Corona-Pandemie: Wie reagieren Stiftungen und ihre Netzwerke weltweit

Corona-Pandemie: Wie reagieren Stiftungen und ihre Netzwerke weltweit?
Impuls
Foto: Viktoria Kurpas - Shutterstock

Viele Länder können von schnellen Förderprogrammen wie in Deutschland nur träumen. Mut macht daher die Beobachtung, dass immer mehr Menschen solidarisch sind und Organisationen enger zusammenarbeiten. Krisen legen neue Potenziale frei und wir spüren, wie wichtig derzeit Solidarität und Austausch sind.

Wir sitzen alle in derselben Misere und doch macht uns die Krise nicht gleicher. Globales Denken war wohl noch nie so wichtig wie heute. Denn ungleiche Chancen im Zugang auf Gesundheit, Bildung, Wasser, wirtschaftliche Ressourcen etc. verstärken sich. Die jetzt überproportional notwendige Pflegearbeit liegt nach wie vor vor allem auf den Schultern von Frauen. Die Krise trifft marginalisierte Gruppen härter. Andere Länder können von schnellen Förderprogrammen wie in Deutschland nur träumen. 

Neue Potenziale für Solidarität und Austausch 

Es lässt sich jedoch auch beobachten - und das macht Mut -, dass immer mehr Menschen solidarisch sind und Organisationen enger zusammenarbeiten. Krisen legen neue Potentiale frei und wir spüren, wie wichtig derzeit Solidarität und Austausch sind. Wer bisher nicht digital vernetzt war, lernt jetzt sich virtuell in Konferenzen einzuwählen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Ein kleines Beispiel: Den Aufruf für einen flexiblen Umgang mit geförderten Organisationen, das der Arbeitskreis Förderstiftungen im Bundesverband Deutscher Stiftungen veröffentlicht hat, basiert auf einem ähnlichen Aufruf der London Funders. Übersetzt und adaptiert haben es engagierte Mitglieder des Bundesverbandes. Sie stellen zudem seit Tagen in einem Google Dokument gute Beispiele aus Deutschland und weltweit zusammen. Jede und jeder kann es lesen und mitgestalten. Ein Ideen- und ein Bedarfspool werden folgen.  

Stay strong!

Exemplarisch möchte ich auf ein paar internationale Partnerorganisationen verweisen, die aus meiner Sicht relevante überregionale und globale Informationen für philanthropische Organisationen zur Verfügung stellen. Einen guten Überblicksartikel mit Einschätzung von Expertinnen und Experten aus dem Redaktionsbeirat hat heute das Alliance Magazine veröffentlicht.  

“Stay strong! In times like these we can be the best version of ourselves.” schrieb meine bulgarische Kollegin, um der kroatischen Kollegin in Zagreb nach dem Erdbeben am Wochenende Mut zuzusprechen. Lasst uns die unangenehmen Themen nicht vergessen und die Menschen unterstützen, die es am meisten brauchen werden! Stärkt alle Eure besten Seiten und bleibt gesund! 

 

Candid (Foundation Centre und Guide Star), New York
Candid sammelt und analysiert Daten weltweit, baut spezielle Datenbanken auf und hilft damit den Non-Profit-Sektor besser zu verstehen. Auf der Website zu Corona finden sich Rankings, Landkarten und Zusammenfassungen: wer wieviel wofür gegeben hat – nicht vollständig, aber beeindruckend und Trends abbildend. Am 24. März 2020 zeigte die Corona-Weltkarte 313 Förderungen in Höhe von 2,2 Mrd. Dollar von 253 Gebern an 81 Geförderte Organisationen.  
https://candid.org/explore-issues/coronavirus 

Donors and Foundations Networks (DAFNE) in Europe, Brüssel
Das Netzwerk der europäischen Stiftungsverbände und Netzwerke tauscht sich zurzeit einmal wöchentlich virtuell aus. DAFNE teilt die Erfahrungen und Ideen aus den europäischen Ländern untereinander, aber auch in Blogbeiträgen und auf Twitter unter dem Hashtag #Philanthropydoesnotstop. Gemeinsam mit dem EFC veröffentlichen sie das European Philanthropy Statement on COVID-19:We stand together in the spirit of European solidarity.
https://dafne-online.eu/  

European Foundation Center (EFC), Brüssel
Das European Foundation Center hat auf seiner Website Links zu den Reaktionen von – zumeist großen – Mitgliedsorganisationen veröffentlicht. So hat Calouste Gulbenkian Foundation einen Nothilfefonds über 5 Million Euro aufgelegt, dem sich andere Stiftungen anschließen können. Die portugiesische Stiftung bietet zudem freien Onlinezugang zu Konzerten, Ausstellungen und Bildungsangeboten.  
https://www.efc.be/news-post/how-are-efc-members-mitigating-the-impact-of-covid-19/  

The Communication Networks, global
Dieses Netzwerk aus Kommunikationsmanagerinnen und -managern großer Stiftungen und NGOs stellt ein Krisenkommunikation-Kit auf Englisch zur Verfügung. Über ein offenes Dokument wird es gemeinsam weiterentwickelt. Ein anderes Dokument bietet aktuell 60 Links zu den corona-relevanten Informationen auf den Webseiten der beteiligten großen Stiftungen und NGOs. Auf Twitter wird der Hashtag #Comms4Good genutzt.  
https://www.comnetwork.org/resources/coronavirus-crisis-comms-triage-kit/ 

Autor
Anke Pätsch

Mitglied der Geschäftsleitung
Leiterin Internationales

Telefon (030) 89 79 47-27

Alle Beiträge von Anke Pätsch
Aktuelle Beiträge
Stiftungsrecht

Nachgefragt: Welche Themen beschäftigen Stiftungsaufsichten in der Corona-Pandemie?

Wir haben bei acht Stiftungsaufsichtsbehörden nachgefragt, wie sich die Corona-Pandemie auf ihre Arbeit auswirkt und welche Themen Stiftungen jetzt beschäftigen.

Mehr
Kapital und Wirkung

Wie eine Stiftung mit Handlungsstau wieder flottgemacht wurde

Trotz niedriger Zinsen ausreichend Erträge generieren? Im fünften und letzten Teil der Artikelserie "Es gibt ein Leben nach dem Niedrigzins" der SOS-Kinderdorf-Stiftung geht es um die Frage, wie sich ein Handlungsstau erfolgreich auflösen lässt.

Mehr
Globales Engagement

Corona-Krise in Entwicklungsländern

Patrick Knodel, Vorstand der knodel foundation, spricht im Interview mit StifterTV über die Auswirkungen von Corona vor allem in Entwicklungsländern.

Mehr
Stiftungs-News

Die Bürgerstiftungs-Tournee mit Cameron Carpenter: 40 „Konzerte vor den Fenstern der Stadt“

Koordiniert vom Bündnis der Bürgerstiftungen Deutschlands gastierte Star-Organist Cameron Carpenter mit einer auf einen LKW montierten Orgel in acht Städten, vor Ort organisiert von den jweiligen lokalen Bürgerstiftungen.

Mehr
Unsere Demokratie

Update Demokratie – Marina Weisband spricht zur on- und offline Debattenkultur

Digitalisierung, Partizipation und Debatte - mit einem kleinen Impuls umreißt die Aktivistin Marina Weisband auf dem StiftungsTag 2019 die Gelingensbedingungen einer zeitgemäßen Demokratie.  

Mehr
Geschlechtergerechtigkeit

Klimawandel ist nicht genderneutral

Frauen sind weltweit in höherem Maße von den negativen Auswirkungen des Klimawandels sowie vom Raubbau an der Natur betroffen. Ein feministischer Ansatz, der vor Ort verwurzelt ist, kann eine machtvolle Quelle für Umweltschutz und Geschlechtergerechtigkeit zugleich sein. 

Mehr

Mehr zum Thema

Impuls

Ein besseres Neues Normal aktiv gestalten

Das Neue Normal: um die Welt nach der Corona-Pandemie drehen sich viele Gedanken und Gespräche. Wie werden wir leben, arbeiten, wirken in diesem Mix aus Katerstimmung, transformativen Lernerfahrungen und Sehnsucht nach dem Altbekannten? Als der erste Krisen-Schock Mitte Mai verdaut war, hat sich die Stiftung Bürgermut auf ihren Claim besonnen: Neues einfach machen. Denn wie es aussehen wird, das Neue Normal, passiert nicht einfach mit uns. Es liegt als Gestaltungschance und Gestaltungsauftrag in unser aller Hände.

Mehr
Stiftungsrecht

Nachgefragt: Welche Themen beschäftigen Stiftungsaufsichten in der Corona-Pandemie?

Wir haben bei acht Stiftungsaufsichtsbehörden nachgefragt, wie sich die Corona-Pandemie auf ihre Arbeit auswirkt und welche Themen Stiftungen jetzt beschäftigen.

Mehr
Impuls

Interview: „Ein starkes Europa nach der Krise wird nur mit dem Dritten Sektor gelingen!“

Am 1. Juli 2020 hat Deutschland für ein halbes Jahr die EU-Ratspräsidentschaft übernommen. Wir sprachen mit Marie-Alix Freifrau Ebner von Eschenbach, Mitglied der Geschäftsleitung im Bundesverband, darüber, wieviel Zivilgesellschaft im Ratspräsidentschaftsprogramm steckt und welche Signale Deutschland auf europäischer Ebene für Stiftungen geben sollte. 

Mehr