlich stark in seiner Stiftung. Doch irgendwann wird das Thema Nachfolge aktuell. Dann sollte die Stiftung mit so viel Kapital ausgestattet sein, dass eine solide Administration finanziert werden kann – sei es im Haupt- oder im Ehrenamt. Im Grunde müssen sich Stifterinnen und Stifter also bereits vor der Gründung der Stiftung mit der Herausforderung der Rekrutierung und mit der Frage der Vergütung befassen.

 

Das Interview führte Henrik Flor.

Profil: Prof. Dr. Berit Sandberg forscht seit über 20 Jahren zu betriebswirtschaftlichen Fragen des Stiftungswesens. Sie ist Professorin für Public und Nonprofit-Management an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin.

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