Do-No-Harm-Ansatz für Stiftungen

Über die Notwendigkeit, gut zu planen, um die gewünschten Wirkungen zu erzielen

Viele Stiftungen sind global engagiert, um Lebensbedingungen in anderen Ländern im Sinne ihres Stiftungszwecks zu verbessern. Für die Menschen vor Ort und die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 ist das eine sehr wichtige Unterstützung. Bei allen guten Absichten kommt es jedoch immer wieder einmal vor, dass Projekte ungewünschte Nebenwirkungen haben, die eher schaden als nutzen. Wie lässt sich das vermeiden? Können Stiftungen dabei von dem Do-No-Harm-Ansatz lernen?

Wieso ein Do-No-Harm-Ansatz?

Richte keinen Schaden an! Das ist der eindringliche Appell des sogenannten Do-No-Harm-Ansatzes, der Anfang der 1990-er Jahre von einer Gruppe von Nichtregierungsorganisationen und der Amerikanerin Mary B. Anderson entwickelt wurde. Sie hatten beobachtet, dass finanzielle und materielle Unterstützung, die eigentlich zur Linderung der Not der Menschen in Krisen- und Konfliktgebieten gedacht war, teils auch für politische und militärische Zwecke genutzt oder missbraucht wurde und somit unerwünschte Auswirkungen auf den Konflikt hatte. Es ging der Gruppe darum, zu verstehen, welche Mechanismen die Ursache dafür sein können und wie die Nothilfe konfliktsensibel geplant werden kann, damit sie den Menschen vor Ort wirksam helfen kann und Konflikte nicht verstärkt werden. Heute ist der Do-No-Harm-Ansatz weit verbreitet und gilt als Grundlage für die Entwicklungszusammenarbeit bei der Stärkung von Frieden und Stabilität.

Vorgehensweise des Do-No-Harm-Ansatzes

Der Do-No-Harm-Ansatz geht in sieben aufeinanderfolgenden Schritten vor, um die Situation vor Ort sehr gut einzuschätzen und darauf basierend Maßnahmen zu planen, die die gewünschten Wirkungen erzielen:

  1. Kontext des Konfliktes analysieren und verstehen.
  2. Analyse der Faktoren, die die Konfliktparteien spalten, und der Ursachen, die Spannungen hervorrufen
  3. Analyse von Faktoren, die Gemeinsamkeiten schaffen und Spannungen überwinden können
  4. Analyse des geplanten Projektes und der eigenen Organisation
  5. Analyse der Wirkungen des geplanten Projektes auf den Konflikt, sowohl in Bezug auf den Ressourcentransfer (Geld und Mittel) als auch auf die ethischen Botschaften
  6. Projektoptionen generieren: Wie können negative Wirkungen vermieden und positive Wirkungen verstärkt werden?
  7. Testen der Optionen und Anpassung des Projektes

Warum ist dieser Ansatz wichtig für Stiftungen?

Für Stiftungen, die in Konflikt- und Krisengebieten tätig sein wollen, oder es schon sind, ist der Do-No-Harm-Ansatz eine wertvolle Methode zur Überprüfung ihrer Projektplanung. Auch für alle anderen Stiftungstätigkeiten im globalen Umfeld bietet der Ansatz eine wertvolle Orientierungs-und Planungshilfe: Wenn wir als Menschen, die in Deutschland oder Westeuropa aufgewachsen sind, Projekte planen und implementieren, so tun wir das in der Regel basierend auf unseren Erfahrungen und unserer Kultur. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass wir einen Counterpart brauchen, der uns hilft, die Situation in dem Land, für das unser Projekt geplant ist, gut zu verstehen. Dazu gehört auch, sich bewusst zu machen, inwieweit allein unsere Anwesenheit in dem von uns ausgesuchten Land und die Ankündigung, dass eventuell ein Projekt geplant werden könnte, bereits Hoffnungen und Wünsche bei den Menschen vor Ort hervorrufen kann oder auch Planungen auf ihrer Seite initiiert, von denen wir nichts wussten und sie gegebenenfalls auch gar nicht für sinnvoll erachtet hätten. Eine sehr genaue, reflektierende Analyse der Situation vor Ort und des eigenen Projektes sowie der intendierten Wirkungen ist unabdingbar. Das erfordert Zeit, Engagement, Ehrlichkeit und vielfach auch Mut und Demut, um im Sinne des Stifterwillens Nutzen zu erzielen und Schaden zu vermeiden.

Literatur 

Autor
Dr. Annette Kleinbrod

EZ-Scout der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Entsandt an: Bundesverband Deutscher Stiftungen

Telefon (030) 89 79 47-0

Alle Beiträge von Dr. Annette Kleinbrod
Aktuelle Beiträge
Stiftungsrecht

Abgabefrist für Steuererklärungen ab 2019 verlängert

Ab dem Veranlagungszeitraum 2018 gilt eine verlängerte Abgabefrist für Steuererklärungen zum 31. Juli. Gemeinnützigkeitserklärungen können daher ab 2019 bis zum 31. Juli abgegeben werden. Das Steuerformular für gemeinnützige Körperschaften gibt es jetzt bei Elster-Online.

Mehr Infos
Kapital und Wirkung

Auf dem Weg zum Finanzgipfel für Stiftungen

Auf dem Forum Kapital und Wirkung brachte der Bundesverband alle Gruppen zusammen, die zusammen arbeiten müssen, um die Herausforderungen für die Vermögensanlage gemeinsam zu meistern: Mitgliedstiftungen, kommerzielle Partner, den Arbeitskreis Stiftungsvermögen und den Expertenkreis Impact Investing. 

Mehr Infos
Impuls

Gehen oder Bleiben?

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck hat sich kürzlich mit Aplomb aus
den sozialen Netzwerken verabschiedet. Ein Schritt, der auch Stiftungen zu
denken geben sollte? Unsere Autorin hat dazu eine klare Meinung

Mehr Infos
Stiftungs-News

„Eine naive und fantastische Idee“

Das Refugium-Programm der taz Panter Stiftung ermöglicht Journalisten, die in ihren Heimatländern unter Druck geraten sind, eine Auszeit in Deutschland. Ein Gespräch mit Programmleiterin Konny Gellenbeck und Stipendiat und Fotoreporter Önder Şimşek

Mehr Infos
Mehr zum Thema
Globales Engagement
Stopping the Abuse of Power through Sexual Exploitation: Naming, Shaming, and Ending Sextortion

Der Oxfam-Skandal in Haiti – Welche Bedeutung hat er für Stiftungswirken?

Wie können Stiftungen in ihrer internationalen Arbeit dem Missbrauch von Macht und der Ausnutzung von Menschen vorbeugen?

Weiterlesen

WASH Programm

Die Karl Kübel Stiftung unterstützt in Südindien die Verbesserung der Trinkwasserversorgung und Toilettenausstattung an Schulen.

Weiterlesen
Globales Engagement

"Geringes Geld aber große Wirkung"

Die Bosseler & Abeking Kinderstiftung arbeitet nicht mit Förderanträgen, sondern sucht selbst überzeugende Partner für die Projektsteuerung vor Ort in Kenia

Weiterlesen