Die Paradise Papers, die Geldwäscherichtlinie und der Tatort

Liebe Stiftungsfreunde,


was haben die Paradise Papers, die Geldwäscherichtlinie und der Tatort gemeinsam? In allen dreien wird der Begriff „Stiftung“ oft in Zusammenhang gebracht mit undurchsichtigen Machenschaften. Was haben sie noch gemeinsam? Mit der Realität gemeinnütziger Stiftungen in Deutschland jeweils wenig. Bei den Paradise Papers wird der Begriff fast ausschließlich für ausländische „Trusts“ verwendet. Die europäische Geldwäscherichtlinie vermutet mit der gleichen Begriffsverwirrung ein Systemrisiko für Terrorismusfinanzierung, freilich ohne konkrete Fälle. Und eine Kollegin hat einmal nachgewiesen, dass Stiftungen im Tatort häufig der Ort sind, an dem der Mörder zu finden ist. Vermutlich würde der Abgleich mit den Kapitalverbrecherlisten auch hier ins Leere laufen.

Schlecht gezielte Gesetze und die Folgen

Tatsächlichen Anlass zur Aufregung bieten regelmäßig alle anderen Rechtsformen: Unternehmen aller Facetten, auch mal ein Verein. Wenn überhaupt eine Stiftung, dann (leider zu selten mit der entsprechenden Abgrenzung) am ehesten eine steuerpflichtige Familienstiftung im Erbenkampf.

Die Last schlecht gezielter Gesetze bekamen in den vergangenen Monaten zehntausende Engagierte zu spüren, die sich kurzfristig in ein neues Transparenzregister eintragen mussten, das nicht auf gemeinwohlorientierte Stiftungen, sondern auf Geldwäsche in Finanzinstitutionen abzielte. Innerhalb weniger Wochen erreichte der Bundesverband zwar einige Verbesserungen, aber ein mit hohen Geldstrafen bewehrter Nachgeschmack bleibt.

Die Diskrepanz zwischen Verdacht und Realität

Woher kommt die Diskrepanz zwischen Verdacht und Realität? Je weniger man über gemeinnützige Stiftungen weiß, desto leichter ist es, etwas unwidersprochen zu vermuten. Spätestens bei dieser Einsicht kommt meist der Ruf nach mehr Kontrolle und Transparenz. Beide laufen ins Leere. Stiftungen sind bereits ungewöhnlich intensiv kontrolliert, nämlich gleich doppelt durch Stiftungsaufsicht und Finanzamt. Und über 26.000 Organisationen (bei nur ca. 22.500 Stiftungen bürgerlichen Rechts insgesamt) kann man offen (und demnächst detailliert per Abo) in der Stiftungssuche des Bundesverbandes nachlesen. Ein offizielles Stiftungsregister, das in den meisten europäischen Ländern existiert und vom Bundesverband seit Jahren gefordert wird, kommt bisher deshalb nicht zustande, weil eine föderale Ebene der anderen die überschaubaren Kosten zuschiebt. Dank zahlreicher Empfehlungen für transparente Kommunikation (etwa entlang der Initiative Transparente Zivilgesellschaft von Transparency International) legen die meisten Stiftungen weit mehr über ihre Tätigkeit offen als sie müssten.

Das Problem ist nicht eine Geheimhaltung seitens der Stiftungen. Es ist die Unwissenheit seitens derer, die es besser wissen könnten. Die Lösung ist nicht noch mehr Arbeit für die meist ehrenamtlichen Stiftungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, sondern eine auf konkreten Risiken basierende, kluge Regulierung, wie der Verband sie mit der Stiftungsrechtsreform fordert.


Bleiben Sie informiert!


Ihr 
Felix Oldenburg

Über den Autor

Felix Oldenburg war von 2016 bis 2020 beim Bundesverband Deutscher Stiftungen als Generalsekretär tätig. Er ist Vorsitzender des europäischen Verbandsnetzwerks DAFNE.

Aktuelle Beiträge
Stiftungsrecht

Veranstaltung in Corona-Zeiten – Absagen und was nun?

In den letzten Wochen mussten und müssen aufgrund immer strenger werden Verordnungen Veranstaltungen abgesagt oder verschoben werden. Was müssen Stiftungen bei Absagen von Veranstaltungen beachten? Was ist, wenn meine Veranstaltung zeitlich nicht unter die aktuellen Verbote fällt und erst im Mai oder Juni stattfinden soll? 

Mehr
Kapital und Wirkung

Die Börsenkrise als Chance nutzen

Stiftungen brauchen Erträge. In den letzten Jahren war dies mit Zinsanlagen und einer geringen Aktienquote kaum möglich. Die aktuelle Coronakrise bietet eine gute Gelegenheit auf auskömmliche Erträge für die nächsten Jahre.

Mehr
Globales Engagement

„Die SDGs sind unsere Messlatte“

Michael Beier, Vorstandsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung, über Fridays for ­Future und die Bedeutung von Stiftungen für den Klimaschutz.

Mehr
Stiftungs-News

Brücke zwischen Online-Angebot und Offline-Nachfrage

Auch das Nachbarschaftsnetzwerk nebenan.de stellt sich auf die neue Situation durch das Corona-Virus ein: Wie können sich in dieser Krise Menschen finden, die unterstützen möchten, und solche, die Unterstützung brauchen? Antwort gibt Christian Vollmann, Gründer von nebenan.de.

Mehr
Geschlechtergerechtigkeit

Klimawandel ist nicht genderneutral

Frauen sind weltweit in höherem Maße von den negativen Auswirkungen des Klimawandels sowie vom Raubbau an der Natur betroffen. Ein feministischer Ansatz, der vor Ort verwurzelt ist, kann eine machtvolle Quelle für Umweltschutz und Geschlechtergerechtigkeit zugleich sein. 

Mehr

Mehr zum Thema

Impuls

Jetzt ist die Zeit für gemeinwohlorientierte digitale Ökosysteme

Seit Corona leben und arbeiten wir anders. Plattformen und Tools ersetzen physische Nähe, sei es im Beruf oder privat. Mehr denn je brauchen wir daher gemeinwohlorientierte digitale Ökosysteme. 

Mehr
Impuls

76 Millionen japanische Dollar

Wie kommt es, dass die weltgrößte Stiftung, die Bill and Melinda Gates Stiftung, der nigerianischen Regierung ihre Staatsschulden gegenüber Japan in Höhe von 76 Millionen Dollar zahlt? Das erklärt Felix Oldenburg in seinem neuen Impuls.

Mehr
Impuls

Preiswürdig?

Preise für Engagierte und Projekte gibt es in der deutschen Stiftungslandschaft hundertfach. Doch schaffen diese auch einen Mehrwert für Ausgezeichnete und Ausrichter?

Mehr