Die vielfältigen Möglichkeiten der Geldanlage

Mythen rund um die Geldanlage von Stiftungen
Kapital und Wirkung
Foto: stock.adobe.com / Julien Eichinger

Seit Beginn der Finanz- und Staatsschuldenkrise müssen sich Stiftungen mit extrem niedrigen, zum Teil negativen Zinsen arrangieren. Für viele Stiftungen ist das eine enorme Herausforderung. Die SOS-Kinderdorf-Stiftung hat ein White Paper verfasst, um diesen Stiftungen Mut zu machen und dabei zu helfen, dass Stiftungen auch im aktuellen Umfeld erfolgreich wirtschaften können. Die zentralen Erkenntnisse des White Paper fasst Petra Träg, Geschäftsführerin der SOS-Kinderdorf-Stiftung, für uns in einer Reihe von Blogartikeln zusammen. Im dritten Teil befasst sie sich mit den verschiedenen Möglichkeiten der Geldanlage.

Jede Anlageklasse hat ein anderes Rendite-Risiko-Profil: Wer mehr Sicherheit haben möchte, tendiert zu sicheren Anlagen, wer mit vorübergehenden Buchverlusten gut umgehen kann, der kann stärker auf risiko- und renditeträchtigeren Anlagen setzen. Eine gesetzliche Pflicht zur Risikovermeidung gibt es nicht. Doch aus welchen Optionen kann eine Stiftung grundsätzlich auswählen?

Festverzinsliche Wertpapiere

Die klassische Anlage von Stiftungen in Deutschland waren für viele Jahre festverzinsliche Wertpapiere wie z.B. Bundesanleihen, die einen fixen Kupon aufweisen und deren Rückzahlung zum Nennwert der Schuldner garantiert. Diese Bundesanleihen werfen derzeit keine oder kaum noch Rendite ab, können aber ein Portfolio stabilisieren, wenn andere Anlageklassen an Wert verlieren. Neben Staatsanleihen gibt es eine Vielzahl von Pfandbriefen und Unternehmensanleihen aus dem so genannten Investment-Grade-Bereich. Sie bergen eine niedrige Ausfallwahrscheinlichkeit, werfen aber auch eine geringe Rendite ab. Daneben gibt es Hochzinsanleihen, die ein höheres Ausfallrisiko mit sich bringen und nicht mehr im Investment Grade liegen, dafür aber höhere Renditen bieten. Allerdings sind dies spekulative Anleihen und wirklich nur für Stiftungen geeignet, die über Expertise und die Möglichkeit verfügen, deren Entwicklung zeitnah zu überwachen.

Aktien

Das Aktienuniversum bietet eine Vielzahl an Anlagemöglichkeiten. Dividendenstarke Titel bieten attraktive Ausschüttungen: Die 30 Unternehmen im DAX weisen eine durchschnittliche Dividendenrendite von 3,22 % für das Jahr 2019 auf. Und Dividenden sind für die Performance von Aktien sehr viel wichtiger als viele Anleger meinen. Seit 1973 trugen Dividenden zu ungefähr 41 Prozent zur annualisierten Gesamtrendite der Aktienanlage für den MSCI Europa bei.

Abbilden lassen sich Aktieninvestments über ein Portfolio aus einzeln gekauften Aktien, über aktiv gemanagte Aktienfonds oder über Exchange Traded Funds (ETFs), die passiv einen Index nachbilden. Da man viel Knowhow benötigt, um sich selbst ein aussichtsreiches und gut strukturiertes Portfolio aus Einzeltiteln zusammenzustellen, können sich für Stiftungen ETFs oder Aktienfonds als Anlagevehikel eignen. ETFs sind gegenüber aktiv gemanagten Fonds kostengünstiger. Allerdings schaffen es einzelne aktive Fondsmanager in einzelnen Jahren durchaus, besser abzuschneiden als ihr jeweiliger Vergleichsindex. Es kann deshalb auch sinnvoll sein, aktive und passive Investments zu kombinieren.

Immobilien

Internationale Immobilien brachten seit 1900 einen Ertrag von 4,8 Prozent pro Jahr, wobei der Wertzuwachs 1,3 Prozentpunkte beisteuerte, der Rest geht auf Mieteinnahmen zurück. In Deutschland lag die Immobilienrendite von 1870 bis 2015 nach Inflation sogar bei 7,85% pro Jahr. Somit bieten Immobilien unter bestimmten Voraussetzungen Inflationsschutz. Zu berücksichtigen ist aber, dass Kosten für die Instandhaltung anfallen und in der Liquiditätsplanung berücksichtigt werden müssen. Auch dürfte nicht jede Stiftung in der Lage sein, ihrem Portfolio Immobilien in der Direktanlage beizumischen. Eine Alternative können offene Immobilienfonds sein. Investoren beteiligen sich an einem Portfolio aus verschiedenen Objekten und erhalten damit eine gewisse Streuung in dieser Assetklasse.

Alternative Investments

Bei Private Equity handelt es sich um die Beteiligung an nicht-börsennotierten Unternehmen. Zu beachten ist, dass es für diese Art des Investments sehr viel Knowhow und Erfahrung braucht, und dass Private-Equity-Anlagen in der Regel bis zu einem möglichen Börsengang keine laufenden Erträge einbringen. Investoren wie Stiftungen bleibt deshalb fast nur der Weg über Private-Equity-Fonds oder einen Private-Equity-Dachfonds.

Als sicherer Hafen gilt zwar Gold. Allerdings müssen Investoren dabei berücksichtigen, dass das Edelmetall weder Zinsen noch eine Dividende und auch keine Miete abwirft. Zudem kann der Preis für Gold ebenfalls erheblichen Schwankungen unterliegen.

Alles in einem: Stiftungsfonds

Eine Alternative für Stiftungen ist die Beauftragung eines externen Vermögensverwalters. Dieser setzt die Anlagepolitik um und überwacht das Portfolio laufend. Zu beachten ist dabei aber, dass der Vorstand einer Stiftung dadurch weder von seiner Kontrollpflicht über die Vermögensverwaltung noch von der Haftung entbunden ist. Zudem eignet sich dieser Weg nicht für jede Stiftung, da Kosten damit verbunden sind. Diese Alternative rentiert sich daher erst für Stiftungen mit einem Anlagevermögen im mindestens siebenstelligen Bereich.

Eine Lösung für kleinere Stiftungen können deshalb Stiftungs- oder vermögensverwaltende Fonds sein, also Mischfonds oder Multi-Asset-Fonds, bei denen ein Manager in mehrere Anlageklassen investieren kann. Jedoch müssen sich die Stiftungsverantwortlichen auch damit genau auseinandersetzen, da die Fonds unterschiedlich ausgerichtet sind.

Nachhaltige Investments – für Stiftungen besonders interessant

In den vergangenen Jahren ist das Interesse an Investments, die an ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien ausgerichtet sind, stark gestiegen. Deren grundsätzliche Idee liegt darin, die drei klassischen Kriterien der Geldanlage um eine vierte Dimension zu ergänzen. Für manche Stiftungen, die soziale oder ökologische Zwecke verfolgen, kann eine an diesen Kriterien ausgerichtete Geldanlage besonders Sinn machen. Dabei gibt es eine ganze Reihe von Methoden, über die Investoren nachhaltige Anlagen auswählen - etwa anhand von Ausschlusskriterien oder nach dem Best-in-Class-Ansatz. Noch einen Schritt weiter geht Impact Investing, bei dem allein durch die Kapitalanlage bereits eine nachweisbare Wirkung erzielt werden soll – der Stiftungszweck also schon mit der Anlage unterstützt wird. Jedoch gibt es noch nicht viele geeignete Investments, die zu den unterschiedlichen Satzungszwecken passen und meist benötigt die Erfüllung des Satzungszwecks immer noch liquide Mittel, also Erträge aus den Investments.


Weitere Beiträge aus der Serie "Es gibt ein Leben nach dem Niedrigzins"

  1. Über die Mythen der Geldanlage von Stiftungen
  2. Anlagerichtlinien für Stiftungen – darauf gilt es zu achten
  3. Die vielfältigen Möglichkeiten der Geldanlage
  4. Haftungsregelungen für Stifter und Vorstände
  5. Handlungsstau einer Stiftung auflösen

 

Mehr zum Thema:

Wie Stiftungen erfolgreich wirtschaften können

White Paper "Niedrigzins, Mythen der Mündelsicherheit und Mut zur Veränderung" der SOS-Kinderdorf-Stiftung

Über die Autorin

Petra Träg ist ausgebildete Bankkauffrau und war über 20 Jahre in einer Bank in der Anlageberatung und der Vertriebsberatung tätig. Seit über 15 Jahren ist sie für die SOS-Kinderdorf-Stiftung im Einsatz und verantwortet unter anderem das Anlagemanagement der Dach- und Treuhandstiftungen. 

Transparenzhinweis

Artikel von externen Autoren: Transparenz und Selbstverständnis

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