Stiftungen als Filmförderer

 Berlinale Palast – Der Rote Teppich am Premierenkino des Wettbewerbs,
Impuls
Richard Hübner ©Berlinale 2014

Am 07. Februar beginnt die Berlinale. Ein guter Anlass für einen Blick auf das Verhältnis von Filmbranche und Stiftungswesen.

Heute beginnen die 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Zur Berlinale – wie sie kurz genannt wird – werden wieder über 300.000 Filmfans, Fachbesucher und Journalisten aus aller Welt erwartet. Auf dem Programm stehen über 400 Beiträge aus aller Welt. 23 dieser Filme haben die Chance, mit dem Großen Preis der Jury  – dem Silbernen Bären – oder dem Goldenen Bären als Hauptpreis prämiert zu werden. Dass auch Stiftungen einen Beitrag zur Berlinale leisten, ist vielen Menschen nicht bekannt. 

Stiftungen als Filmförderer 

Viele Filmprojekte wären ohne die Unterstützung durch Stiftungen nicht realisierbar. Allein in Deutschland engagieren sich – so die aktuellen Zahlen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen – 156 Stiftungen in der Filmförderung. Neben lokalen Stiftungen und durch Filmschaffende ins Leben gerufenen, wie die Werner Herzog Stiftung und die Wim Wenders Stiftung, dominieren die öffentlich finanzierten Stiftungen. So sind das Land Nordrhein-Westfalen und der Westdeutsche Rundfunk die größten Anteilseigner der 1991 gegründeten Film- und Medienstiftung NRW, einem der bedeutendsten Filmförderwerke Europas. 

Auch die Kulturstiftung des Bundes betätigt sich, wenngleich nicht prioritär, in der Förderung des Films. Im Rahmen der Berlinale unterstützt sie den World Cinema Fund (WCF), der Filme aus filminfrastrukturell schwachen Regionen fördert. Sechs Filme, die auf der diesjährigen Berlinale laufen, wurden vom WCF gefördert, die meisten davon aus Lateinamerika. Und vier dieser WCF-Filme feiern in Berlin Weltpremiere. „Es geht darum, die Entstehung von Filmen in Ländern zu unterstützen, deren Filmindustrie nicht so entwickelt ist, wo Filmschaffende durch ökonomische oder politische Krisen benachteiligt sind, und Produzenten aus Deutschland für sie zu interessieren“, so Friederike Tappe-Hornbostel von der Kulturstiftung des Bundes. 

Stiftungen als Filmbewahrer 

Doch Stiftungen betätigen sich nicht nur in der unmittelbaren Filmförderung, sondern auch in der Pflege des cineastischen Erbes. Die DEFA-Stiftung verwaltet den Filmbestand der ehemaligen Deutschen Film AG, dem halbstaatlichen Monopolbetrieb der DDR. In ihrer heutigen Form wurde die Stiftung 1998 auf Initiative der Bundesregierung gegründet. Die deutsche Wiedervereinigung markierte das Ende des Films in der DDR und einen Neuanfang des gesamtdeutschen Films. Während viele Filmschaffende aus der DDR reibungslos ihre Karrieren fortsetzen konnten, „kam die letzte Generation der Filmemacher, die in der Wendezeit aus der DDR heraus spannende Filme hätte drehen können, nicht mehr zum Zuge – wichtige Regisseure wie Evelyn Schmidt, Jörg Foth oder Herwig Kipping verstummten“, so Philip Zengel von der DEFA-Stiftung. „Ein Unterschied zwischen „Ost“ und „West“ spiele heute eine untergeordnete Rolle“, so Zengel weiter. Im Zuge der Retrospektive „Selbstbestimmt. Perspektiven von Filmemacherinnen“ präsentiert die DEFA-Stiftung Produktionen von insgesamt zehn DEFA-Regisseurinnen auf der diesjährigen Berlinale. Außerdem verleiht sie zum siebten Mal den Heiner-Carow-Preis an einen deutschen Spiel-, Dokumentar- oder Essayfilm aus der Sektion Panorama.  

Herausforderung Filmförderung 

Dass Stiftungen nicht als große Filmförderer bekannt sind, liegt laut Tappe-Hornbostel „wahrscheinlich daran, dass sich im Bereich des Films nicht immer genau zwischen Wirtschafts- und Kulturförderung unterscheiden lässt“. Da die Antragssummen die üblichen Fördersummen übersteigen, kann die Kulturstiftung des Bundes nur selten Filme fördern. Die DEFA-Stiftung musste ihre Stipendienvergabe und Projektförderung vor einigen Jahren aus finanziellen Gründen einstellen. Die Gewinnprämien, die von der DEFA-Stiftung auf fünf deutschen Filmfestivals an junge Regisseurinnen und Regisseure vergeben werden, fließen allerdings in Teilen auch in kommende Filmprojekte. So leisten Stiftungen auch bei der diesjährigen Berlinale einen wichtigen Beitrag für die Zukunft des Films.  

Aktuelle Beiträge
Stiftungsrecht

„2020 wird wahrscheinlich ein wichtiges Reformjahr“

Prof. Dr. Rainer Hüttemann, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Steuerrecht an der Universität Bonn, äußert sich im Kurzinterview zu den anstehenden Stiftungsrechts- und Gemeinnützigkeitsrechtsreformen.

Mehr
Kapital und Wirkung

Transparente Rendite

Der Vermögensverwalter Globalance Invest ermittelt für jedes Unternehmen in seinem Portfolio den ökologischen und sozialen Fußabdruck – denn besonders nachhaltige Investments sind nach Überzeugung der Verwalter auch mit Blick auf die Rendite attraktiv.

Mehr
Globales Engagement

„Die SDGs sind unsere Messlatte“

Michael Beier, Vorstandsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung, über Fridays for ­Future und die Bedeutung von Stiftungen für den Klimaschutz.

Mehr
Stiftungs-News

„Ein Birnbaum in seinem Garten stand“

2019 jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag des Dichters Theodor Fontane. Mit seiner Ballade „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ hat er dem Stiftungsgedanken ein literarisches Denkmal gesetzt.

Mehr
Geschlechtergerechtigkeit

Wo und wie investieren Stiftungen in Gendergerechtigkeit weltweit?

Zwischen 2013 und 2015 gaben Stiftungen weltweit 3,7 Milliarden US-Dollar für Geschlechtergerechtigkeit aus. Das Engagement beschränkt sich dabei auf wenige Regionen und Sektoren. 

Mehr

Mehr zum Thema

Impuls
Thilo Bode

Blinde Flecken: Die Macht der Konzerne

Stiftungen haben blinde Flecken, Aspekte, die sie nicht wahrnehmen können oder wollen. Dr. Thilo Bode, Geschäftsführer von Foodwatch International, benennt die Macht der Konzerne als Blinden Fleck der Stiftungen.  

Mehr
Impuls

Blinde Flecken: Meinungen außerhalb des eigenen Meinungsspektrums

Stiftungen haben blinde Flecken, Aspekte, die sie nicht wahrnehmen können oder wollen. Judy Korn, Mitbegründerin und Geschäftsführerin vom Violence Prevention Network, fordert sich stärker mit Meinungen außerhalb des eigenen Meinungsspektrums zu beschäftigen.

Mehr
Impuls

„Gute Dinge ziehen Kreise“ – auch beim Klimaschutz

Die globale Klimakrise zwingt auch Stiftungen, ihr Handeln zu überprüfen. Frau Imhoff, in welcher Form engagiert sich bereits die Imhoff Stiftung?

Mehr