Chancen durch nachhaltige Finanzdienstleistungen

Neue Tablets für Finanzdienstleistungen in Bhutan
Globales Engagement
Foto: Sparkassenstiftung für internationale Kooperation

Die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation ist seit 1992 mit ihrer Mission "Global denken, lokal handeln, international kooperieren" tätig, um Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern den Zugang zu Finanzdienstleistungen zu ermöglichen. Niclaus Bergmann, Geschäftsführer der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation, teilt in diesem Blogbeitrag Erfahrungen und Beispiele aus der Stiftungsarbeit.

Niclaus Bergmann, Geschäftsführer Sparkassenstiftung für internationale Kooperation

Langfristiger Ansatz um Nachhaltigkeit zu erzielen

Unser Ziel ist es, vor Ort nachhaltige Strukturen aufzubauen: in lokaler Trägerschaft und angepasst an die dortigen Verhältnisse. Deshalb haben unsere Projekte meist eine relativ lange Dauer von sechs bis zehn Jahren. Vor Ort organisiert und steuert immer ein eigener Mitarbeiter der Sparkassenstiftung die Projektarbeit – oft sind das „Sparkässler“, die von ihren Filialen für zwei bis drei Jahre für diese Tätigkeit freigestellt werden. Finanziert wird unsere Arbeit durch die Beiträge und Spenden unserer Mitglieder: zwei Drittel aller Sparkassen sind Mitglied der Sparkassenstiftung, dazu kommen Landesbanken, Verbände und sonstige Einrichtungen der Sparkassen-Finanzgruppe. Deren Beiträge sowie projektbezogene Fördermittel des Bundes und internationaler Einrichtungen sind die Grundlage unserer Arbeit. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ist dabei der größte Zuwendungsgeber. Insgesamt konnte die Sparkassenstiftung so im Jahr 2017 in den Projekten etwa 18 Millionen Euro einsetzen.

Hilfe zur Selbsthilfe mit „Dominoeffekt“

Wir freuen uns natürlich über jeden einzelnen Projekterfolg – besonders hervorheben möchte ich zunächst unsere Beratungstätigkeit in den 80iger Jahren für die CARD Rural Bank, ein Mikrofinanzinstitut auf den Philippinen. CARD unterstützt die ärmsten Bevölkerungskreise und ist speziell auf Frauen ausgerichtet. Zusammen mit Experten der Sparkasse Essen haben wir CARD über längere Zeit in vielen Bereichen des Bankgeschäfts beraten. Wir konnten seit 1996 dabei helfen, CARD von einem kleinen und nicht formellen Selbsthilfeverein mit immerhin rund 80 Mitarbeitern und rund 6.800 Kundinnen zur größten Mikrofinanzbank auf den Philippinen mit heute 1,5 Millionen Kunden und rund 1.500 Zweigstellen zu machen. Die CARD MRI, eine Art Holding, die aus mittlerweile 14 Institutionen besteht hat heute 15 Millionen Versicherte und rund 4.7 Millionen. Kunden. Diese Zusammenarbeit wurde dann auch Ausgangspunkt für weitere Aktivitäten der Sparkassenstiftung im Mikrofinanzbereich im ehemaligen Indochina, nämlich in Vietnam, Laos und Kambodscha. Und in diesen Ländern gibt auch CARD seine Erfahrungen an die dortigen Partner weiter. So wird der Empfänger von Unterstützung selbst zum Helfer – das ist für uns ein großer Erfolg!

Finanzielle Inklusion breiter Bevölkerungsschichten

Und dann möchte ich noch ein Land in Afrika nennen, in dem wir seit 2008 aktiv sind: Ruanda. Das kleine Land im Herzen Afrikas ist vielen nur aufgrund seiner tragischen Geschichte bekannt, gilt aber auf dem Kontinent mittlerweile als Musterschüler der Entwicklungspolitik. 24 Jahre nach dem Völkermord verzeichnet das „Land der 1000 Hügel“ nicht nur ein konstant hohes Wirtschaftswachstum, auch im Gesundheitssektor und im Umweltbereich gilt es als vorbildlich. Daher fällt die Projektarbeit der Sparkassenstiftung auf fruchtbaren Boden: Angefangen mit einem kleinen Projekt zur Professionalisierung des Mikrofinanzdachverbands AMIR mit zwei Mitarbeitern, gibt es nun zwei große Projekte mit mehreren Projektkomponenten, die die finanzielle Inklusion breiter Bevölkerungsschichten zum Ziel haben. Mittlerweile arbeiten rund 30 deutsche und lokale Mitarbeiter unter anderem daran, den Mikrofinanzsektor in Ruanda zu digitalisieren, die duale Berufsausbildung nach deutschem Vorbild in Mikrofinanzinstitutionen einzuführen, eine Berufsschule aufzubauen, Verbandsdienstleistungen zu professionalisieren sowie Kindern und Jugendlichen den Spargedanken näher zu bringen. Ruanda war auch der Motor für weitere Projekte in Ostafrika zur Beruflichen Bildung und Stärkung des Mikrofinanzsektors in Burundi und Tansania.

Verbindung von Tradition und moderner Technologie

In Bhutan sind wir schon seit 2011 tätig und haben zusammen mit der lokalen Nichtregierungsorganisation RENEW die erste Mikrofinanzinstitution des Landes aufgebaut. Bhutan zählt mit einem Pro-Kopf-Jahreseinkommen von umgerechnet etwas mehr als 2.000 US-Dollar zu den ärmsten Entwicklungsländern der Welt. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung muss mit weniger als 1,25 US-Dollar am Tag auskommen. Diese schwierigen Lebensumstände treffen, wie so häufig, insbesondere Frauen und Kinder. Für die Nichtregierungsorganisation RENEW (Respect, Educate, Nurture and Empower Women) ist daher der Name Programm: Die Rolle von benachteiligten Frauen in Bhutan soll gestärkt werden.

Die Mikrofinanzinstitution RENEW MFI, die die Sparkassenstiftung zusammen mit RENEW aufgebaut hat, soll den Frauen im ländlichen Bhutan helfen, ihr Leben selbst in die Hand nehmen zu können. In der Hauptstadt Thimphu und mittlerweile sieben ländlichen Regionen Bhutans werden heute mehr als 10.000 Kundinnen bedient. Aufgrund der wenig entwickelten Infrastruktur des Landes und der weit abgelegenen Dörfer stellt die Organisation der so genannten „Center Meetings“ (das sind Beratungsstunden unserer Experten in den Dörfern) eine große Herausforderung für alle dar. Die Mitarbeiter von RENEW MFI und ihre Kundinnen legen oftmals extrem weite Wege für ein Center Meeting zurück. Das Kreditgeschäft von RENEW MFI hat sich sehr positiv entwickelt, sodass die Erträge ausreichen, um die Kosten zu decken, die aus den großen infrastrukturellen Schwächen des Landes resultieren. Zum Abschluss des Geschäftsjahrs 2014/2015 konnte RENEW MFI erstmals schwarze Zahlen schreiben. Tradition trifft dabei auf Moderne – RENEW MFI setzt auf moderne Technologie, um die Kosten weiter gering zu halten und das Geschäftsgebiet stärker ausdehnen zu können.

Die deutsche Partnersparkasse Germersheim-Kandel unterstützt das Projekt in vielfältiger Weise mit dem Aufbau eines Managementinformationssystems, der Implementierung effizienter Abläufe und nicht zuletzt der Vermittlung von zentralen Werten der Sparkassen wie die Förderung der lokalen Wirtschaft und des Sparens. Dies ist insbesondere für die bhutanischen Nachwuchsführungskräfte von besonderer Bedeutung – sollen sie doch bald das Management der Institution selbstständig übernehmen.

Erfahrungen für zukünftiges Stiftungswirken nutzen

Diese Beispiele sind nur zwei unter vielen Projekten, die in den letzten 25 Jahren initiiert und betreut wurden. Die Stiftung hat sich nicht nur vom Projektvolumen sondern auch personell in dieser Zeit stark vergrößert. Dies bringt mit sich, dass sich auch die Strukturen dementsprechend verändern müssen. 2017 waren wir beispielsweise intensiv damit beschäftigt, unsere IT neu aufzustellen, damit wir über ein Intranet unsere vielen ausländischen Kollegen in den Projekten vor Ort gut in alle Abläufe einbinden können.

Auch die Themen und Ansätze zu unseren Projekten sind einem laufenden Wandel unterworfen. War bis vor kurzem „Mikrofinanz“ eines der Hauptthemen unserer Arbeit, so haben wir heute alle unsere Fachbereiche einem Überthema zugeordnet – und dies heißt: Armutsbekämpfung durch finanzielle Inklusion: Darunter subsumieren wir sechs Kernthemen: Training und Personalentwicklung, Finanzielle Bildung, KKMU Finanzierung – d.h. Finanzierung für kleinste, kleine und mittlere Unternehmen, Entwicklung regionaler Institute, Ländliche Finanzierung und Green Finance für Investitionen im Bereich erneuerbarer Energien und Energieeffizienz.

Mit der Aufnahme des Themas Green Finance tragen wir seit 2018 der Entwicklung Rechnung, dass Umweltschutz und Finanzierungen immer enger miteinander verknüpft sind. Und noch ein Thema beschäftigt uns in zunehmendem Maße: Wie können wir Menschen in ihren Heimatländern eine Perspektive geben, damit sie – in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in Europa – nicht ihr Leben riskieren? Deshalb haben wir Programme entwickelt, wie wir ihnen beim Aufbau einer eigenen wirtschaftlichen Existenz in ihren Heimatländern, aber auch in den Transitländern, in denen sie „gestrandet“ sind, helfen können.

Autor

Niclaus Bergmann 
Geschäftsführer Sparkassenstiftung für internationale Kooperation
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